Welches Schweinderl hätten’s denn gern?

March 29, 2019, 3:22 p.m.

Wenn es nach dem Deutschen Institut für Gemeinschaftsgastronomie (DIG) geht, dann sollte die Antwort zunehmend „Das Strohschwein, bitte“ heißen.

In einem Artikel der Wirtschaftszeitschrift gv-Praxis1 wurde das Projekt vor einiger Zeit vorgestellt.

Der Ansatz ist wirklich interessant: Rund 650.000 Gäste nutzen täglich das Angebot von Großküchen und Kantinen, die dem DIG als Mitglieder angehören. Damit ist ein Erfolgskriterium schon einmal gewährleistet: Einen Vermarktungskanal für das Strohschwein gibt es.

Was aber genau ist ein Strohschwein?

Die vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium als Teil der neuen Premiumstrategie angestoßene Initiative Strohschwein fußt auf sechs definierten Kriterien. Mit 25 Prozent mehr Platz, Stroheinstreu auf mindestens 40 Prozent der Bodenfläche, mindestens 50 Prozent planbefestigt, Auslauf und einem klaren Blick auf die Tiergesundheit gehört natürlich das Tierwohl dazu. Ein zweites Kriterium ist die Regionalität; hierfür steht das Siegel „Geprüfte Qualität aus Bayern“. Die Fütterung während der Mastperiode soll ohne gentechnisch veränderte Futtermittel erfolgen, und durch die Minimierung der Lebensmittelverluste, d. h. die bestmögliche Verwertung der Schlachtkörper, soll auch dem Nachhaltigkeitsansatz Rechnung getragen werden. Für maximale Transparenz sorgen die Qualitätssicherung auf allen Stufen, d. h. von der Erzeugung über Mast, Schlachtung, Zerlegung bis hin zur Verarbeitung und die Überprüfung durch eine anerkannte Zertifizierungsstelle. Schlussendlich zielt diese Initiative auch auf mehr Wertschätzung für ein hochwertiges Lebensmittel.

»Hier werden auch die Verbraucher bzw. unsere Gäste eine wichtige Rolle spielen.«

Ein großes Plus bei dem Pilotprojekt Strohschwein ist, dass sich alle Projektpartner aus den unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette mit gegenseitig abgestimmten Bedingungen zu Mengen, Preisen und Qualitätskriterien zusammengeschlossen haben. Mit diesem „Test-Raum“, so heißt es, sei eine Basis geschaffen worden, von der aus alle Beteiligten mit kalkulierbarem Risiko neue Wege entwickeln könnten.

»Natürlich kostet das Fleisch der Strohschweine mehr.«

Bei dem Projektstart nannte der damalige Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner einen Zuschlag von rund 20 Prozent, um die die Aufzuchtkosten für die Strohschweine im Vergleich zur konventionellen Haltung höher lägen. Deshalb sind sich alle Beteiligten an diesem Pilotvorhaben bewusst, dass das Angebot nur ein Erfolgsfaktor ist. Dazu muss auch die entsprechende Nachfrage kommen. Oder, wie es der Präsident des Deutschen Instituts für Gemeinschaftsgastronomie, Dr. Stefan Hartmann, formulierte: „Hier werden auch die Verbraucher bzw. unsere Gäste eine wichtige Rolle spielen. Denn eines ist klar: Mehr Tierwohl und mehr Qualität gibt es nicht zum Nulltarif.“

Diesem Fazit ist nichts hinzuzufügen.

 

1 http://www.dig-home.de/downloads/DIG-Strohschwein-Artikel.pdf

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 29. March