AgTech-Startups: Innovationstreiber im ländlichen Raum

6. Juli 2018 10:50

Seit März 2016 gibt es in dem erst 2012 gegründeten Bundesverband Deutsche Startups e. V. eine eigene Fachgruppe für die sogenannten AgTech-Startups. Auch Agrando ist hier engagiert. Während die Innovationskraft klar auf der Habenseite der Jungunternehmen steht, ist die Finanzierung häufig ein Hemmschuh. Mit Blick auf den ländlichen Raum ist auch die Versorgung mit schnellem Internet noch weit von einer zufriedenstellenden Ausgangsposition entfernt. Das Potenzial für Startups gilt dennoch als enorm.

Innovative Geschäftsmodelle gelten heute als eine entscheidende Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Dies gilt umso mehr, als sich der Lebenszyklus von Geschäftsmodellen laut Prof. Dr Sven Ripsas, HWR Berlin, sehr deutlich verkürzt hat. In diesem Kontext berichtet der Bundesverband Deutsche Startups e. V. (BVDS), dass bei jedem vierten Startup die Innovation überwiegend im Geschäftsmodell und nicht in neuen Technologien begründet ist (1).

Egal ob Technologie oder Geschäftsmodell: Die Mehrzahl der Startups geht laut BVDS davon aus, dass sie – so oder so – eine echte Neuheit am Markt anbieten.

Für Benedikt Bösel, den Vorsitzenden der Fachgruppe AgTech, ist das Spektrum der von Startups angegangenen Innovationen enorm breit (2): Es reicht von Smart Farming und Big Data über den Landhandel 4.0 und neue Managementsysteme bis hin zu neuartigen Produkten wie beispielsweise einem Granulat, das auf nährstoffarmen Böden zum Humusaufbau beiträgt – und damit weit über den Themenbereich „Digitalisierung“ hinaus. Aus diesem breiten Spektrum resultieren auch entsprechend vielfältige Möglichkeiten: Startups können jenseits etablierter Strukturen und Prozesse durch Quer- und Neudenken innovative Dienstleistungen und Produkte entwickeln.

 

Zwei Wermutstropfen trüben die erkennbare Aufbruchstimmung:

 Einerseits waren bei einer Befragung im Jahr 2014 für 82,5 Prozent der Startup-Unternehmer eigene Ersparnisse die wichtigste Quelle für die Finanzierung (1)  und beinahe jedes zweite Startup beschrieb den Zugang zu Bankkrediten als schwierig.

Andererseits stellt gerade für die im ländlichen Raum angesiedelten Unternehmen derzeit noch der unzureichende Zugang zu schnellem Internet eine große Hürde dar. Zu hoffen ist, dass mit 5G auf absehbare Zeit flächendeckende Abhilfe geschaffen wird – auf die die Landwirtschaft aus verschiedenen Gründen mit Spannung wartet. (3)

 

Neben den Rahmenbedingungen ist noch ein weiteres Kriterium für die Startups und ihre Innovationen von besonderer Bedeutung: Gerade, wenn die Produkte oder Dienstleistungen in Feld und Stall zur Anwendung kommen sollen, müssen sie ohne großen Aufwand funktionieren, einfach handhabbar sein und dem Anwender einen klaren Mehrwert bringen. Lösungen, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Landwirte – beziehungsweise der Agrarbranche insgesamt – zugeschnitten sind und diesen Mehrwert bieten, werden in Zukunft wohl maßgebliche Beiträge zu der notwendigen nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft leisten können.

 

(1) https://deutschestartups.org/presse/news/veroeffentlichung-des-deutschen-startup-monitor-2014-startups-auf-wachstumskurs-mitarbeiterzuwachs-von-50-prozent-geplant-berlin-ist-startup-metropole/
(2) eilbote 21 / 2018
(3) https://www.agrando.de/blog/autonome-landtechnik/

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 06. Juli