Artenvielfalt einmal anders

30. März 2018 15:13

Die Landwirtschaft als Nutzer von 51,6 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands steht mit Blick auf die Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt zweifellos in einer besonderen Verantwortung. Allerdings bieten auch die sogenannten Eh da-Flächen bemerkenswerte Potenziale für mehr Biodiversität.

Der Schutz der Vielfalt von Flora und Fauna ist ein vorrangiges Ziel unserer Zeit. Neben anderen Maßnahmen gehört deshalb die Pflicht zur Ausweisung von ökologischen Vorrangflächen auf fünf Prozent der Ackerfläche auf jedem Betrieb mit mehr als 15 ha zu den Maßnahmen im Rahmen des „Greening“ der EU-Agrarpolitik; hier gelten besondere Bewirtschaftungsvorgaben oder -beschränkungen. In den letzten Jahren sind neben den landwirtschaftlichen Nutzflächen allerdings auch die sogenannten Eh da-Flächen und deren Potenziale in das Blickfeld gerückt. Hier kann die Biodiversität oft schon mit geringem Aufwand wirksam gefördert werden – ohne damit die effiziente Nutzung von wertvollem Ackerland einzuschränken.

Was bitte sind Eh da-Flächen?

Zu den „Eh da-Flächen“ gehören Offenlandflächen in Agrarlandschaften und Siedlungsbereichen, die – salopp formuliert – sowieso da sind, aber keiner wirtschaftlichen oder naturschutzfachlichen Nutzung unterliegen. Beispiele können etwa Straßenböschungen, Wegränder und Verkehrsinseln sein, ebenso Bahndämme, Hochwasserdämme und Deiche sowie kommunale Grünflächen und Zwickel.

Diese Flächen sind beinahe allgegenwärtig und machen meist zwischen drei und fünf Prozent der Gesamtfläche eines Landschaftsraums aus. Insbesondere als langgestreckte Areale – etwa entlang von Verkehrswegen – können Eh da-Flächen wertvolle Funktionen als Lebensräume und Verbindungskorridore zwischen einzelnen Biotopen oder ausgewiesenen Schutzgebieten erfüllen.

Ursprünge in Rheinland-Pfalz

In größerem Umfang sind Arbeiten zu Eh da-Flächen erstmals in Rheinland-Pfalz erfolgt, wo im Zeitraum von 2012 bis 2014 die wissenschaftliche Potenzialstudie „Eh da-Flächen in Agrarlandschaften“ durchgeführt wurde. Als Initiatorin des „Eh da-Projekts" hat die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL, heute: Forum Moderne Landwirtschaft) die Erfassung und Bewertung der Eh da-Flächen im Rahmen ihrer Initiative „Innovation & Naturhaushalt“ unterstützt. Hier standen vor allem Wildbienen sowie andere Insekten und deren Lebensräume im Fokus der Untersuchungen. Die Ergebnisse dieser Studie haben erkennbare Spuren in der Landschaft hinterlassen: Bornheim in Rheinland-Pfalz konnte sich bereits im September 2015 in einer öffentlichen Veranstaltung als „Erste Eh da-Gemeinde Deutschlands“ präsentieren.

Was ist auf Eh da-Flächen zu tun?

Die Möglichkeiten zur ökologischen Aufwertung als Lebensraum hängen naturgemäß von der jeweiligen Fläche ab. Entlang von Verkehrswegen ist allein schon die zeitlich versetzte Streifenmahd wirkungsvoll, weil dabei immer ein Teil der Pflanzen als Lebensraum und Nahrungsquelle zum Beispiel für Insekten erhalten bleibt. Bei der Anlage von Blühstreifen wird empfohlen, möglichst artenreiche Mischungen einheimischer Pflanzen zu nutzen. Für manche Wildbienenarten sind auch sogenannte ebene Rohbodenflächen sowie Steilwände und Abbruchkanten an Geländestufen wichtige Lebensräume, die frei von Bewuchs erhalten werden sollten. Genauso sind Totholz, Lesesteinhaufen und alte Mauern Beispiele für Eh da-Flächen, die wertvolle Lebensräume bieten.

Wer weiß mehr?

Vielfältige Hinweise zur Durchführung von Eh da-Projekten, zu möglichen Projektpartnern, erforderlichem Kartenmaterial und Kosten sowie zu Fördermitteln sind unter http://eh-da-flaechen.moderne-landwirtschaft.de/index.php verfügbar.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 30. März