Das BMEL digitalisiert

Oct. 17, 2019, 2:23 p.m.

Ob in der ländlichen Entwicklung, der Land- oder Ernährungswirtschaft – die Möglichkeiten der Digitalisierung werden quer durch die Republik intensiv genutzt: Welche Veränderungen, Chancen und Risiken sie für die Landwirtschaft bringt, haben wir in einem unserer vergangenen Beiträge aufgeführt. Im aktuellen Beitrag gehen wir nun näher darauf ein, welche Aktivitäten das BMEL im Bereich der Digitalisierung in der Landwirtschaft unternimmt und auch darauf, was noch im Bundesprogramm zu erwarten ist. Denn wie hieß es kürzlich aus dem Ministerium: „Ich bin überzeugt, dass wir die Nachhaltigkeit und die gesellschaftliche Akzeptanz der deutschen Landwirtschaft weiter stärken können, wenn wir die Chancen der Digitalisierung im Agrarsektor konsequent nutzen.“ Aber was genau meint Bundesministerin Julia Klöckner mit „konsequent nutzen“ und welche Aktivitäten unternimmt das BMEL konkret? 

 

Vier Aktivitätsfelder

Das BMEL hat die Kernaktivitäten in der Digitalisierungsförderung in vier Schritte zusammengefasst: Erstens die Schaffung von digitalen Experimentierfeldern, zweitens die Etablierung eines Kompetenznetzwerks, drittens die Forschungsförderung und schließlich der Ausbau von Strukturen im BMEL und seinen nachgeordneten Einrichtungen. 

 

1. Schaffung von digitalen Experimentierfeldern

„Digitale Experimentierfelder“ entstanden beim BMEL in den vergangenen Jahren zunächst in Form von Fachtagungen. Diese dienten zum einen dem Ziel, den aktuellen Digitalisierungs-Status zu erheben, Beteiligte aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzuführen und einen Informationsaustausch zwischen verschiedenen Interessengruppen zu ermöglichen. Zum anderen sollten zukünftige Entwicklungen dargestellt sowie Möglichkeiten zur Optimierung der Rahmenbedingungen mit den Teilnehmern diskutiert werden. Daraus resultierend hat das BMEL vor wenigen Jahren das Thünen-Institut beauftragt, eine Folgenabschätzung zur Digitalisierung in der Landwirtschaft zu erarbeiten. 

Die in 2016 veröffentliche Studie kam zu dem Resümee, dass der größte Nutzen der Digitalisierung in der Landwirtschaft durch die potenzielle Steigerung der Produktivität durch die Einsparung von Arbeitszeit und Betriebsmitteln gesehen werden kann. Dadurch könne die Nachhaltigkeit durch den geringeren Einsatz von Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Kraftstoff sowie Verbesserungen beim Tierwohl gesteigert werden. 

Das jüngste Pilotprojekt des BMEL ist die Ausschreibung digitaler Test- und Experimentierfelder mit dem Fokus auf angewandte Landwirtschaft und Dörfer mit Praxisbetrieben. Hier zeigte sich hohes Interesse seitens der Landwirte: 25 Projektskizzen wurden eingereicht. Die besten und förderwürdigsten wurden ausgewählt und im zweiten Halbjahr 2019 finanziert.

 

2. Aufbau eines Kompetenznetzwerks 

Die Aufgabe des geschaffenen „Kompetenznetzwerkes“ soll dann sein, die Digitalisierungsmaßnahmen auf Experimentierfeldern zusammenzufassen, zu bewerten, und weitere Maßnahmenvorschläge zu erarbeiten. Das Kompetenznetzwerk besteht aus einem interdisziplinären Team von ca. 20 bis 30 Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis.

 

3. Forschungsförderung

Die Forschungsförderung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des BMEL-Konzeptes zur Digitalisierung in der Landwirtschaft. Das Ziel bestehe darin, Innovationen aus dem Bereich der digitalen Agrartechnologien zu fördern, um die Ressourceneffizienz zu steigern. In den vergangenen Jahren wurden hierzu bereits zahlreiche Projekte aus dem Bereich der Digitalisierung in der Landwirtschaft gefördert.

