Die Luft wird dünner...

6. April 2018 14:51

Die novellierte Düngeverordnung macht Betriebsübernahmen nicht gerade leichter. Das gilt besonders, wenn die Fläche ein knapper Faktor ist.

Rund 42 Hektar bewirtschaften Karl und Hendrina Bröcheler seit 1984, davon 33 Hektar als Grünland, das im Gänseschutzgebiet liegt und deshalb nicht umgebrochen werden darf. Auf den restlichen neun Hektar wird Silomais erzeugt, der zusammen mit Grassilage als betriebseigene Futtergrundlage genutzt wird. Weitere zehn Hektar Grünland sind zwar nicht gepachtet – und damit auch nicht im Flächenverzeichnis, das für die Menge der innerbetrieblich verwertbaren Gülle ausschlaggebend ist – werden aber ebenfalls von Bröchelers bewirtschaftet und zur Produktion von Grassilage genutzt.

Die Familie würde gerne weitere Flächen pachten oder zukaufen, aber dazu bestehen laut Junior Andreas Bröcheler auch aufgrund der Konkurrenz zu außerlandwirtschaftlichen Investoren in dieser Region kaum Chancen.

Die novellierte Düngeverordnung erfordert, dass die Familie Nährstoffexporte in Form von Gülle durch Nährstoffimporte mit Mineraldüngern kompensieren muss. Im Grünland dürfe man maximal 360 kg/ha Stickstoff im Jahr düngen. Damit, so Andreas Bröcheler, ließen sich die Nährstoffentzüge ausgleichen, die bei viermaliger Ernte von hochwertiger Grassilage entstehen. Da nach der neuen Düngeverordnung aber nicht mehr wie früher 210 oder sogar 230 kg/ha N, sondern nur noch 170 kg/ha N pro Jahr mit Gülle ausgeglichen werden können, müssen die 190 kg/ha N, die jetzt bis zu dem Entzug in Höhe von 360 kg fehlen, als Mineraldünger teuer zugekauft werden.

Andreas Bröcheler: Weide sowie Mais- und Grassilage bilden die betriebseigene Futtergrundlage.Andreas Bröcheler: Weide sowie Mais- und Grassilage bilden die betriebseigene Futtergrundlage.

Die nicht mehr betrieblich verwertbare Gülle wird von einem Lohnunternehmer zu Ackerbaubetrieben in der Region transportiert und dort ausgebracht. Und das bedeutet: Die Familie muss 1.400 m3 Gülle und damit rund 5.600 kg Stickstoff pro Jahr mit Kosten von rund acht bis zehn Euro zzgl. Mehrwertsteuer pro Kubikmeter in organischer Form abgeben, um dann Mineraldünger teuer einzukaufen.

Und damit nicht genug: Wenn ab 2020 nach der novellierten Düngeverordnung Prallteller bei der Gülleausbringung verboten sind, bedeutet das entweder Investitionen in neue Technik oder auch hier den Einkauf der Leistungen eines Lohnunternehmers – mit weiteren vier Euro zzgl. Mehrwertsteuer pro Kubikmeter Gülle, die dann sogar bei der Ausbringung auf den eigenen Flächen anfallen würden.

Die Politik spreche immer davon, dass landwirtschaftliche Familienbetriebe gefördert werden sollten. Die Realität sei aber, dass die kleineren Betriebe manche politische Vorgabe kaum noch erfüllen könnten. Egal ob Umbruchverbote von Grünland wegen der Gänse, erzwungene Nährstoffexporte und der so erzwungene Nährstoffzukauf, die Flächenkonkurrenz mit Investoren oder notwendige Investitionen in neue Technik – für die Bröchelers bleibt so manches offen, was die Politik für Familienbetriebe tun müsste.

 

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 06. April