Im Fokus: Afrikanische Schweinepest

12. Februar 2018 10:24

Die gute Nachricht lautet: Das Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar und für uns besteht kein gesundheitliches Risiko. Für Schweine enden Infektionen mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) dagegen häufig tödlich, und das Schadenspotenzial für den Schweinesektor gibt entsprechenden Anlass zur Sorge.

Seit 2007 kann der Weg der ASP von Georgien aus in nordwestlicher Richtung verfolgt werden. Nach aktuellen Angaben des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) breitet sich die Krankheit in den Wildschweinbeständen in Polen, Moldawien, Rumänien und Tschechien sowie im Baltikum weiter aus. Von dieser Entwicklung sind dort immer wieder auch Bestände von Hausschweinen betroffen. Außerhalb der EU tritt ASP neben Georgien aktuell auch in Weißrussland, der Russischen Föderation, der Ukraine, Armenien sowie in verschiedenen afrikanischen Staaten auf.

In der jüngsten Vergangenheit hat der Erreger seinen Zug in Richtung Westen fortgesetzt. So berichtet das niedersächsische LAVES, dass von Polen im November 2017 ein rund 100 km weit reichender Sprung der ASP in westlicher Richtung u. a. in den Bereich der Stadt Warschau gemeldet wurde. Da die Infektion im Dezember 2017 auch östlich von Danzig aufgetreten ist, bestehen in Polen derzeit zwei Infektionsherde mit Potenzial für eine weitere Ausbreitung nach Westen.

Bereits im Juli 2017 hat das Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald das Risiko unterschiedlicher Eintragspfade nach Deutschland beurteilt:

Das Risiko (…) durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material wird als hoch (…) durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes (…) als hoch (…) durch Jagdtourismus und (…) Jagdtrophäen aus betroffenen Regionen (…) als mäßig (…) durch direkten Kontakt zwischen infizierten Wildschweinen (…) als mäßig beurteilt.

Dabei muss die Branche zum Teil auf das Verantwortungsbewusstsein von Personen hoffen, die aus Osteuropa einreisen. Wenn diese ggf. infizierte Speisereste achtlos entsorgen, kann der Erreger darin über mehrere Monate infektiös bleiben und Wildschweine infizieren, die solche Lebensmittelabfälle etwa an Park- und Rastplätzen entlang der Fernstraßen aufnehmen. Die Landwirte selbst sollten die allgemeinen Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen sowie die Bestimmungen der Schweinehaltungs-Hygieneverordnung beachten und ihren Betrieb möglichst gegenüber Wildschweinen abschotten.

Darüber hinaus ist eine enge Zusammenarbeit von Behörden, Jägern und Landwirten entscheidend. Eine Publikation von Deutschem Jagdschutzverband und Friedrich-Löffler-Institut beschreibt beispielsweise erforderliche jagdliche Maßnahmen. Der Interessenverband der Schweinehalter (ISN) hat auf seiner Webseite Informationen veröffentlicht, die für Landwirte von besonderem Interesse sind. Mit Blick auf die Schlachtbrache wurde von dem Verband der Fleischwirtschaft ein Muster-Krisenhandbuch Afrikanische Schweinepest für Schlachtbetriebe veröffentlicht.

 

Für Schweinehalter besonders wichtig:

Die Tierseuchenkasse (TSK) ersetzt den betroffenen Tierhaltern den sogenannten gemeinen Wert der Tiere, wenn bei einem Ausbruch der Seuche das Keulen des gesamten Bestands unvermeidbar ist. Voraussetzung dafür ist, dass die Tierzahlen korrekt gemeldet und die Beiträge an die TSK gezahlt wurden. Zu beachten ist ebenso: Die Leistungen der TSK können gekürzt oder sogar versagt werden, wenn gegen tierseuchenrechtliche Bestimmungen verstoßen und beispielsweise unzureichende Hygienemaßnahmen ergriffen wurden. Wenn neben dem gemeinen Wert auch Kosten von Leerstandszeiten oder Mindererlöse bei der Vermarktung von Tieren abgedeckt werden sollen, die etwa aus Restriktionszonen nur mit Preisabschlag zu vermarkten sind, sollten Betriebsleiter eine Tierertragsschadenversicherung in Betracht ziehen. Ein solcher Versicherungsvertrag muss wegen der bestehenden dreimonatigen Wartezeit allerdings früh genug geschlossen werden.

 

Tritt die Seuche auf einem landwirtschaftlichen Betrieb auf, werden ein Sperrbezirk von mindestens 3 km und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren 7 km um den Seuchenbetrieb ausgewiesen (Schweinepest-Verordnung). Hier bestehen unter anderem Transportverbote für Schweine; damit gehen für Betriebe mit gesunden schlachtreifen Tieren oder neu zu belegenden Ställen bereits deutliche Verluste einher. Dazu kommt laut Werner Schwarz vom Deutschen Bauernverband, dass Deutschland in Fall eines Schweinepestausbruchs von dem Export essbarer Teile des Schweins, die in Deutschland nicht so gerne gegessen werden, ausgeschlossen wird. Wenn diese Wertschöpfung entfällt, können die Verluste für Schweinehalter sowie vor- und nachgelagerte Bereiche laut Werner Schwarz schnell Milliardenhöhe erreichen.

 
Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 12. Februar