Kommt mit "5G" die autonome Landtechnik auf den Acker?

11. Mai 2018 09:56

Im Jahr 2000 war es mit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen noch die Mobilfunktechnologie der dritten (3G) und mit der Inbetriebnahme der ersten kommerziellen LTE-Netzwerke im Jahr 2009 die der vierten Generation (4G). Heute steht mit 5G schon die Mobilfunktechnologie der fünften Generation in den Startlöchern, bei der weitaus mehr als nur eine erneut schnellere Datenübertragung erwartet werden darf. Fachleute gehen davon aus, dass autonome Landmaschinen damit in absehbarer Zeit Realität werden.

Eine Sorge ist unnötig: Die sich mit 5G abzeichnenden Möglichkeiten zur Nutzung autonomer Landtechnik lassen Landwirte und Maschinenführer auf dem Acker nicht zur bedrohten Spezies werden. Prof. Dr.-Ing. Thomas Herlitzius vom Lehrstuhl für Agrarsystemtechnik der Technischen Universität Dresden sieht viel eher die Möglichkeit, den Menschen bewusst als verantwortlich handelnden Akteur in die modernen Produktionsverfahren einzubinden. Für viele Fachleute macht es in den hiesigen Agrarlandschaften bislang auch weder aus ökonomischer Sicht noch im Hinblick auf die damit verbundenen Unwägbarkeiten Sinn, über vollständig autonome große Maschinen nachzudenken. Stattdessen könnte parallel zu der bemannten Maschine ein zweiter Mähdrescher oder Traktor autonom – und damit doch unter der Kontrolle eines Fahrers – eingesetzt werden und so dessen Produktivität erheblich steigern.

 

Die Voraussetzungen für ein solches Szenario rücken näher. Dazu trägt die Entwicklung der fünften Mobilfunkgeneration (5G) ganz wesentlich bei. Sie arbeitet nicht mehr wie die bisherigen Technologien mit Datenpaketen, sondern mit Algorithmen und ist ungleich schneller. So soll den Nutzern eine Spitzenrate von 10 Gbit/s für die Datenübertragung zur Verfügung stehen, bei der gleichzeitig auch Störungen wie etwa eine zeitversetzte Wiedergabe der Vergangenheit angehören sollen. Gleichzeitig verspricht die neue Technologie einen drastisch verminderten Stromverbrauch, extrem kurze Reaktionszeiten, eine hohe Datensicherheit und darüber hinaus die Möglichkeit, weltweit gleichzeitig die enorme Zahl von 100 Milliarden mobilen Endgeräten nutzen zu können.

 

Für die Landwirtschaft zeichnen sich damit ganz neue Entwicklungen ab. Dazu gehört etwa, dass die im Rahmen von 5G vorgesehene D2D-Kommunikation (device-to-device als direkte Kommunikation zwischen zwei mobilen Endgeräten) ohne den Umweg über Funkmasten auskommt. Das bietet insbesondere in ländlichen Gebieten ein großes Plus, in denen die Mobilfunkversorgung unzureichend ist. Dazu gehört auch, dass sich viele Landwirte und Landtechniker schon seit Längerem fragen, ob der Trend zu immer größeren und komplexeren Landmaschinen nicht irgendwann kontraproduktiv wird. Der gesetzlich zum Teil schon jetzt vorgeschriebene Begleitzwang bei Straßenfahren von Mähdreschern oder die Belastungsgrenzen der Böden sind dazu nur zwei Stichworte – selbst wenn mit Blick auf den Boden mit Niederdruck- und Breitreifen, Reifendruckregelungsanlagen, Tandem- oder Tridemachsen oder sogar Bandlaufwerken vielfältige technische Kompensationsansätze zur Verfügung stehen.

Anders bei 5G: Hier können auf einem Acker in Echtzeit kontrollierte und gesteuerte Schwärme kleiner und deutlich leichterer Maschinen „unter Aufsicht“ die jeweils anstehenden Arbeiten erledigen. Und das könnte die Aussaat, die Bestandspflege mit kleinen Hackrobotern oder auch die Ernte mit einem Schwarm kleiner Mähdrescher sein, die im Übrigen auch in einem nassen Sommer noch dreschen könnten, wenn die große Technik im weichen Boden steckenbleibt. Fachleute sind sich sicher: Autonome Technik, für die auf der Agritechnica 2017 bereits erste Beispiele gezeigt wurden, wird es hierzulande auf den Äckern eher geben als im Individualverkehr auf der Straße.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 11. Mai