Dringende Aufgabe: Breitbandversorgung im ländlichen Raum

23. März 2018 10:42

Ein Breitband-Internetzugang – also ein Zugang mit hoher Datenübertragungsrate – ist Voraussetzung dafür, dass Handel 4.0 und Landwirtschaft 4.0 auch in ländlichen Räumen ankommen. Der Ausbau hinkt den ursprünglichen Plänen bislang deutlich hinterher.

Mitte des Jahres 2015 hatten über drei Viertel der Haushalte in Deutschland Zugang zu Breitbandanschlüssen mit mindestens 30 Mbit/s. Der Haken an der Sache ist nur, dass städtische und ländliche Gebiete dabei nicht gleichgestellt sind. Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hatten 2015 beispielsweise 2,2 Prozent der Haushalte in ländlichen Räumen keinen Breitbandzugang und weitere 11 Prozent wurden nur mit Geschwindigkeiten unter 6 Mbit/s versorgt.

Das heißt nichts anderes, als dass das Ziel der Bundesregierung, bis 2018 eine flächendeckende Versorgung mit einer Bandbreite von 50 Mbit/s zu erreichen, inzwischen als unrealistisch einzustufen ist. Denn: Mitte 2015 hatte gerade einmal jeder vierte Haushalt im peripheren Raum Zugang zu dieser Leistung. Nun soll es der Koalitionsvertrag richten, denn hier wird u. a. eine flächendeckende digitale Infrastruktur mit Gigabit-Netzen bis 2025 angestrebt, wobei Glasfaser überall und möglichst direkt bis zum Haus verfügbar sein soll.

 

Ländliche Räume abgehängt

Die Attraktivität urbaner Zentren ist das Problem der peripheren Räume und führt zu einer Abwanderung insbesondere junger und höher qualifizierter Personen. Zugleich trägt der demografische Wandel dazu bei, dass der Altersdurchschnitt der ländlichen Bevölkerung stetig steigt. Damit wächst das Risiko, dass Regionen ohne stabile Wirtschaftsstruktur, die außerhalb der Pendeldistanz zu städtisch geprägten Gebieten liegen, von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt werden. Dem soll der Ausbau einer leistungsfähigen Breitbandinfrastruktur als ein wichtiger Faktor für die Wahl von Wohn- und Produktionsort entgegenwirken.

Die Gründe für den bislang zu schleppenden Ausbau liegen laut BMVI sowohl bei den Anbietern als auch bei den (potenziellen) Nutzern: Zum einen sind die Anschlusskosten in ländlichen Regionen deutlich höher als in Städten, zum anderen scheint bei den Nutzern zum Teil die entsprechende Zahlungsbereitschaft zu fehlen. Auch die Monopolisierungstendenzen im Telekommunikationsmarkt machen mit den daraus resultierenden Regulierungsmaßnahmen privaten Netzbetreibern den Ausbau nicht wirklich leicht.

Bildquelle: BMVI, TÜV Rheinland Datenerhebung zur Breitbandversorgung in Deutschland, Stand Mitte 2015 (Definition städtisch/ländlicher Raum durch Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) © BMEL 2015 - online verfügbar: www.bmel.de

 

Auf verschiedenen Wegen zum Ziel

Es scheint deshalb, dass auf Angebots- und Nachfrageseite sowie bei der Regulierung Handlungsbedarf besteht. Dabei zeigt ein Blick des BMVI über die Grenzen Deutschlands hinaus, das im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld steht, dass die Herausforderungen in anderen Ländern zwar ähnlich sind, für die ländlichen Räume aber keine Musterlösungen für Verfügbarkeit und Nutzung von Breitbandinternet abgeleitet werden können. Gleichwohl zeichnen sich einige generelle Schlussfolgerungen ab: So sind gerade in dünn besiedelten Räumen auf jeden Fall ausreichende Finanzmittel erforderlich. Denkbar ist, Ausbauprojekte mit zinsvergünstigten Krediten und Steuererleichterungen zu unterstützen, wie sie beispielsweise in Südkorea angeboten werden. Zugleich müssen kostengünstigere Ausbaualternativen gefunden und möglichst viele Nutzer für die Breitbandanwendungen gewonnen werden, um Wirtschaftlichkeitslücken zu verringern und öffentliche Zuschüsse zu reduzieren. Denkbar ist aber auch, dass zukünftig die Abdeckung mit leistungsfähigen Mobilfunknetzen der fünften Generation (5G) eine Alternative zu Glasfaserleitungen und eine Lösung für die „letzte Meile-Problematik“ bieten kann.

Good-Practice-Beispiele aus anderen Ländern zeigen aber noch weitere Wege auf: Dazu gehören etwa regionale Ausbaustrategien, die spezifisch auf Gemeinden zugeschnitten sind und von diesen vorangetrieben werden. Die Gemeinden werden häufig selbst unternehmerisch aktiv und bauen die notwendige Infrastruktur in Kooperation mit Unternehmen aus. Solche öffentlich-privaten Partnerschaften gibt es laut BMVI etwa in der Schweiz und in Dänemark. Dabei bleibt der Ausbau der „letzten Meile“ bisweilen allerdings den Endkunden überlassen. Sogar die Nachfrage von Gemeinden selbst kann als Katalysator für den Breitbandausbau wirken, schlussfolgert das BMVI, wenn so öffentliche Leistungen kosteneffizient und in hoher Qualität bereitgestellt werden können.

Ein Blick auf unterschiedliche Wege und Strategien scheint deshalb lohnend, wenn das Ziel einer flächendeckenden digitalen Infrastruktur mit Gigabit-Netzen bis 2025 in Deutschland tatsächlich erreicht werden soll.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 23. März