Wenn der Hahn kräht auf dem Mist …

April 11, 2019, 3:32 p.m.

Mit den Bauernregeln ist das so eine Sache. Aus bestimmten Anzeichen wie dem Morgen- oder Abendrot als „schlecht oder gut Wetter-Bot“ oder der Flughöhe von Schwalben wird eine Aussage zu der weiteren Entwicklung des Wetters abgeleitet.

Mitunter wird auch die Wetterlage an einzelnen Tagen oder im Monatsverlauf als Indikator dafür herangezogen, was kurz- bis mittelfristig zu erwarten ist.

Eigentlich ja eine coole Sache, auch wenn eher als Jux formulierte angebliche Bauernregeln wie der bekannte auf dem Mist krähende Hahn schon andeuten, dass die Aussagekraft der Bauernregeln insgesamt begrenzt ist. Auch der bekannte Meteorologe Jörg Kachelmann wird nicht müde, in unterschiedlichsten Formaten etwa den Siebenschläfer-Tag und dessen generelle Rolle für das folgende Sommerwetter genüsslich zu zerpflücken.

»Bauernregeln können, wenn man weiß, wie und wo sie entstanden sind, doch zum Teil erstaunlich gute Prognosen geben.«

Ist also gar nichts daran? Wo kommen die Regeln denn her, bzw. warum halten sie sich so hartnäckig? Tatsächlich können Bauernregeln, wenn man weiß, wie und wo sie entstanden sind, doch zum Teil erstaunlich gute Prognosen geben. Schließlich beruhen sie zum Teil auf jahrhundertelangen Beobachtungen, die an nachfolgende Generationen weitergegeben, verfeinert und „abgesichert“ wurden.

 

 

Die Sache hat allerdings einen Haken – und der wird schnell klar, wenn man versucht, mithilfe von Bauernregeln eine bundesweit gültige Vorhersage zu treffen. Das geht in aller Regel gründlich in die bekannte Hose, denn: Zusammenhänge beim Wetter, die Menschen in den letzten Jahrhunderten beispielsweise in einem Dorf im Alpenvorland beobachtet haben, lassen sich eben nicht auf die Bedingungen einer Hallig in der Nordsee übertragen.

Bauernregeln sind entsprechend auch nur für einzelne Regionen von Relevanz.

Will sagen: Bauernregeln beruhen auf sehr regionalen Beobachtungen, und sie sind entsprechend auch nur für diese Region von Relevanz. Wikipedia weiß etwa zu berichten, dass es schon im Neuen Testament Wetterregeln gab – die sich dann allerdings nur auf (Teile von?) Palästina bezogen haben1: „Außerdem sagte Jesus zu den Leuten: Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein (Lukas 12,54-55)“.

Nun wären Wissenschaftler keine Wissenschaftler, wenn sie dem Phänomen der Wetter- und Bauernregeln nicht hätten auf den Grund gehen wollen. Und tatsächlich: Bei statistischen Auswertungen zu Vorhersagen und der Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens kam dann eine gewisse Übereinstimmung zustande, wenn eine Regel auf die Region ihrer jeweiligen Entstehung bezogen wurde. Und von Jörg Kachelmann2 hört man zusätzlich, dass auch eine eventuelle Verschiebung des Kalendariums, die mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders einherging, bei der Beurteilung der Zuverlässigkeit von Bauernregeln berücksichtigt werden sollte.

Wie dem auch sei: Wenn selbst unsere heutigen Computermodelle mit zig Wetterstationen und Simulationsmöglichkeiten für die nächsten zwei Wochen nicht wirklich zuverlässig sind, dann sollten wir den Bauernregeln ihre leichten Schwächen großzügig nachsehen …

 

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Bauernregel
2 http://www.hundertjaehriger-kalender.com/bauernregeln/

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 11. April