Dialog Humus

Aug. 2, 2019, 3:05 p.m.

Jetzt ist es an der Zeit Humus zum Klimaschutz aufzubauen, damit einen Beitrag für die Gesamtgesellschaft zu leisten und eine Chance in der Diskussion um die Landwirtschaft zu nutzen.

Die Öffentlichkeit wird zunehmend mit Meldungen konfrontiert, die die Landwirtschaft an den Pranger stellen. Gerade beim Thema Klimawandel ist die Landwirtschaft jedoch nicht nur, wie so oft benannte Verursacherin, sondern besitzt gleichzeitig ein gewaltiges Potenzial, den Klimawandel aktiv zu begrenzen. In den vergangenen Beiträgen haben wir bereits gezeigt, welche Möglichkeiten durch ausgewählte angepasste Aufbaumaßnahmen im Humus stecken, Kohlenstoff aus der Luft zu binden. In diesem Beitrag erfahren Sie nun, warum Humusaufbau eine wichtige Bedeutung für die Gesamtgesellschaft hat und damit auch eine Chance für die Landwirtschaft in der öffentlichen Diskussion darstellt.

Humus hat eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung!

„Der Boden ist ein entscheidendes Bindeglied zwischen globalen Umwelt-Problemen wie Klimawandel, Wasserwirtschaft und dem Verlust der biologischen Vielfalt“. Dieses Zitat des Präsidenten der „Europäischen Gesellschaft für den Schutz des Bodens“ Herrn Prof. José Luis Rubio macht deutlich, welche Bedeutung dem Boden neben den bekannten Eigenschaften, beispielsweise der Bereitstellung unserer Lebensmittel, beigemessen wird. Humus leistet dabei einen essentiellen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit, Nährstoffspeicherung, Wasserrückhaltung, Verminderung von Verdunstung, Verminderung von Bodenverdichtung und ist zudem Lebensraum für eine Vielzahl von Bodenorganismen, welche die Umwandlung von Pflanzenrückständen ermöglichen1.

»Das Umweltprogramm der UN geht sogar davon aus, dass durch humusmehrende Bewirtschaftungsmethoden […] bis zu 4,8 Gigatonnen CO2-Äquivalente gespeichert werden können.«

Mit ausgewählten angepassten Humusaufbaumaßnahmen können Landwirte auf die Dauer einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten, denn durch den vermehrten Humusaufbau kann klimawirksamer Kohlenstoff gebunden und damit Treibhausgase reduziert werden. Der jüngste Bericht des Weltklimarates IPCC stellt klar: Wenn die Erderhitzung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll, müssen in diesem Jahrhundert mehrere Hundert Gigatonnen des Treibhausgases CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen werden2. Die Anreicherung von Kohlenstoff in Form von Humus gehört jedoch zu den wenigen Klimaschutzmaßnahmen, die nicht nur Emissionen vermeiden, sondern diese sogar rückgängig machen können (negative emission technology). Das Umweltprogramm der UN geht sogar davon aus, dass durch humusmehrende Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft jedes Jahr bis zu 4,8 Gigatonnen CO2-Äquivalente gespeichert werden können3.

Die beim Humuserhalt bzw. -aufbau bisher „weit verbreiteten Praktiken führen [jedoch] oft nicht zu befriedigenden Ergebnissen“, so die Stiftung Lebensraum, die sich für eine regenerative Landwirtschaft engagiert4.

Um das Potenzial der landwirtschaftlichen Böden für mehr Umweltschutz und aktiven Klimaschutz zukünftig umfassender nutzen zu können, sei daher eine Umstellung der Betriebe und der betrieblichen Praxis auf humusfördernde Bodenbewirtschaftung zwingend erforderlich. „Allerdings fehlt vielen Landwirten einerseits oft das Knowhow für eine erfolgreiche Umstellung mit dem Ziel einer regenerativen, klimaschonenden Bewirtschaftung ihrer Flächen und anderseits sind häufig auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Betriebe für Veränderungen sehr begrenzt“, erläutert die Stiftung Lebensraum4.

Das Potenzial der Kommunikation

Die Stiftung hat deshalb in Rheinland-Pfalz ein Humus-Aufbauprogramm mit Humuszertifikaten eingeführt. Besonders wichtig beim Humusaufbau sei laut der Stiftung Lebensraum der Dialog mit der Öffentlichkeit. Das Potenzial, durch die Landwirtschaft, Kohlenstoff zu binden und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und somit zur Gesamtgesellschaft leisten zu können, biete auf die Dauer auch eine große Chance in der öffentlichen Diskussion um die Landwirtschaft.

„Ein wichtiges Ziel ist die Sensibilisierung der Menschen für die herausragende Rolle und Verantwortung der Landwirtschaft in Klima-, Umwelt- und Ernährungsfragen, wodurch insgesamt ein besseres gegenseitiges Verständnis entwickelt [werden kann]“, so die Stiftung Lebensraum4. Besonders die Kommunikation von Erfolgen beim Humusaufbau und bei der Förderung von Biodiversität bietet künftig eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit, um die positive Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesamtgesellschaft und das Klima wieder mehr in den Fokus zu rücken.

 

1 https://www.eea.europa.eu/de/articles/boden
2 https://www.welt.de/wissenschaft/article181793882/IPCC-Sonderbericht-zum-Klimawandel-CO2-Ausstoss-muss-bis-2050-bei-null-liegen.html
3 https://unfccc.int/sites/default/files/resource/91_Emissions%20Gap%20Report_Talanoa_WAW.pdf
4 https://stiftunglebensraum.org/wp-content/uploads/2019/03/2019_FachbeitragStiftung_Lebensraum_Einfuehrung_HumuszertifikateinRLP.pdf

Autor Anna Bouten
2019 02. August