Rückläufige Mengen an Antibiotika in der Tiermedizin

Dec. 14, 2018, 3:03 p.m.

Seit 2011 sind die Hersteller pharmazeutischer Produkte entsprechend der DIMDI-Arzneimittelverordnung (DIMDI-AMV) vom 24. Februar 2010 verpflichtet, die Mengen an Tierarzneimitteln und insbesondere an Antibiotika, die pro Jahr an Tierärzte abgegeben werden, zu erfassen. Diese Daten müssen an ein zentrales Register gemeldet werden, das beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln geführt wird. Die hier zusammenlaufenden Daten werden jährlich vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin ausgewertet.

Da der Einsatz von Antibiotika in der Gesellschaft zunehmend kritisch gesehen wird, sind die für 2017 veröffentlichten Zahlen generell positiv: Sie zeigen einen erneuten leichten Rückgang. Die in der Tiermedizin abgegebene Menge sank um neun auf 733 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang um 1,2 Prozent. Zwischen der ersten Erfassung im Jahr 2011 und der jetzt ausgewerteten Zahl von 2017 ist sogar ein Rückgang der Gesamtmenge an Antibiotika von vormals 1.706 auf jetzt 733 Tonnen und damit ein Minus von 57 Prozent zu verzeichnen (1). 
Die öffentliche Debatte berücksichtige diese positiven Entwicklungen leider nicht, stellt der Großtierarzt Dr. Christoph Geuchen aus dem nordrhein-westfälischen Hamminkeln fest (2).
Ein prophylaktischer oder ein Einsatz zur Leistungssteigerung sei überdies bereits seit 2006 in Deutschland und der EU verboten.

Der durchaus positiven Entwicklung steht laut BVL allerdings für den gleichen Zeitraum ein moderater Anstieg der abgegebenen Menge an Fluorchinolonen entgegen. Diese Wirkstoffklasse ist für die Therapie beim Menschen von besonderer Bedeutung. So berichtet auch Dr. Geuchen, dass etwa bei Behandlungen von Milchkühen bislang noch zu oft die sogenannten Reserveantibiotika eingesetzt wurden. „Allerdings werden jetzt bei jedem Einsatz dieser Antibiotika Keimbestimmungen und Antibiogramme durchgeführt. Dabei finden wir in unserem eigenen Praxislabor fast keine multiresistenten Keime“, so der Tierarzt.

Schlüsselt man die Antibiotika nach den an die Tierärzte abgegebenen Mengen auf, dann entfiel 2017 der größte Teil wie in den Vorjahren auf Penicilline und Tetrazykline, die mit 269 bzw. 188 Tonnen zu Buche schlagen. Danach folgen Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 74, Sulfonamide mit 62 sowie Makrolide mit 55 Tonnen. Bei den Fluorchinolonen und Colistin, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuft werden, wurden 2017 im Vergleich zum Vorjahr etwas höhere Mengen abgegeben. So nahm die Menge bei den Fluorchinolonen um 0,556 Tonnen auf 9,9 Tonnen und bei Colistin um rund 4,7 Tonnenauf insgesamt 74 Tonnen zu.

Da die meisten Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen sind, können die gemeldeten Mengen nicht einzelnen Tierarten zuge­ordnetwerden. Generell gilt aber, dass der Einsatz von Tierarzneimitteln dem Ziel dient, kranke Tiere zu behandeln und damit die Tiergesundheit und den Tierschutz zu fördern. Gleichzeitig liegt der Fokus auf dem Schutz der Verbraucher. Vor diesem Hintergrund stellt die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika mittlerweile eine globale Bedrohung in der Human- und Veterinärmedizin dar. Dies gilt umso mehr, als der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder Resistenzgenen zwischen Mensch und Tier wechselseitig möglich ist.

Auch für Dr. Geuchen ist deshalb eine weitere Reduktion des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung wünschenswert. Dieses Ziel sei aber nicht nur durch verschärfte staatliche Auflagen erreichbar, bei denen er überdies auf mehr Augenmaß hoffe, sondern beispielsweise bei den Milchkühen auch über die Optimierung von Haltung und Fütterung. „Und da arbeiten Landwirte, Futterberater und Tierärzte eng zusammen“, so Christoph Geuchen.

 

(1) https://www.bvl.bund.de/DE/08_PresseInfothek/01_FuerJournalisten_Presse/01_Pressemitteilungen/05_Tierarzneimittel/2018/2018_07_23_pi_Antibiotikaabgabemenge2017.html
(2) https://www.dialog-milch.de/landtierarzt-unterwegs/

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 14. December