Welche Rolle spielt das "Data Business" für die Landwirte?

23. Januar 2018 10:30

Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0 verändern die Praxis auf den Betrieben – und nicht nur die: landwirtschaftliche Daten spielen für die gesamte Branche und für die Gesellschaft eine zunehmende Rolle. Das gilt von der Prozesssteuerung beim Herdenmanagement und der Feldarbeit über die Vernetzung und Teilautonomisierung von Maschinen etwa bei Master-Slave-Systemen bis hin zur Dokumentation, die mit Blick auf die vor- und nachgelagerten Bereiche und die Verbraucher immer wichtiger wird.

Während die Hersteller von Landtechnik beispielsweise in erster Linie Interesse an Daten haben, die etwa bei der Prozesssteuerung generiert werden, stehen für die nachgelagerten Bereiche und die Gesellschaft Transparenz und Nachverfolgbarkeit im Vordergrund.

Zunehmend stellt sich damit die Frage, inwieweit landwirtschaftliche Betriebe nicht nur als Lieferanten von Daten auftreten, sondern selbst auch als Empfänger von Informationen wirtschaftliche Vorteile aus der „Daten-Wertschöpfung“ ziehen können. Und das geht deutlich über die Sicherung von Absatzkanälen mittels einer entsprechend lückenlosen Dokumentation hinaus. Die Digitalisierung und die damit generierten Daten sind Innovationstreiber, die den Herstellern inzwischen fast unverzichtbare Einblicke in Prozesse und hier mögliche Ansätze zur Optimierung gewähren.

Wenn ein Landwirt, der „seine Daten“ anonymisiert weitergibt, im Gegenzug beispielsweise Einblicke in die Auswertung des Gesamtdatenpools erhält, kann dies ein Benchmarking und gegebenenfalls auch die Optimierung von Prozessen und Leistungsdaten auf dem eigenen Betrieb ermöglichen.

 

Drei Fragen werden für die Betriebsleiter immer wichtiger:

Zunächst ist zu klären, welche Daten auf einzelbetrieblicher Ebene jeweils erforderlich sind, wie diese aus der Flut der heute bereits generierten Big Data herausgefiltert werden können, und welche Technologien hierbei eine wirksame Unterstützung bieten.

Die zweite Frage zielt darauf ab, wie der „Informationsbedarf“ der vor- und nachgelagerten Bereiche mit den eigenen Daten für eine Wertschöpfung genutzt werden kann, d. h. welche Schritte und Investitionen ggf. erforderlich sind, um mit den eigenen Daten einen Mehrwert zu erzielen.

Ebenso wichtig ist im dritten Schritt, auch die Datensicherheit und das Risikomanagement im Auge zu behalten, um eine ungewollte Weitergabe und Nutzung der eigenen Daten zu unterbinden.

 

In der Konsequenz ist für die Landwirte neben der operativen verstärkt auch die strategische Planung bedeutsam; deshalb werden entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten immer wichtiger. Es gilt, die rasanten Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung und Datennutzung ebenso offen wie kritisch zu verfolgen, nach entsprechenden neutralen Informationsquellen zu suchen – und den so gewonnenen Wissensvorsprung für die betriebliche Entwicklung zu nutzen.

Eine Möglichkeit dazu bietet die DLG-Wintertagung am 21. Februar 2018 in Münster/Westfalen.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 23. Januar