Status quo zum EU-Eiweißplan

Jan. 4, 2019, 3:33 p.m.

Am 17. April dieses Jahres hat das EU-Parlament die europäische Strategie zur Förderung von Eiweißpflanzen – Förderung des Anbaus von Eiweißpflanzen und Hülsenfrüchten in der europäischen Landwirtschaft (2017/2116(INI) (1) angenommen. In der Begründung wird beispielsweise erwähnt, dass in der Europäischen Union ein erhebliches Defizit an Pflanzeneiweiß bestehe. Zur Deckung des Bedarfs sei die Tierhaltung immer noch und in hohem Maß auf Einfuhren aus Drittländern angewiesen. Daran habe sich trotz der Verwendung von Nebenerzeugnissen aus der Produktion von Biokraftstoffen in Futtermitteln wenig geändert. Auf jeden Fall müssten „diese Einfuhren (…) nachhaltiger werden“.

Daneben geht es dem EU-Parlament aber insbesondere um einen strategischen europäischen Plan für die Erzeugung und Versorgung mit pflanzlichem Eiweiß, „der auf der nachhaltigen Entwicklung des gesamten Anbaus in der Union beruht.“ Dabei stehen die Hülsenfrüchte im Fokus, die Stickstoff aus der Luft binden und deshalb weniger synthetischen Stickstoffdünger benötigen. Als Vorteile erwähnt die Kommission darüber hinaus die gute Bodenstruktur, die Leguminosen für die Folgekultur hinterließen, den damit möglichen Fruchtwechsel und die Förderung der biologischen Vielfalt. „Eiweißpflanzen wie Soja, Luzerne, Ackerbohne, Erbse und Pflanzen wie Klee, Esparsette und viele weitere Hülsenfrüchte [sollten] wieder in die Ackerkultursysteme und Futtersysteme aufgenommen werden“.

Für eine stärkere Eigenversorgung der Nutztiere mit Eiweiß spricht auch aus Sicht der Landwirte in Deutschland und Europa eine Reihe von Gründen. Dazu zählen neben den so schließbaren Nährstoffkreisläufen und der damit möglichen, vielfach geforderten Garantie auf GMO-Freiheit auch die vom EU-Parlament genannten Effekte auf Pflanzengesundheit und Biodiversität.

Allerdings zeigen sich derzeit dafür noch einige Hürden:

Der EU-Dachverband der Futterwirtschaft in Europa, FEFAC (2) und der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. weisen etwa darauf hin, dass Verfügbarkeit, Qualität und Wettbewerbsfähigkeitvon pflanzlichen Eiweißen entscheidend (3) und Importe von Eiweißquellen deshalb auf absehbare Zeit unverzichtbar seien.

Der weltweite Fokus bei der Versorgung mit eiweißreichen Rohstoffen liegt bislang nicht ohne Grund auf dem Sojaschrot. Dies erfülle die Anforderungen in der Tierernährung hinsichtlich Verdaulichkeit, Schmackhaftigkeit, Verfügbarkeit, Konsistenz, Aminosäureprofil und antinutritiver Substanzen am besten. Allerdings erwartet die Branche, „dass Eiweiß zunehmend zur limitierenden Ressource auf dem globalen Rohstoffmarkt für die Landwirtschaft wird“ (4). Die Verbände weisen vor diesem Hintergrund daraufhin, dass ein erfolgreicher EU-Eiweißplan alle Lieferkanäle für pflanzliche Eiweiße von innerhalb und außerhalb der EU aufzeigen und bestmöglich verknüpfen müsse.

Die landwirtschaftliche Praxis sucht selbst nach Möglichkeiten, stärker auf heimische Eiweißlieferanten zu setzen. Das funktioniert bei Eiweißkonzentraten, die etwa als Koppelprodukte der Verarbeitung von Raps- und Sonnenblumen anfallen, durchaus gut: Die Anstrengungen bei erneuerbaren Energien haben quasi als Nebeneffekt in den letzten Jahren bereits einen erheblichen Beitrag zur heimischen Eiweißversorgung geleistet. Auch der Anbau der Sojabohne eröffnet inzwischen zumindest im deutschen Süden durchaus interessante Perspektiven, nachdem entsprechende Vermarktungskanäle geschaffen wurden. Woran es noch hapert? Nach dem Start des hiesigen Sojaanbaus bei null braucht es eine Intensivierung der züchterischen Anstrengungen, es braucht mehr Erfahrungen mit der Unkrautkontrolle, mit der Abreife, mit der Ertragssicherheit …

Es zeichnet sich aber ab, dass – entsprechende Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt – neben den heimischen Leguminosen auch die Sojabohne aus Europa einen wachsenden Beitrag zu der hiesigen Eiweißversorgung leisten kann, wenn ihr weiter die nötige Aufmerksamkeit und Bearbeitung zuteilwird. Die erwartete Rohstoffknappheit auf den globalen Märkten lässt dazu aber auch nur wenig Alternativen.

 

(1) http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P8-TA-2018-0095+0+DOC+XML+V0//DE
(2) https://www.fefac.eu/file.pdf?FileID=81060&CacheMode=Fresh
(3) https://www.dvtiernahrung.de/fileadmin/Dokumente_ab_07_2013/Presse/2018_12_06_DVT_PM_14_EU_Eiwei%C3%9Fplan.pdf
(4) https://www.fefac.eu/file.pdf?FileID=81060&CacheMode=Fresh

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 04. January