Die Komplexität des Landhandels

18. Oktober 2017 10:52

Die Organisation des Warenein- & -verkaufs zwischen den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen der Landwirtschaft bildet die Hauptaufgabe des Landhandels. Klingt einfach - ist es jedoch nicht!

Mit seiner Doppelfunktion einerseits als Absatzmittler von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und andererseits als Dienstleister beim Bezug von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, sowie zahlreichen weiteren Aufgaben, stellt der Landhandel einen sehr wichtigen Part in der Landwirtschaft dar.
Auf der Absatzseite werden die wertschöpfenden Prozesse durch die Sammlung, Separierung, Umgruppierung, Aufbereitung und Lagerung abgebildet. In der Vermittlung, Überbrückung und dem Transport liegt die Wertschöpfung auf der Bezugsseite.
Diese Funktionen reichen jedoch noch nicht aus, um den Landhandel zu beschreiben. Oftmals übernimmt der Landhändler noch weitreichendere Aufgaben, wie die Finanzierung von Betriebsmitteln, die Marktbeobachtung oder auch die Produktberatung.

Dem Landhandel können somit drei grundlegende Funktionen zugeschrieben werden:
In seiner Handelsfunktion wird die Doppelfunktion einerseits als Absatzmittler von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und andererseits als Dienstleister beim Bezug von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln sichtbar.
Häufig müssen landwirtschaftliche Erzeugnisse vor der industriellen Weiterverarbeitung noch aufbereitet und ebenso wie landwirtschaftliche Betriebsmittel aufbewahrt werden. Damit lässt sich die Bearbeitungs- & Lagerhaltungsfunktion beschreiben.
In der Finanzierungsfunktion übernimmt der Landhändler häufig auch die Funktion als Kreditgeber. Betriebsmittel, die über das Jahr verteilt vom Landwirt bezogen werden, werden dann mit beispielsweise gelieferten Getreideernten verrechnet.

Bei dieser Auflistung wird ganz klar deutlich, welche hohe Bedeutung auch die Beziehung zwischen Landhändler und Landwirt hat. Wenngleich in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel bei der Wahl des Landhändlers durch den Landwirt zu beobachten ist, hat die Kunden- und Serviceorientierung im Landhandel einen extrem hohen Stellenwert. So spielen heutzutage nicht nur langjährige Geschäftsbeziehungen sowie eine aufmerksame und entgegenkommende Betreuung eine große Rolle, sondern weitere Faktoren, wie eine günstigere Preisgestaltung und Standortlage, gewinnen an Bedeutung.  Durch die zunehmend schwieriger werdende wirtschaftliche Lage müssen Landwirte weniger emotionale und mehr ökonomische Kriterien beachten.

Mit Agrando bilden wir die Bezugsseite des Landhandels ab und möchten damit allen Beteiligten die Möglichkeit bieten, von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren.

Quelle: Risikomanagement im Landhandel: Charakteristika, Herausforderungen, Implikationen. Von SIMON GOLLISCH, LUDWIG THEUVSEN, Ansbach/Göttingen.
in: Berichte über Landwirtschaft. Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft. Kapitel 3. Band 93, Heft 1, Mai 2015. Online unter: http://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/72/Gollisch-93-1-html

Autor Stephanie Leß
2017 18. Oktober