Der Amazonas brennt: Ist die Landwirtschaft schuld?

Sept. 6, 2019, 3:40 p.m.

Die Feuer im Amazonas-Regenwald in Brasilien verbreiten sich seit Wochen stark. Zunehmende illegale Brandrodungen von Landwirten sollen der Grund sein.

 

Große Flächen des Amazonasregenwalds stehen in Brasilien in Flammen. Das brasilianische Raumfahrtforschungszentrum Inpe teilte mit, dass die Zahl der Waldbrände in Brasilien nach Angaben in diesem Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Von Januar bis August brachen insgesamt 72.843 Brände aus – das sind 83 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und die meisten seit Beginn der Waldbrandaufzeichnungen 2013. Mehrere Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen.1

 

Wer steht unter Verdacht?

Als Ursache der Waldbrände gelten vor allem die derzeit herrschende Dürre. So kommt es in der Trockenzeit regelmäßig in Brasilien zu Waldbränden. In Verdacht steht aber auch die Landwirtschaft. Einige Landwirte sollen bewusst Feuer gelegt haben, um zugunsten der Viehzucht illegal Flächen zu gewinnen. „Diese Viehwirte, die uns nun Probleme bereiten, sind Neuankömmlinge, wir hatten sie vorher hier nicht gesehen", sagt Antonio Enésio Tenharim, Bewohner des Amazonas-Regenwalds bei Humaita. „Wir können die Ursache des Brandes nicht festnageln, aber es hat alles zu tun mit diesen Viehwirten.“ Und er fügt hinzu: „Und es hat auch zu tun mit der jetzigen Regierung, die die Bevölkerung anstiftet."2

 

Präsident Jair Bolsonaro in der Verantwortung

Die Zerstörung des Amazonasregenwalds hat sich stark beschleunigt, seit Präsident Jair Bolsonaro im Januar sein Amt angetreten ist. Er gilt als Klimawandelleugner und Förderer der Agrarindustrie. Nach Angaben des staatlichen Klimainstituts Inpe wurde im Juni 88 Prozent mehr Fläche abgeholzt, im Juli stieg dieser Anteil sogar um 278 Prozent, verglichen mit den Vorjahresmonaten. Allein im Juli sind demnach 225.400 ha Regenwald gerodet worden. Dies beschleunigt die Ausbreitung der Waldbrände zusätzlich, denn das Feuer greift von den offenen Flächen auf noch intakte Waldgebiete über.

 

Bolsonaro beschuldigt Umweltorganisationen

Bolsonaro selbst reagierte auf Fragen nach der unkontrollierten Ausbreitung der Brände mit Kritik und verwies auf die für diese Jahreszeit typische Trockenperiode, die sogenannte Queimada. Die Weltraumbehörde Inpe äußerte hingegen Zweifel an Bolsonaros Darstellung. Die Mehrheit der Waldbrände könne nicht allein auf die Trockenzeit zurückgeführt werden.1

Präsident Bolsonaro beschuldigt zum anderen aber auch Umweltorganisationen, Feuer gelegt zu haben, um sich für die Kürzung von Zuschüssen zu rächen und seine Regierung zu diskreditieren. Diese Vorwürfe weisen die Organisationen entschieden zurück. Für sie ist Bolsonaro der eigentliche Brandstifter. „Diejenigen, die den Amazonas abholzen und zerstören, werden durch die Reden und die Aktionen der Regierung von Bolsonaro ermutigt, die seit ihrem Amtsantritt die Umweltpolitik des Landes wirklich demontiert hat“, sagt Danicley Aguiar vom Amazonas-Programm von Greenpeace.

 

Kein Ende in Sicht

Wegen der derzeitigen Dürre in der Region breiten sich die Brände immer weiter aus. Doch tatsächlich hat die Trockenzeit in der Region gerade erst begonnen. Im August und September werden im Amazonasgebiet unterdurchschnittliche Niederschläge erwartet. „Das sind nicht gerade beruhigende Aussichten“, sagte der Koordinator der Brandbeobachtung der Nationalen Weltraumagentur INPE, Alberto Setzer, dem Portal Infoamazonia. Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig, da es in der Region nur wenige Straßen gibt und sich die Einsatzkräfte deshalb mit Booten auf Flüssen bewegen müssen. Zudem gibt es unterirdische Feuer, die lange unentdeckt bleiben.3

Erfahren Sie, welche Auswirkungen die Amazonasbrände auf das weltweite Klima haben.

 

1 https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-08/amazonas-waldbrand-brasilien-regenwald-jair-bolsonaro-umweltpolitik
2 https://www.zeit.de/2019/36/jair-bolsonaro-amazonas-waldbraende-brasilien-nationalsouveraenitaet-globale-verantwortung
3 https://www.sueddeutsche.de/wissen/umwelt-braende-zerstoeren-brasiliens-gruene-lunge-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-190822-99-561470

Autor Anna Bouten
2019 06. September