Aus der Dürre lernen!

24. August 2018 10:12

Die Witterung des Jahres 2018 hat in der Natur, auf vielen Feldern, Wiesen und Weiden – und in den Futtervorräten vieler Milchviehbetriebe – tiefe Spuren hinterlassen. Selbst aus dem All war das zu sehen, wie ein Tweet des Astronauten Alexander Gerst an Bord der ISS deutlich macht: „Konnte eben die ersten Bilder von Mitteleuropa und Deutschland bei Tag machen, nach mehreren Wochen von Nacht-Überflügen. Schockierender Anblick. Alles vertrocknet und braun, was eigentlich grün sein sollte“, heißt es da.

Und tatsächlich, Schätzungen zu den Schäden, die der deutschen Landwirtschaft durch die Trockenheit entstanden sind bzw. noch entstehen dürften, belaufen sich nach den neuesten Nachrichten derzeit auf 2,5 bis 3 Milliarden Euro. Und diese Zahl ist nur vorläufig; das tatsächliche Ausmaß des Schadens wird sich erst nach Abschluss der Ernte auch von Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben feststellen lassen. Erkennbar ist aber schon heute, dass einerseits der Norden und Osten Deutschlands besonders betroffen sind, andererseits aber auch Sortenwahl und Zeitpunkt der Aussaat eine Wirkung zu haben scheinen; zumindest legt die zum Teil markant unterschiedliche Bestandesentwicklung von benachbarten Parzellen diesen Schluss nahe.

Fatal ist, dass entgegen der in Deutschland schon recht weit verbreiteten Absicherung von Pflanzenbeständen etwa gegen Hagel kaum ein Bestand gegen Trockenheit versichert ist. Laut Aussagen der Vereinigten Hagelversicherung haben mit deutschlandweit rund 5.000 Hektar weniger als 0,1 Prozent der insgesamt gegen Witterungsunbill versicherten Flächen auch einen Schutz gegen Dürre.

Ein Grund für diesen geringen Anteil liegt in dem hohen Prämiensatz begründet:

Während nämlich sonstige Schadensereignisse wie Starkregen oder Hagel zumeist eher kleinräumig regional oder sogar nur lokal auftreten, betrifft eine übermäßige Trockenheit in der Regel ganze Regionen – und bedeutet für den Versicherer so ein sehr hohes kumuliertes Risiko. Aus diesem Grund werden in Deutschland bislang nur sogenannte Indexversicherungen angeboten, bei denen ein Basisrisiko bei dem versicherten Landwirt verbleibt. Wird der jeweilige Indexwert – etwa die vom Deutschen Wetterdienst veröffentlichte sogenannte Nutzbare Feldkapazität – nicht erreicht, greift die Versicherung trotzder auf einzelnen Schlägen erkennbaren Dürre-Schäden nicht: ein Grund, warum sich bislang nur so wenige Landwirte dafür entschieden haben.

Was heißt das aber für die Zukunft?

Auf betrieblicher Ebene wird es tatsächlich immer wichtiger, dem Aspekt der Wasser sparenden, konservierenden Bodenbearbeitung besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Ebenso rückt die Wahl von Kulturen und Sorten stärker in den Fokus, die sich durch eine besondere Trockenresistenz auszeichnen. Und auch die Überlegungen zu einer entsprechenden Versicherung werden wohl an Bedeutung zunehmen.

 

Seitens der Versicherer besteht etwa nach Aussagen der Vereinigten Hagel durchaus die Bereitschaft, auch in Deutschland eine schadenbasierte Dürreversicherung anzubieten. Das Unternehmen verweist darauf, dass derartige Lösungen beispielsweise in den Niederlanden und in Luxemburg bereits angeboten werden. Ertragsverluste werden vor Ort unter anderem durch eine Erfassung und Bewertung der vertrockneten Pflanzenteile, d.h. etwa der Größe der Kolben oder des Gewichts der Körner, ermittelt. In den Niederlanden seien bereits auf mehr als einem Viertel und in Luxemburg auf fast auf jedem zweiten versicherten Hektar auch Dürreschäden abgesichert. Da in diesen Ländern eine Risikozulage zur Versicherungsprämie aus nationalen und/oder EU-Mitteln in Höhe von 50–70 Prozent gewährt werde, sei die Nachfrage entsprechend groß, berichtet die Vereinigte Hagel.

Es scheint, dass im europäischen Vergleich also eine Lektion auch von der Politik zu lernen ist: Es wäre nur fair, auch hier zusätzlich zu der etwa in den Niederlanden und Luxemburg gewährten Unterstützung bei der betrieblichen Risikovorsorge auch über eine Abschaffung der 19-prozentigen Versicherungssteuer für diese Risikovorsorge nachzudenken. Wenn diese offenbar in fast allen Ländern der EU null Prozent beträgt, sollte das doch auch in Deutschland möglich sein. Das wäre ein wesentlicher Beitrag, um die voraussichtlich immer wichtigere Absicherung von Dürreschäden für den einzelnen Betrieb auch in Deutschland erschwinglich zu machen.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 24. August