Düngen per Satellit: Software App für optimale Düngergabe

20. April 2018 10:26

Eine Forschungsgruppe unter Beteiligung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und des französischen nationalen Instituts für Agrarforschung hat jetzt eine App entwickelt, die Landwirten eine sinnvolle Unterstützung bei der bedarfsgerechten Düngung von Sommergerste für Brauzwecke liefert. Das Anfang Oktober 2017 gestartete EU-Projekt Barley IT soll Landwirten künftig insbesondere dabei helfen, die optimale Menge für die letzte Düngergabe zu ermitteln. Diese hat einen entscheidenden Einfluss auf die Eignung der Gerste für die weitere Verarbeitung in Mälzerei und Brauerei.

Braugerste ist für die Landwirtschaft attraktiver als Futtergerste, denn die am Markt erzielbaren Preise sind höher. Trotzdem sind die Anbauflächen in den letzten Jahren stark rückläufig.

Ein Grund: Für die Bierherstellung muss der Proteinanteil zwischen 9,5 und 11,5 Prozent liegen. Der Landwirt kann dies zwar durch die Düngung beeinflussen, aber dazu muss die eingesetzte Stickstoffmenge exakt stimmen. Und das gestaltet sich in der Praxis zunehmend schwierig, denn durch den Klimawandel wächst der Anteil an Kohlendioxid in der Luft. Dies führt zu einem geringeren Proteingehalt in den Getreidekörnern, was sich unter anderem negativ auf die Backqualität bei Broten oder auch die Schaumentwicklung bei Bieren auswirkt.

Hier setzt das Projekt „BARLEY IT“ an. Es ist Teil der Climate-KIC-Initiative, Europas größtem öffentlich-privaten Netzwerk für Innovationen gegen den Klimawandel und zielt darauf ab, die optimale Höhe der letzten Stickstoffgabe vor der Ernte der Braugeste zu ermitteln. Hierzu sollen die Analyseergebnisse von Modellierungs- und Fernerkundungsdaten in einer Software-App gebündelt werden.
Einen Teil der benötigten Daten liefert eine neue Generation von Satelliten − die sogenannten Sentinels. Mit ihrer Hilfe kann der aktuelle Chlorophyllgehalt der Pflanzen bestimmt werden.

 

„Auf den Satellitenfotos können wir erkennen, in welchem Versorgungsbereich die Pflanze liegt und durch kontrollierte Stickstoffgabe nachjustieren“, sagt Dr. Claas Nendel, Spezialist für landwirtschaftliche Wachstumssimulationen am ZALF.

 

Während die Gerste auf den Versuchsfeldern wächst, simuliert das Team um Dr. Nendel das Wachstum am Computer nach – und speist die Simulation mit Beobachtungsergebnissen aus den Satellitendaten. So kann bei der abschließenden Qualitätsgabe der Einfluss der Düngermenge auf die Qualität der Braugerste vorausberechnet und die für den angestrebten Proteingehalt der Gerste günstigste Empfehlung abgeleitet werden.

Das Ergebnis soll dann in einem nächsten Schritt über mobile Endgeräte, zum Beispiel direkt auf dem Tablet des Landwirts, abrufbar sein. Dazu muss das Forschungsprojekt nun aber erst beweisen, dass der Analyseansatz in der Kombination aus Fernerkundung und Modellierung funktioniert. Hierzu finden in den nächsten zwei Jahren Experimente auf den Praxisflächen der französischen Kooperativen statt, die in das Projekt eingebunden sind.

Weitere Informationen unter: http://www.zalf.de/de/forschung_lehre/projekte/Seiten/details.aspx

Autor Peter Berndgen
2018 20. April