Blick in die Branche: 7 Erkenntnisse im Februar

Feb. 28, 2020, 10:45 a.m.

Welche Herausforderungen erwartet die Agrarbranche? Wie können Unternehmer ihnen begegnen? Wo schlummert Potenzial für eine erfolgreiche Betriebsführung? Ist Digitalisierung die Lösung oder nur ein Werkzeug? Diese Themen kamen bei Events im Februar häufig aufs Tapet – eine Zusammenfassung unserer Top 7 Erkenntnisse der letzten Wochen.

 

Agrando tourte im Februar quer durch Deutschland, um in den Dialog mit Landwirten, Händlern und Branchenexperten zu treten. Wir haben die Jungunternehmertage in Herrsching besucht, waren auf der RegioAgrar Bayern in Augsburg mit einem Messestand präsent und Geschäftsführer Jonathan Bernwieser ergänzte das Podium der DLG Wintertagung in Münster. Was in den Gesprächen und Vorträgen immer wieder zur Sprache kam, haben wir in einem kleinen Stimmungsbild zusammengefasst.

 

1. Wer einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, ist Unternehmer.

Trotz des engen gesetzlichen Korsetts und oft historisch gewachsener Verflechtungen zwischen Hof und Händler muss sich ein Landwirt als Unternehmer verstehen lernen. Das heißt zum einen, dass er sein unternehmerisches Risiko akzeptieren muss. Zum anderen bedeutet es aber auch, gezielt Chancen und Potenziale zu suchen. Wer sich bewusst fürs Unternehmertum entscheidet, wird Lösungen finden und den Betrieb Stück für Stück optimieren können. Die Betriebsgröße spielt dabei keine Rolle.

 

2. Offenheit und Mut sind gefordert.

Die Landwirtschaft und der Landhandel stecken mitten im Wandel. Neue Verordnungen, strengere Auflagen, öffentliche Diskussionen und neue Technologien sind nur ein paar Beispiele dafür. Wer seinen Betrieb in den nächsten Jahren erfolgreich führen möchte, muss offen für Neues bleiben. Sinnvolles Abwägen statt kategorischer Ablehnung ist angesagt.

Besuch beim Bio-Hof Scheitz im Rahmen der Herrschinger Jungunternehmertage 2020 Besuch beim Bio-Hof Scheitz im Rahmen der Herrschinger Jungunternehmertage 2020

 

3. Ohne Standards keine Orientierung.

Prüfstellen arbeiten häufig mit unterschiedlichen Maßstäben. Preise werden häufig nach persönlichem Ermessen festgelegt. Das mag früher funktioniert haben, doch heute ist der Unmut unter Landwirten, die sich immer stärker gegenüber der Öffentlichkeit rechtfertigen müssen, groß. Die Zeiten für intransparentes Gemauschel sind vorbei. Wer seinen Betrieb erfolgreich führen möchte, muss sich für Anbieter entscheiden, die ihm feste Standards garantieren.

 

4. Erfolg durch Betriebsoptimierung nach innen.

Genehmigungen für Bauvorhaben sind immer schwieriger zu erhalten. Für größere Investitionen ist die gesetzliche Lage vielen zu unsicher, der Export ins Ausland keine Option. Wer nicht wachsen kann, muss das innerbetriebliche Potenzial voll ausschöpfen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

5. Kommunikation schafft notwendige Brücken.

Das Image der Landwirtschaft ist extrem diffus. Auf der einen Seite sind landwirtschaftliche Betriebe so modern wie nie. Der Druck zur Modernisierung ist aber auch so groß wie nie. Auf der anderen Seite kämpfen in der öffentlichen Meinung traditionelles Bauernhof-Idyll gegen pauschales Misstrauen. Bauern-Streiks und politische Diskurse in den Medien streuen zusätzliche Verunsicherung. Worin sich alle sicher sind: Ein neues, positives Image kann nur durch gute Kommunikation stattfinden. Am besten alle gemeinsam. Am besten ab sofort.

Fachgespräche am Agrando Stand zur RegioAgrar Bayern 2020 in AugsburgFachgespräche am Agrando Stand zur RegioAgrar Bayern 2020 in Augsburg

 

6. Handelsplattformen haben sich weiterentwickelt und bieten echte Vorteile.

Der Druck zu einer effizienteren Beschaffung wird größer. Dass ein zeit- und ortsunabhängiger Einkauf Vorteile bietet, ist inzwischen bei vielen angekommen. Interessant wird es dort, wo digitale Handelsplattformen mehr als bloße Prozessoptimierung bieten – zum Beispiel datengestützte Handlungsempfehlungen oder Marktpotenzialanalysen.

 

7. Digitalisierung ist nicht die Lösung, sondern der Weg.

Digitale Handelsplattformen wie Agrando sind ein Werkzeug, mit dessen Hilfe zukunftsfähige Managemententscheidungen möglich werden. Richtig eingesetzt machen sie Schwachstellen sichtbar und damit auch die Stellschrauben für den Erfolg. Nur wer auf die richtigen Fragen stößt, kann die richtigen Lösungen finden.

 

Autor Kristina Lutilsky
2020 28. February