Wir müssen reden …

Aug. 30, 2019, 3:35 p.m.

Acht Grundregeln für einen erfolgreichen Verbraucherdialog

Öffentlichkeitsarbeit ist in der Landwirtschaft wichtiger denn je. Während Forderungen nach Transparenz immer lauter werden, gewinnen durchdachte Imagebildung und Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Doch Landwirtschaft und Verbraucher haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter voneinander entfernt. Wie kann nun der wichtige Kontakt zum Verbraucher wiederhergestellt werden? Wir stellen acht Grundregeln für einen erfolgreichen Verbraucherdialog vor.

 

Die acht Grundregeln im Überblick:

1. Aktiv den Dialog suchen

2. Die eigenen Kreise verlassen

3. Fachwissen ist keine Vorraussetzung!

4. Zuhören und verstehen

5. Selbstbewusst auftreten

6. Nicht provozieren lassen!

7. Der Ton macht die Musik

8. Gäste einladen

 

1. Aktiv den Dialog suchen

Ein Verbraucher, der sich aktiv informieren möchte und direkt auf den Landwirt zugeht, ist ein Idealbild, wenn nicht sogar ein Wunschbild. Um jedoch erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, darf man als Landwirt nicht erwarten, dass sich Verbraucher aktiv dafür einsetzen die Barriere von sich aus zu durchbrechen. Aber warum? Der Bezug zur Landwirtschaft und der Herkunft von Lebensmitteln ist in den meisten Fällen so gering, dass hierfür nicht ausreichend Bedarf und Interesse vorhanden ist. Es ist daher unbedingt notwendig, aktiv nach dem Verbraucherdialog zu suchen und sich zum Austausch anzubieten.

 

2. Die eigenen Kreise verlassen

Gute Öffentlichkeitsarbeit funktioniert nur, wenn man sich öffnet und nicht in den eigenen Kreisen verharrt. Daher sollte man regelmäßig überprüfen wen ich erreiche mit dem was ich gerade tue, und ob ich unter Umständen daran etwas ändern sollte. Um aus den eigenen Kreisen herauszukommen, mussüber den Tellerrand geschaut und die Scheu vor Neuland abgelegt werden. Der Verbraucher muss dort aufgesucht werden, wo er sich auch wirklich aufhält – online wie offline.

 

3. Fachwissen ist keine Voraussetzung!

Zur Milchproduktion müssen Kälber geboren werden? Wirklich? Um einen erfolgreichen Dialog zu führen, muss auf der gleichen Ebene kommuniziert werden. Man darf keinerlei Fachwissen voraussetzen und muss die eigene Sprache dem Gegenüber anpassen. Dabei sollte bedacht werden, dass auch die simpelsten Themen für branchenfremde Personen unverständlich sein können. Fachliche Zusammenhänge müssen daher möglichst einfach vermittelt und Fachbegriffe, sei es nur Pflug, Zwischenfrucht oder Drillmaschine, vermieden bzw. verständlich erklärt werden.

 

4. Zuhören und verstehen

Wenn wir über Kommunikation mit DEM Verbraucher reden, ist es wichtig zu erkennen, dass DER Verbraucher nicht existiert; eben so wenig wie DER Landwirt. Wie in jedem Gespräch sollte jedoch zunächst die Regel befolgt werden, mit seinem Gegenüber so umzugehen, wie man auch von ihm behandelt werden möchte. Man sollte nicht nur die eigenen Interessen vertreten und eigene Sorgen und Ängste in den Vordergrund stellen, sondern zuhören und die Bedenken seines Gesprächspartners ernst nehmen. Neben einer offenen Einstellung spielt aber auch die verwendete Rhetorik eine wichtige Rolle. Es muss dringend von einer harschen, angreifenden und ausschließenden Sprache sowie von pauschalen Vorwürfen abgesehen werden.

Ein praktisches Beispiel hierfür ist der Spruch: „Ihr steht am Discounter – wir stehen am Pranger“ - Die Verwendung des Ihr- und Wir-Begriffs ist ein ausschließendes Stilmittel und baut eine zusätzliche Distanz auf. Zeitgleich wird ein vielschichtiges Problem in einen pauschalen Vorwurf, an eine völlig undefinierte Gruppe von Menschen, umgewandelt. Doch wie soll sich der einzelne Verbraucher angesprochen fühlen und Interesse an einem ernsthaften Dialog entwickeln, wenn ihm mit einem angreifenden und distanzierten Ton begegnet wird? Mit einer solchen Rhetorik wird man das Gegenteil erzielen.

 

5. Selbstbewusst auftreten

Aus einer Verteidigungsrolle heraus wird man Niemanden von seiner Position überzeugen können. Man muss sich daher rechtzeitig aus der Defensive begeben. Landwirt sein – stolz sein! Auch wenn die Landwirtschaft häufig als rückständig wahrgenommen wird, ist dies nicht die Wahrheit. Schaut man sich in Ställen und auf dem Feld um, ist High-Tech an der Tagesordnung. Als Landwirt ist man nicht nur Unternehmer, sondern zeitgleich Manager, Ingenieur, Lehrer und nebenbei auch noch Familienoberhaupt. Dieser vielfältige Job wird in der Regel mit einer Menge Verantwortung, Hingabe, Wissen und Verstand ausgeübt. Es gibt also allerlei Gründe stolz auf seine Berufung zu sein!

 

6. Nicht provozieren lassen!

Wer sich provozieren lässt, hat verloren. Es kann sicherlich frustrierend sein, Anfeindungen und falschen Anschuldigungen ausgesetzt zu sein, dennoch sollte gründlich überlegt sein wie und ob in solchen Situationen überhaupt reagiert wird. Wer sich zu emotionalen Reaktionen auf gezielte Provokation hinreißen lässt, gibt das Ruder ab.

 

7. Der Ton macht die Musik

Auch wenn dies nicht immer einfach ist, sollte man immer freundlich im Ton bleiben und bestimmt in der Sache. Auch sollte nicht davor gescheut werden, Kritik in den eigenen Reihen zu streuen. Die guten Netzwerke in der Landwirtschaft müssen genutzt werden, um sich und andere weiterzubilden und um gemeinsam aktiv zu werden.

 

8. Gäste einladen

Aktiv auf den Verbraucher zugehen heißt schließlich auch die eigenen Hoftore zu öffnen und die Möglichkeit zu nutzen, den Kontakt zur Bevölkerung zu verbessern. Dabei gilt: Kinder sind die Erwachsenen von morgen! Bei jüngeren Kindern wecken altersgerechte spielerische Elemente und Tiere Sympathie für die Landwirtschaft. Ältere Kinder können Projekte durchführen, die sie zuvor mit dem Lehrer vorbereitet haben. Ein Beispiel: Der Weg der Milch: Silage, Fütterung, Melken und abschließender Besuch der Molkerei.

Auch wenn die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen steht, gilt: Ruhe und Verstand bewahren und die Landwirtschaft wieder interessanter und zugänglicher für alle Verbrauchergruppen machen.

Autor Anna Bouten
2019 30. August