123456 – und schwupp sind die Daten sicher!?

May 3, 2019, 3:21 p.m.

Man kann es nicht oft genug sagen: Mit den zehn beliebtesten Passwörtern1 sprechen Nutzer in Deutschland auch zehn Einladungen zum Datendiebstahl aus.

Sei es der Nummer-1-Hit „123456“, die „12345“ oder „123456789“ als dessen Kurz- oder Langform, das böse f-Wort „fi****“, die pfiffige „12345678“, ein kommunikatives „hallo123“, nur ein simples „hallo“, das wortkarge „123“, das clevere Passwort „passwort“ oder ein selbstbewusstes „master“die deutschen Top-Ten sprechen nicht wirklich für ein gesteigertes Sicherheitsbewusstsein.

Professor Horst Müller-Peters von der TH Köln hat mit Unterstützung des Goslar Instituts eine aktuelle Studie2 mit 1.000 Teilnehmern angefertigt und vorgestellt, die sich mit dem „Verhältnis der deutschen Bevölkerung zu digitaler Vernetzung, Big Data und Künstlicher Intelligenz“ befasst. Sie kommt zu dem Fazit, dass der Umgang mit diesem Thema hierzulande doch recht inkonsequent ist. So werde einerseits mehr Datenschutz gefordert, der zugleich als Einschränkung der eigenen Freiheit empfunden werde, andererseits aber ein eher laxer Umgang mit der Datensicherheit gepflegt.

»Der größte Teil der Bevölkerung verhält sich, wenn man es negativ formulieren will: leicht fahrlässig«

Obwohl jeder User zahlreiche Möglichkeiten habe, auch bei der umfassenden Nutzung digitaler Dienste den Schutz der eigenen Daten sicherzustellen, werde dies nur von wenigen konsequent gemacht. Nur acht Prozent der für diese Studie Befragten seien als „aktive Datenschützer“ anzusehen, während 22 Prozent und damit fast ein Viertel als „Datenschutz-Phlegmatiker“ kaum geeignete Maßnahmen ergreifen würden. „Der größte Teil der Bevölkerung nutzt die Schutzmaßnahmen, die nicht zu viel Aufwand bedeuten, verhält sich also pragmatisch oder wenn man es negativ formulieren will: leicht fahrlässig“, so Müller-Peters3.

Dieses Ergebnis verblüfft insofern, als Datenschutz nach dieser Studie für Deutsche aller Altersgruppen ein relevantes Thema ist. Nur fünf Prozent der Befragten nehmen es nicht wichtig. Merkwürdig auch, dass sich 56 Prozent von großen Internetkonzernen abhängig fühlen und 41 Prozent auf viele von diesen angebotene Dienste nicht verzichten wollen – aber 52 Prozent bezweifeln, dass sich die Konzerne überhaupt an geltende Datenschutzbestimmungen halten.

Aus Sicht der Studie ist es paradox, dass viele Nutzer die große Menge an Daten fürchten, die durch die zunehmenden digitalen Aktivitäten entstehen, gespeichert und genutzt werden, andererseits aber allzu gern bereit sind, die Vorteile zu nutzen, die sich aus der Digitalisierung und der zunehmenden Vernetzung ergeben.

Ganz besonders merkwürdig wird es aber dann, wenn 80 Prozent der Befragten befürchten, dass der Schutz der Privatsphäre immer schwieriger werde, 78 Prozent Angst vor Datenmissbrauch haben – aber offenbar niemand die eigentlich logische Konsequenz daraus zieht, seine eigenen Passwörter sicherer zu machen.

Und das wäre mit einem eigenen Passwort je Anwendung und mit der willkürlichen Kombination von Buchstaben, Zahlen, Groß- und Kleinschreibung sowie eingestreuten Sonderzeichen leicht zu machen – aber viel schwerer „zu knacken“.

 

1 https://hpi.de/pressemitteilungen/2018/die-top-ten-deutscher-passwoerter.html
2 https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/hochschule/fakultaeten/wirtschafts_und_rechtswissenschaften/teil_c_muller-peters_2019_big_data_aus_sicht_der_burger__vorabauszug_.pdf
3 https://cps-hub-nrw.de/news/2019-03-20-studie-datenschutz

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 03. May