Agrarzensus 2020: Mehr als nur „Schäfchen zählen“

April 5, 2019, 4:07 p.m.

Durchzählen kennen wir: von Kindergartengruppen, Schulklassen und vom Militär. Aber auch eine Volkszählung – oder der für das Jahr 2020 vorgesehene Agrarzensus – ist keine Unbekannte.

Vor neun Jahren die letzte dieser Zählungen im Bereich Landwirtschaft stattgefunden.

Der nächste Agrarzensus geht u. a. auf eine Empfehlung der FAO zurück. Die hat im Jahr 2017 das „World Programme for the Census of Agriculture 2020“1 veröffentlicht. In Kapitel 8 werden Themen und Bereiche für den Zensus benannt. Dazu gehören unter anderem Boden, Bewässerung, Ackerfrüchte, Nutztiere, landwirtschaftliche Praktiken und Dienstleistungen, demografische und sozialen Faktoren, Nahrungssicherheit in landwirtschaftlichen Haushalten, Aquakultur, Forst-wirtschaft, Fischerei und klimawirksame Emissionen.

»Es werden voraussichtlich 263.000 landwirtschaftliche Betriebe in die Erhebung 2020 einbezogen werden«

Am 27. Februar 2019 hat das Bundeskabinett auf Initiative von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Referentenentwurf zur Änderung der Agrarstrukturerhebung 20202 verabschiedet. Das BMEL geht davon aus, dass voraussichtlich 263.000 landwirtschaftliche Betriebe in die Erhebung 2020 einbezogen werden. Im Referentenentwurf ist es der Paragraf 27, der die Erhebungsmerkmale wie beispielsweise die Rechtsform des Betriebs, den Umfang der bewirtschafteten Flächen und Tierbestände, aber auch die Frage nach Stall- und Weidehaltung, nach Pachtpreisen oder der Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern beschreibt. Eine deutlich kleinere Stichprobe von etwa 80.000 Betrieben soll laut BMEL zusätzlich mit einem gesonderten Fragebogenteil angesprochen werden.

 

 

Für alle Betriebe, denen 2020 ein solcher Fragebogen ins Haus flattert, ist eines wichtig zu wissen: Das Ministerium geht von einer Auskunftspflicht der Betroffenen aus. Wird dieser Auskunftspflicht nicht nachgekommen, „stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld sanktioniert werden kann“, so heißt es aus BMEL.

Wie geht es weiter – und warum überhaupt?

Laut Empfehlung der FAO soll der Agrarzensus nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Europäischen Union und weltweit durchgeführt werden. Um eine entsprechende Vorbereitungszeit für die Statistischen Ämter in Bund und Ländern zu gewährleisten, soll das Gesetzgebungsverfahren in Deutschland zu dem vom Bundeskabinett verabschiedeten Entwurf noch vor der Sommerpause abgeschlossen werden.

Mit den zu erhebenden Daten zielt die Politik insbesondere auf eines: Je genauer die Kenntnisse zu landwirtschaftlichen Strukturen sind, desto besser können in einzelnen Feldern der Handlungsbedarf abgeschätzt und passende Maßnahmen entwickelt werden. So sagt es jedenfalls Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner2. Nun könnte man meinen, dass die Daten doch alle in Deutschland vorliegen müssten. Zum Teil ist das auch so, nur eben nicht so aktuell und konzentriert. Denn manche Betriebe geben auf, andere wachsen, Tierzahlen oder Pachtpreise ändern sich: Mit dem Zensus gibt es also einen aktuell gebündelten Überblick.

Und dazu sagt die Bundesministerin: „Umfassende, verlässliche und aktuelle Zahlen zu den Strukturen (…) zu haben, ist entscheidend (…) um zielgerichtete Entscheidungen zu treffen sowie insgesamt einen guten politischen Rahmen für die Branche zu setzen. Faktenbasiert, nicht geleitet von Stimmungen.“

Wenn „faktenbasiert“ das Kennzeichen der kommenden deutschen und europäischen Agrarpolitik sein wird, ist gegen den Agrarzensus 2020 wohl nichts einzuwenden …

 

1 http://www.fao.org/3/a-i4913e.pdf
2 https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2019/0001-0100/96-19.pdf;jsessionid=0F4970211C2EB69B76AAD6BC49B3CE9F.2_cid374?__blob=publicationFile&v=1
https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2019/052-Landwirtschaftszaehlung2020.html

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 05. April