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May 24, 2019, 3:47 p.m.

Die Digitalisierung erfasst derzeit viele Lebensbereiche. Besonders in der Landwirtschaft hat sie eine sehr große Bedeutung und wird bereits in vielen Betrieben genutzt.

Das Umlenken auf ein digitales technologisches Konzept ist essenziell, denn innovative Prozesse bieten das Potenzial einer effizienten, ressourcenschonenden und nachhaltigen Landbewirtschaftung. Was aber genau bedeutet Digitalisierung und welche Veränderungen, Chancen und Risiken bringt sie für die Landwirtschaft?

Doppelte Definition Digitalisierung

Der Begriff Digitalisierung hat zunächst zwei Bedeutungen. Zum einen wird darunter die Überführung von Informationen von einer analogen in eine digitale Speicherung verstanden1. So werden beispielsweise in der Milchviehhaltung die digital erhobenen Daten zu der Milchmenge direkt auf dem Betrieb ausgewertet2.

Darüber hinaus beschreibt Digitalisierung die Automation von Prozessen und Geschäftsmodellen durch das Vernetzen digitaler Technik, Informationen und Menschen. Die digital unterstützte Technik ist bereits im Ackerbau und in der Tierproduktion angekommen. So gehören zum Beispiel selbstlenkende Maschinen, Applikationstechniken mit variabler Dosierung für Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie automatische Ertragskartierungen beim Mähdrescher für viele Ackerbauer zum Alltag3.

Welche Chancen bietet Digitalisierung im Ackerbau?

Ein erfolgreicher Ackerbau ist maßgeblich vom Wetter bestimmt. Das Klima einer Region nimmt einen großen Einfluss darauf, welche Fruchtarten angebaut, welche Tiere wie gehalten werden können und damit welche grundsätzlichen Formen der Landbewirtschaftung überhaupt möglich sind. Um hierbei die vorhandenen Ressourcen schonender einzusetzen und die Produktivität zu steigern, können präzise Informationen über landwirtschaftliche Nutzflächen, das heißt Bodenverhältnisse, -qualität und Wasservorkommen sowie Wetterdaten, einen wichtigen Beitrag leisten. Durch das Zusammenführen verschiedener Daten – vom Wetter über Bodenzustand und Pflanzenbestand bis hin zu Maschinendaten – ermöglicht ein zeitlich genau abgestimmtes Bodenbearbeitungs- oder Ernteverfahren.

Darüber hinaus kann mit Hilfe von Sensoren die Biomasse von Pflanzenbeständen bestimmt werden und ein darauf abgestimmter Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln erfolgen.

Auch im Bereich der Robotik sind große Entwicklungen zu verzeichnen. Verschiedene Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten bereits an der Entwicklung von autonom arbeitenden Minirobotern, um unter anderem selbstständig Saatgut und Dünger ausbringen zu können und den Boden zu bearbeiten. Das geringe Gewicht verspricht Bodenschonung sowie weniger Verdichtung, und die Einsatzzeiten könnten ausgedehnt werden.

Welche Chancen bietet Digitalisierung in der Tierhaltung?

In der Tierhaltung hat vor allem das Monitoring der Tiere, das heißt beispielsweise die Überwachung der Tiergesundheit, an Bedeutung gewonnen. Landwirte können dank Digitalisierung ein besseres Herdenmanagement durchführen, da sie das Bewegungsprofil und die Wiederkauaktivität jeder einzelnen Kuh überwachen können. Abweichungen vom täglichen Aktivitätsmuster lassen frühzeitig Krankheiten erkennen und führen somit zu mehr Tierwohl. Ferner ermöglicht die Digitalisierung den Landwirten eine bessere Auswertung ihrer Milchmenge und auch der Milchinhaltsstoffe direkt auf dem Betrieb.

Welche Risiken birgt die Digitalisierung in der Landwirtschaft?

Besonders in der Digitalisierung im Landtechnikbereich liegt der Fokus nicht mehr allein auf der Maschine, sondern zunehmend auch auf der Datenerhebung und -verarbeitung. Der Kunde fordert von den Landtechnikherstellern Geräte und Maschinen, die eine Reihe von Funktionen wie das digitale Erfassen und Weiterleiten von Produktionsdaten bieten. Hierbei legt sich der Landwirt beim Kauf jedoch nicht auf einen Hersteller fest. Vielmehr werden Geräte und Maschinen nachgefragt, die in ihren digitalen Dienstleistungsangeboten miteinander kombinierbar sind. Eine Sorge seitens vieler Landtechnikhersteller und der Landwirtschaft besteht hierbei, Wettbewerbsnachteile zu erfahren. So könnten gerade Fulliner, das heißt Komplettanbieter von firmeneigenen Farmmanagementsystemen und der entsprechenden Hardware, Vorteile erringen. Da in Deutschland weniger Fullliner, sondern spezialisierte Unternehmen überwiegen, ist es umso wichtiger, ein offenes System zu entwickeln, das das Zusammenspiel von Geräten unterschiedlicher Firmen auch im Zuge der Digitalisierung ermöglicht.

Bei der Frage nach der Sorge von Landwirten um die Digitalisierung, geht es vor allem um die Datensicherheit. Landwirte fürchten, dass ihre Daten von Dritten zum Nachteil der Landwirtschaft genutzt werden. So sei beispielsweise denkbar, dass Betriebsmittel- oder Technikhersteller Daten von landwirtschaftlichen Betrieben nutzen, um wirtschaftliche Vorteile durch einen Wissensvorsprung zu erlangen1.

Weitere Chancen und Risiken, sowie Sichtweisen von praktischen Landwirten zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft, seht ihr nun auch in unserem aktuellen YouTube-Video und in unserem neuen Podcast(empfangbar über alle üblichen Dienste).

 

 

 

1 https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/_Texte/Digitalisierung-Landwirtschaft.html
2 https://www.dialog-milch.de/technik-im-stall/
3 https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/themen/technik/digitalisierung-arbeitswirtschaft-und-prozesstechnik/digitale-landwirtschaft/

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 24. May