Inzwischen gibt es laut jüngster BMEL-Publikation bereits vielfältige Programme mit unterschiedlichen Zielsetzungen, die eine Vielzahl von Fernerkundungsdaten verfügbar zu machen. Das Datenvolumen in diesem Bereich solle zukünftig jedoch noch deutlich zunehmen. Bildgebende Verfahren, insbesondere im Rahmen von Bildreihenfolgen, erfordern erhebliche Kapazitäten. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leisten neue europäische Fernerkundungssatelliten, die in den vergangenen Jahren gestartet wurden bzw. noch gestartet werden („Copernicus-Programm“). Entscheidend für eine sinnvolle Nutzung sei jedoch, die relevanten Daten aus dem großen Datenpool gezielt und einfach verfügbar zu gestalten. Hierzu wurden u. a. entsprechende Internetangebote entwickelt, ein Fachzentrum für Geoinformation und Fernerkundung in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sowie ein Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung beim Julius Kühn-Institut eingerichtet.

 

4. Ausbau von Strukturen im BMEL und seinen nachgeordneten Einrichtungen

Eine leistungsstarke digitale Infrastruktur im ländlichen Raum sei die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung digitaler Techniken in der Landwirtschaft. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur müsse deshalb im ländlichen Raum verstärkt werden. Die federführende Zuständigkeit für den digitalen Infrastrukturausbau liegt beim BMVI. 

Mit dem Bundesförderprogramm für den Netzausbau verfolgt das BMVI das Ziel, hochleistungsfähige Breitbandnetze in unterversorgten Gebieten zu schaffen. Im Rahmen dieses Förderprogramms stehen für den Breitbandausbau insgesamt vier Milliarden Euro zur Verfügung. Das BMEL leistet seit 2008 darüber hinaus mit der Breitbandförderung im Rahmen der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) seinen Beitrag, unterversorgte ländliche Gebiete besser an die Breitbandnetze anzuschließen. Hierfür stehen jährlich mindestens zehn Millionen Euro zweckgebunden zur Verfügung. 

 

Fazit

Um die Vorteile der Digitalisierung besser nutzen zu können, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft seine Ziele sowie auch die Aktivitäten in diesem Bereich ausgebaut. Seit Amtsantritt von Julia Klöckner in 2018 ist der BMEL-Haushalt höher denn je – mit dem Ziel des Ausbaus der vier aufgeführten Kernaktivitäten. Bis zum Jahr 2022 sind sogar 60 Mio. Euro für die Digitalisierung und Modernisierung in der Landwirtschaft eingeplant. Einen erheblichen Teil dieses Geldes wird aktuell für die Etablierung von digitalen Test- und Experimentierfeldern auf landwirtschaftlichen Betrieben, auf den Äckern und den ländlichen Räumen verwendet. 

Das Voranschreiten wirft aber auch viele Fragen auf: Gibt es überhaupt passende Schnittstellen zur Zusammenführung unterschiedlicher digitaler Daten? Wer schützt denn dann die Datensouveränität und die Unabhängigkeit der Landwirte gegenüber den Dienstleistungsanbietern oder Landtechnikanbietern? Wer sammelt und nutzt schließlich Daten und gewährleistet Datensicherheit? Wem gehören erhobene Daten überhaupt? „Das gilt es zu klären, entsprechende Datenplattformen bedürfen einer politischen Begleitung und Absicherung. Die Machbarkeitsstudie, die ich in Auftrag gegeben habe, leistet hierzu einen Beitrag.“, so Klöckner.

Den Zuschlag zur Durchführung der Studie, die das Ministerium mit über 400.000 Euro finanziert, hat das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering mit Sitz in Kaiserslautern erhalten. Sie läuft unter dem Titel „Machbarkeitsstudie zu staatlichen, digitalen Datenplattformen für die Landwirtschaft“. Ergebnisse werden im Herbst 2020 vorliegen.

 

Autor Anna Bouten
2019 17. October