Die Digitalisierung der Betriebe ist in vollem Gange

28. Februar 2018 14:28

Die DLG-Wintertagung stand in diesem Jahr unter dem Leitthema „Der digitale Betrieb – Chancen richtig nutzen“. Mehr als 1.000 Landwirte und Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Beratung fanden den Weg zu diesem Zukunftsforum.

„Die Herausforderungen für den landwirtschaftlichen Unternehmer steigen stetig: Anpassungen des Nährstoffmanagements, beispielsweise im Zuge der neuen Düngeverordnung, und verstärkte Resistenzen bei reduzierten Instrumenten im Ackerbau sind nur einige Beispiele“, erläuterte der neue DLG-Präsident Hubertus Paetow, Landwirt aus Finkenthal-Schlutow (Mecklenburg-Vorpommern). Aber auch in der Tierproduktion gelte es, steigende Anforderungen an das Tierwohl sowie neue Formen der Dokumentation und Transparenz von Prozessen umzusetzen. Die Digitalisierung könne bei diesen Herausforderungen eine entscheidende Hilfe bieten, erklärte Paetow.

„Viele Innovationen im technischen Bereich nutzen digitale Techniken, um bestehende Verfahren zu verbessern, kontrollierbarer, präziser, schneller und sicherer zu machen. Dazu gehören Entwicklungen aus dem Bereich Internet of Things, vernetzte Sensoren, Bedien- und Kontrollmöglichkeiten aus der Ferne über PC und Smartphone oder auch die Kommunikation von verschiedenen Maschinen untereinander“, sagte der DLG-Präsident bei der Eröffnung des Zukunftsplenums.

Umwälzungen im Agrarhandel stehen an

Paetow wies darauf hin, dass die digitalen Umwälzungen in Bereichen des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel beim Online-Handel, größte Auswirkungen auf die Struktur ganzer Branchen hätten. Neue Wege der Kommunikation zwischen den Marktteilnehmern und die Möglichkeit, viele Teilschritte des Geschäftsprozesses automatisch ablaufen zu lassen, hätten hier zu großen Verschiebungen geführt. Ob diese Entwicklungen auch in der Landwirtschaft Einzug halten werden, hängt nach Meinung des DLG-Präsidenten davon ab, inwieweit die Integration auch die landwirtschaftliche Rohstoffproduktion und den Handel mit einbezieht.

Mit Agrando als digitales Kommunikationsmittel zwischen Landwirten, Händlern und Herstellern wird die Digitalisierung definitiv auch im Landhandel Einzug halten. Allerdings erwarten wir kurzfristig dabei keine zu großen Verschiebungen, da Agrando im ersten Schritt nicht disruptiv ist. Vielmehr ist es eher eine Chance, auch für kleinere Marktteilnehmer in der Welt der Digitalisierung zu bestehen.

Daten sind der Treibstoff der Zukunft

„Die digitale Revolution wird unsere Rolle als Menschen auf dieser Erde grundlegend verändern. Daten sind heute der Treibstoff der Zukunft.“  Dies erklärte Prof. Dr. Ewald Wessling von der Hochschule Hannover. Datenbasierte Geschäftsmodelle würden zukünftig in der Landwirtschaft nicht nur auf Einzelanwendungen fokussieren, sondern auf Komplett-Services. „Die zukünftigen Geschäftsmodelle werden helfen, Ressourcen effizienter einzusetzen, umweltschonender zu produzieren, die Qualität der Produkte zu verbessern und die Kosten zu senken“, so der Wissenschaftler. Bei allen Digitalisierungsprozessen komme der Datenhoheit wesentliche Bedeutung zu. „Sie als Landwirte müssen die Datenhoheit behalten“, betonte Wessling. Die Landwirte hätten weit mehr Erfahrungen mit dem technischen Wandel als andere Branchen, „daher habe ich keine Angst um Sie“.

Viel treffender hätte Herr Prof. Dr. Wessling die Relevanz und Bedeutung von Agrando für die Landwirte nicht herausstellen können. Mit Agrando geben wir den Landwirten eine Möglichkeit Ihre Daten und Informationen für sich selbst zu nutzen. Wessling betonte auch, dass Beispiele aus anderen Branchen gezeigt hätten, dass sich in solchen Geschäftsfeldern nur unabhängige und für alle frei zugängliche Modelle langfristig durchsetzen können. Denn entscheidend sei die Größe der Community, welche durch Insellösungen von beispielsweise bereits etablierten Marktteilnehmer immer begrenzt sei.

 

„Durch die Digitalisierung können wir eine effizientere, Ressourcen schonendere Landbewirtschaftung betreiben“, erklärte der Marktfruchterzeuger Carl Christian Koehler. Der Landwirt erwartet, dass die Robotik sich weiterentwickeln wird, und insbesondere in der mechanischen Unkrautbekämpfung sieht er Potenzial. Auch Sensoren, Satelliten und Drohnendaten werden besser. „Ich denke, wir sind hier aber schon recht weit! Es hängt eben an der einfachen Umsetzung auf dem Betrieb, und das muss sich verbessern! An diesem Punkt wäre auch mein Wusch, dass es bestimmte Grunddaten für die Betriebe kostenlos gibt. Das wäre eine gute Möglichkeit, Anfangsbarrieren zu überwinden.“ Zudem gäbe es noch viel zu wenig herstellerunabhängige Lösungen bzw. funktionierende Schnittstellen für eine effektive Datenübertragung und -nutzung, so der Landwirt.

Die DLG-Wintertagung hat deutlich gezeigt, dass die aktuellen Bedürfnisse der Landwirte digitale Lösungen erfordern!

Autor Franz Faltermeier
2018 28. Februar