Elektromobilität auf dem Vormarsch!...

Dec. 7, 2018, 2:52 p.m.

Die Kohlekommission und die Vorgänge am Hambacher Forst in NRW haben uns in den vergangenen Wochen gelehrt, dass Braunkohle und daraus gewonnener Strom Auslaufmodelle sind.

Mit Blick auf die Kernkraft wurde schon 2011 vom Deutschen Bundestag beschlossen, die zuvor festgelegte Laufzeitverlängerung rückgängig zu machen, acht Kernkraftwerke dauerhaft abzuschalten und auch die übrigen neun Atommeiler zu bestimmten Zeitpunkten dauerhaft vom Netz zu nehmen. An Land produzierte Windenergie führt aus Sicht vieler Menschen zur „Verspargelung“ der Landschaften und zu viel mehr abgeholzten Bäumen als der Tagebau Hambach, und großflächige Fotovoltaikanlagen auf zuvor anderweitig genutzten Flächen sollen laut der „Verordnung zur Einführung von Ausschreibungen für die finanzielle Förderung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen“ nur noch in begrenzter Anzahl und ausschließlich in benachteiligten Gebieten entstehen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die großen geplanten – und dringend benötigten – Nord-Süd-Trassen für den Transport der in Offshore-Windparks erzeugten Energie bei den davon betroffenen Bürgern keineswegs auf Begeisterung stoßen. Die unterschiedlichen Stromquellen stehen zum Teil also unter kräftigem Beschuss!

Trotzdem ist Elektromobilität auf dem Vormarsch – und das gilt nicht nur für die Automobile von Tesla und die wachsenden E-Lieferflotten der Deutschen Post, um zwei prominente Beispiele zu nennen. Auch die Landtechnik beginnt, elektrisch zu werden: Kleinere, preiswertere und leistungsstärkere Batterien machen es möglich. Aus landwirtschaftlicher Sicht macht diese Entwicklung durchaus Sinn, und das gilt besonders dann, wenn Landwirte selbst Solarstrom oder Strom aus Biogas erzeugen.

Die in der Vergangenheit stetig sinkende Einspeisevergütung öffnet die Tür für alternative Nutzungsformen des selbst erzeugten Stroms. Darüber hinaus fallen die ersten Fotovoltaikanlagen etwa ab 2020 aus der für zwanzig Jahre garantierten Einspeisevergütung heraus. Denkt man dann noch an den Klimaschutzplan der Bundesregierung, nach dem die Landwirtschaft bis 2030 ihre Emissionen um 31 Prozent gegenüber 1990 verringern soll, macht der Umstieg von Diesel auf Strom aus erneuerbaren Quellen als Antriebskonzept auf den Betrieben noch mehr Sinn.

 

Denkbar ist das Aufladen der Akkus zu Zeiten mit hoher Sonneneinstrahlung – und die Nutzung der gespeicherten Energie in Tagesrandzeiten beispielsweise über elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf dem Hof. Heute begrenzen allerdings noch die zu geringe Reichweite der Batterien und die Systemkosten das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten außerhalb der Hofstellen. So berichtet der eilbote in Ausgabe 24/2018, dass ein 50 kW-Traktor mit einem Teillast-Betrieb an vier Stunden pro Tag eine Batterie mit 100 kWh Energieinhalt benötigt, die derzeit etwa 600 kg wiegen und ein Volumen von 300 Litern aufweisen würde. Dem stünde bei einem Traktor mit 380 kW eine Batterie mit einem Gewicht von 15 Tonnen und einem Volumen von 5 m3 gegenüber – und das zeigt, wo die Elektromobilität derzeit noch an klare Grenzen stößt.

Schaut man jedoch auf das, was heute bereits möglich ist, dann zeigt das:

Die Elektromobilität kommt erkennbar auch bei Landmaschinen voran. Seit 2015 produziert etwa die Firma Weidemann einen elektrisch angetriebenen Hoflader in Serie, seit 2016 bietet Siloking eine inzwischen auf drei Modelle ausgebaute Palette von komplett elektrisch angetriebenen selbstfahrenden Futtermischwagen, und 2017 wurde von Schäffer ein erster Hoflader mit Lithium-Ionen-Technologie vorgestellt. Mit dem ersten vollständig batteriegetriebenen Prototypen auf Basis der 6R-Serie ist John Deere seit 2017 unterwegs, und auch Fendt hat mit dem e100 bereits einen Traktor in der 50 kW-Klasse vorgestellt, um einige prominente Beispiele zu nennen.

 

Weitere Entwicklungen sind unter anderem bei Kosten und Kapazitäten von Speicher- und Ladetechnik zu erwarten. Ebenso gibt es den Ansatz, Batterien mit verschiedenen Fahrzeugen flexibel zu nutzen oder als Gewicht und Stromquelle in der Fronthydraulik eines Traktors zu nutzen und dann als stationäre Speicher neben einer Fotovoltaikanlage wieder zu laden. Auch Anbaugeräte sollen von elektrischen Antrieben profitieren, da hier nicht nur eine höhere Präzision möglich wird, sondern auch die Drehzahlen bei Störungen schneller reduziert und damit Schäden an den Geräten vermieden werden können. Bei der Technik sind also neue Möglichkeiten absehbar.

Nicht ganz geklärt scheint nur die Frage, wo der Strom für die „elektromobile Gesellschaft“ denn letztlich herkommen soll. Landwirte mit einer eigenen Fotovoltaik- oder Biogasanlage können darauf eine überzeugende Antwort geben!

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 07. December