Agenda 2030: Zu viele Teller bleiben leer

2. November 2018 09:59

Seit September 2015 gibt es sie, die Agenda 2030 mit ihren fünf Kernbotschaften und dem ehrgeizigen Katalog von 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, den sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs). Egal ob Industrienation, Schwellen- oder Entwicklungsland: Auf dem Gipfel der Vereinten Nationen vor gut drei Jahren haben sich alle Nationen zu der Verpflichtung bekannt, jeweils ihren Beitrag zur Umsetzung dieser Agenda 2030 zu leisten.

Nach mehr als 900 Millionen hungernden Menschen im Jahr 2003 war eine Zeit lang eine gewisse Verbesserung zu erkennen: die Zahl der Menschen, denen es an Nahrung fehlt, sank bis zum Jahr 2014 auf rund 780 Millionen.

Auch dies ist entschieden zu viel, denn: Der „blaue Planet“ würde – bei einer gerechten Verteilung und einem wirksamem Schutz der Ernten vor Krankheiten, Schädlingen und Verderb – alle Menschen ausreichend ernähren können.

Doch die Realität sieht anders aus: Wegen der weltweit ungleichen Verteilung und der daraus resultierenden Not ist 2018 sogar wieder von 815 Millionen hungernden Erdenbürgern auszugehen (1). Das entspricht etwa 11 Prozent der aktuellen Weltbevölkerung und damit jedem neunten Menschen (2).

 

Die fünf Kernbotschaften der Agenda 2030 haben dies im Blick, gehen allerdings weit über die Sicherung der Ernährung hinaus:

  • Die Würde des Menschen im Mittelpunkt: Eine Welt ohne Armut und Hunger ist möglich.
  • Den Planeten schützen: Klimawandel begrenzen, natürliche Lebensgrundlagen bewahren.
  • Wohlstand für alle fördern: Globalisierung gerecht gestalten.
  • Frieden fördern: Menschenrechte und gute Regierungsführung.
  • Globale Partnerschaften aufbauen: Global gemeinsam voranschreiten.

Auf diese Kernbotschaften bauen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) auf, die tatsächlich ganzheitlich an das Verständnis einer nachhaltigen Entwicklung herangehen, indem sie die drei Dimensionen Soziales, Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen berücksichtigen.
Die Agenda 2030 erkennt diese drei Dimensionen als unteilbar und einander bedingend an – und unterscheidet sich damit wohltuend von allen Ansätzen, die auch ausschließlich auf den Schutz der Umwelt oder Wirtschaftlichkeit zielende Maßnahmen als „nachhaltig“ deklarieren.

 

Bei den Entwicklungen, die sich im Sinne der Agenda 2030 global vollziehen müssen, kommt beispielsweise den Kleinbauern in den Entwicklungs- und Schwellenländern – sowie deren Unterstützung und Förderung – eine enorme Bedeutung zu.
Diese Kleinbauern produzieren für das Überleben der eigenen Familie und einen zumeist sehr kleinen regionalen Markt.

Die Tierhaltung, von der viele existenziell abhängig sind, hat eine große Bedeutung. Mit dem International Livestock Research Institute (ILRI) mit Hauptsitz in Nairobi, Kenia, arbeitet deshalb eins der Institute unter dem Dach der Consultative Group on International Agricultural Research (CGIAR) speziell an der Erforschung von Krankheiten von Nutztieren in den Entwicklungsländern, an der Entwicklung von Diagnosemöglichkeiten und Impfstoffen sowie Produktivitätssteigerungen und der Erhaltung der genetischen Vielfalt von Nutztierrassen.

 

Viele Organisationen aus aller Welt unterstützen die wichtige Arbeit des ILRI, aus Deutschland beispielsweise das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft (3). 
Sie leisten damit einen Beitrag zu den Anstrengungen vor Ort, durch eine effiziente und nachhaltige Tierhaltung Verfügbarkeit und Qualität der Lebensmittel zu verbessern, damit die Ernährung sicherzustellen und die Armut zu verringern.

Solche Projekte der Entwicklungszusammenarbeit setzen unmittelbar an den fünf Kernbotschaften der Agenda 2030 an – und nur mit solchen Ansätzen wird es zukünftig möglich sein, den heute noch Hungernden in ihrer eigenen Heimat ein lebenswertes Leben frei von Hunger zu ermöglichen.

 

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Welthunger#/media/File:Anzahl_der_Hungernden_weltweit_ab_2000.svg
(2) https://www.welthungerhilfe.de/hunger/?wc=17GOFM2000&gclid=EAIaIQobChMIq5aWipWL3gIVjOR3Ch16AgI-EAAYASAAEgLCjfD_BwE
(3) https://www.ilri.org/home

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 02. November