DLG-Wintertagung 2020: Agrarstandort mit Zukunftsperspektive

March 12, 2020, 10:48 a.m.

Unter dem Leitthema „Agrarstandort Deutschland – Weltmarkt, Premiummarkt, Marktausstieg“ trafen sich im Februar rund 1.000 Landwirte und Landwirtinnen sowie Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Beratung zur DLG-Wintertagung im westfälischen Münster. Diskutiert wurden die dringendsten Fragen: Was bietet der Agrarstandort Deutschland heute und in Zukunft? Welche Entwicklungsstrategie ist für welchen Betrieb die richtige? Und wie können sich die Höfe optimal für die Zukunft aufstellen?

 

Spätestens seit den Treckerdemos der vergangenen Wochen ist klar: Es muss eine Zukunftsstrategie für den Agrarstandort Deutschland geben, die den Landwirten Planungssicherheit gibt. Gebraucht wird ein Handlungsrahmen, der Marktperspektiven eröffnet und Innovationen zulässt, sowie gesellschaftliche Anforderungen und ein faires Preisniveau unter einen Hut bringt.

Die DLG-Wintertagung 2020 zeigte auf, welche Zukunftsmärkte für deutsche Agrarunternehmer zu erwarten sind. In den Impulsforen diskutierten landwirtschaftliche Unternehmer und Fachleute die zentralen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Ackerbau, Betriebsführung und Milchvieh- und Schweinehaltung.

 

DLG-Wintertagung 2020 in Münster © DLG, F. Holland

 

Innovationswille, Engagement und Individualität

In seiner Rede in der öffentlichen Plenumsveranstaltung zog DLG-Präsident Hubertus Paetow sein Fazit aus der Veranstaltung: 

  • Eigeninitiative ist gefragt
    „Der Agrarstandort Deutschland hängt von der Kreativität, der Innovationsfreude und dem Engagement der Branche selbst ab. Wir haben es in der Hand.“

  • Jeder Betrieb muss seinen eigenen Weg gehen
    „Neben einer Diversität der Arten sollten wir auch eine Diversität bei den landwirtschaftlichen Geschäftsmodellen anstreben“, forderte Paetow. „Für jeden Standort und Betriebstyp wird es einen erfolgreichen Weg in die Zukunft geben, er ist nur nicht für alle derselbe. Vom Ökolandbau mit Direktvermarktung bis zur Getreideproduktion für den Nordafrikanischen Markt wird es alle Konzepte weiterhin geben, und diese erfordern unterschiedliche Entwicklungspfade.“

 

DLG-Präsident Hubertus Paetow © DLG, F. Holland

 

  • Forderung an die Politik: Flexiblere Vorgaben
    „Die Rahmenbedingungen müssen so gesetzt werden, dass sich die landwirtschaftlichen Betriebe ihren Stärken entsprechend im Wettbewerb entwickeln können. Dafür braucht man flexible und zielorientierte Maßnahmen statt einem starren Ordnungsgerüst.“

     

  • Konsequente Nutzung von Innovationen
    „Um im internationalen Agrarhandel weiterhin eine Rolle zu spielen, sollte die deutsche Landwirtschaft möglichst viele von den Fortschritten in den Agrarwissenschaften nutzen.“

     

Nachhaltige Produktion als Produktmerkmal
„Wir müssen versuchen, die Nachhaltigkeit in der Produktion als Produktmerkmal mit zu verkaufen. Gerade auch auf internationalen Märkten auf denen Verbraucher bereit sind für garantierte Nachhaltigkeit auch mehr zu bezahlen.“

 

Ausschuss Betriebsführung beim Impulsforum „Startups: Treiber für Innovation und Wandel" © DLG, F. Holland

 

Wie können sich Höfe optimal aufstellen?

Um gut für die Zukunft gerüstet zu sein, sollten Landwirte ihren Betrieb und ihre Prozesse durchleuchten, um zu erkennen, wo ihre individuellen Stärken liegen und an welchen Stellen sie noch effizienter werden müssen. Hier gibt es mittlerweile fachlichen Support aus der digitalen Welt: „Meine Empfehlung an jeden, der einen landwirtschaftlichen Betrieb führt: Überlegen Sie sich, ob Sie die richtigen Fragen kennen, die Ihnen dabei helfen, effizienter zu werden. Wenn nicht, dann lohnt sich ein Blick auf das digitale Spielfeld“, rät Jonathan Bernwieser, Gründer und Geschäftsführer der digitalen Handelsplattform Agrando. 

 

Jonathan Bernwieser, Geschäftsführer von Agrando © DLG, F. Holland

 

Beim Impulsforum „Startups: Treiber für Innovation und Wandel" riet er Landwirten: „Unternehmen wie Agrando helfen dabei, Schwachstellen in den Prozessen und damit wertvolles Optimierungspotenzial zu entdecken. Beispielsweise durch datengestützte Handlungsempfehlungen und Marktpotenzialanalysen. Ob man seinen Betrieb zukunftsfähig gestaltet oder nicht, ist keine Frage der Betriebsgröße, sondern eine Frage des Managements. Man muss als Unternehmer anfangen, die richtigen Fragen zu stellen und aktiv werden“, ergänzt der Landwirtssohn und Wirtschaftsinformatiker.


 

Informationen zum Weiterlesen:

Offizielle Webseite zur DLG-Wintertagung

7 Erkenntnisse im Februar 2020 – JUT Herrsching, RegioAgrar Bayern und DLG-Wintertagung

Autor Kristina Lutilsky
2020 12. March