Landwirte setzen zunehmend auf Digitalkompetenz

14. März 2018 12:01

Manch einer fürchtet vielleicht, dass die digitale Technik den Menschen „abhängt“, überrollt, überfordert. Und zweifellos ist die Entwicklung bei der Digitalisierung rasant – und das gilt auch in der Landwirtschaft. Die „Generation Smartphone“ macht aber vor, wie schnell intuitiv erlernte Techniken in den Alltag einziehen können.

Natürlich ist es auch eine Frage des Alters: Nach 30 oder 40 Jahren im Beruf fällt es schwer, neue Technik zu verstehen und sinnvoll in den eigenen Arbeitsalltag zu integrieren. Umso bemerkenswerter ist, wie stark Landwirtschaft 4.0 auf den Betrieben Einzug hält – trotz des bislang großen Aufholbedarfs bei der digitalen Infrastruktur im ländlichen Raum. Der immer noch schleppende Ausbau ist ein „Bremser“ bei der Nutzung der Möglichkeiten, die sich in der digitalen Welt eröffnen. Fachleute sind sich einig, dass Produktivität, Umweltverträglichkeit, Zeit- und Ressourceneffizienz sowie die Flexibilität der Arbeitsgestaltung durch die Digitalisierung der Landwirtschaft gesteigert werden können.

Herausforderung erkannt

Digitalisierung wird laut einer gemeinsamen Veranstaltung von Digitalverband Bitkom und Deutschem Bauernverband (DBV) im Januar 2018 in Berlin von 52 Prozent der befragten Landwirte als große Herausforderung eingeschätzt: Schon mehr als ein Viertel aller Betriebsleiter reagiert darauf, etwa mit Investitionen in die gezielte Aus- und Weiterbildung. Diese und weitere Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Bitkom und DBV zeigen, dass der Nutzen von Digitalkompetenz auf den Betrieben erkannt wird.

Dabei macht der Blick in unterschiedliche Betriebsbereiche deutlich, dass Digitalkompetenz schon heute keine Nischenkompetenz mehr ist. Bitkom und DBV berichten, dass bereits 53 Prozent der Betriebe Technologien von Landwirtschaft 4.0 nutzen, sechs Prozent der Betriebe entsprechende Investitionen planen, 24 Prozent sich damit befassen und darüber diskutieren – und Digitalisierung nur für rund 16 Prozent überhaupt kein Thema ist.

Die Tierhaltung „liegt vorn“: Während Fütterungsautomaten bereits auf 57 Prozent der Betriebe im Einsatz (51 %) oder geplant (6 %) sind, gilt das für Hightech-Landmaschinen nur auf 45 Prozent der Betriebe (39 % im Einsatz, 6 % geplant). Obwohl seitens der Landtechnikindustrie entsprechende Lösungen angeboten werden, erfolgt deren Umsetzung auf den Feldern noch verhalten. Ein möglicher Grund: 39 Prozent der befragten Landwirte sehen eine Herausforderung auch bei den Investitionskosten, die für die neuen Technologien auf dem Acker erforderlich sind. Sie lohnen sich oft erst bei einer entsprechenden Flächenausstattung. Anders als Stalltechnik und Landmaschinen stecken Robotik und Drohnen mit insgesamt zehn bzw. acht Prozent dagegen noch in den Kinderschuhen.

 

Vom Nutzen überzeugt!

Die überwiegende Zahl der befragten Landwirte ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung Mensch, Tier und Umwelt zugutekommt. Sie erhöhe die Ressourceneffizienz (88 %), ermögliche eine umweltschonendere Produktion (86 %), ermögliche langfristig die Senkung der Kosten (75 %) und helfe, eine bessere Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu erreichen.

 

Blick auf morgen und übermorgen

Apps sind vielfach schon im betrieblichen Alltag angekommen; 34 Prozent nutzen Apps, weitere neun Prozent planen deren Nutzung. Komplexe Farmmanagement-Plattformen fallen da erkennbar zurück, denn sie werden bislang nur von zwölf Prozent eingesetzt und nur weitere fünf Prozent der befragten Betriebsleiter planen dies derzeit.

Die Frage nach den Erwartungen für das Jahr 2030 zeigt aber, dass mit der weiteren Digitalisierung gerechnet wird. 49 Prozent der Befragten erwarten bis dahin fahrerlose Traktoren, 45 Prozent autonome Drohnen, 44 Prozent die Steuerung von Landmaschinen durch Farmmanagementsysteme und 43 Prozent autonome Feldroboter.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 14. März