Der Flächenfraß nagt weiter...

Feb. 1, 2019, 3:33 p.m.

Der Flächenverbrauch betrug in den Jahren 1997 bis 2000 im Durchschnitt 129 Hektar – jeden Tag! Auch wenn der Trend mit einem durchschnittlichen täglichen Verbrauch von 62 Hektar in den Jahren 2013 bis 2016 erkennbar zurückgeht, ist der damit verbundene Verlust von 0,62 Quadratkilometern Land pro Tag1 aus ökologischer Sicht mehr als bedenklich. Und: Dieser Verlust betrifft vorrangig Flächen, die zuvor landwirtschaftlich genutzt wurden.

Wenig tröstlich dabei ist, dass Flächenverbrauch und Versiegelung nicht gleichgesetzt werden können. So wurden laut einer im Jahr 2007 veröffentlichten Hochrechnung des Länderarbeitskreises für Bodenschutz (LABO) im Durchschnitt über die 15 berücksichtigten Bundesländer 45,9 Prozent der verbrauchten Flächen auch versiegelt und waren damit etwa für den natürlichen Wasserkreislauf und die Artenvielfalt weitestgehend verloren.

 

Auf Basis der Zahlen des LABO hat die versiegelte Fläche in diesen 15 Bundesländern allein zwischen 2005 und 2015 um erschreckende 1.082 Quadratkilometer zugenommen.1

 

Aus landwirtschaftlicher Sicht ist weiterhin fatal, dass neben diesem Flächenverbrauch weitere Flächen in Anspruch genommen werden. So berichtete der Westdeutsche Rundfunk: „Und wer Natur zubaut, muss an anderer Stelle Ersatz schaffen zum Beispiel durch Wald. So gehen der Landwirtschaft weitere Flächen verloren.Die Frankfurter Rundschau berichtete bereits 2005:

 

Als Ausgleich für die 300 Hektar Wald, die für die Nordwest-Bahn am Flughafen gerodet werden sollen, muss Flughafenbetreiber Fraport an zwölf Standorten im Rhein-Main-Gebiet als Ersatz 306 Hektar Ackerland aufforsten.“3

 

Was also tun, wenn Boden eine begrenzte Ressource ist und nicht vermehrt werden kann?

Im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von 2002 hat die Bundesregierung ein klares Ziel vorgegeben: Der Flächenverbrauch durch den Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfläche soll bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag begrenzt werden1. Denkbare Maßnahmen, mit denen dieses Ziel erreicht werden könnte, sind u. a. die Begrenzung der Außenentwicklung mit dem Instrumentarium der Raumordnung, der Abbau als schädlich angesehener Subventionen wie der Pendlerpauschale, die Förderung der Innenentwicklung und des Brachflächenrecyclings mithilfe des Baugesetzbuchs oder auch die Instandsetzung bestehender Strukturen anstelle von Neubauten.

Für Flächen, die der Landwirtschaft im Zug der Eingriffsregelung als Ausgleichsflächen verloren gehen, kann alternativ zu der bislang oft gängigen Praxis der Aufforstung beispielsweise im naturschutzrechtlichen Ausgleich, bei Planfeststellungsverfahren und beim landwirtschaftlichen Bauen im Außenbereich die Bayerische Kompensationsverordnung zur Anwendung kommen. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, nämlich das Sammeln von Ökopunkten auf einem Ökokonto und die produktionsintegrierte Kompensation. Die Maßnahmen können dann in der Trägerschaft der KulturLandStiftung der BBV Landsiedlung umgesetzt werden.

Ähnlich funktioniert das Modell der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft in NRW mit ihren Lösungen für Ausgleichsverpflichtete und Eingriffsverursacher auf der einen und Angeboten für Landwirte und Flächeneigentümer auf der anderen Seite.Auch hier dienen Ökopunkte zur Bewertung der Maßnahmen, bei denen – und das ist anders als bei sonstigen Ausgleichsmaßnahmen der Clou dieser Modelle – die benötigten Ausgleichsflächen nicht aus der Bewirtschaftung herausfallen, sondern in der Hand der Landwirte verbleiben.

 

Wenn also schon Flächen verbraucht und versiegelt werden, bieten solche Lösungen einen guten Weg für die betroffenen Landwirte – und für die Erhaltung landwirtschaftlicher Flächen.

In einem weiteren Blogbeitrag werden wir Ökopunkte und Ausgleichsflächen demnächst einmal genauer „unter die Lupe nehmen“.

 

1 https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaeche-boden-land-oekosysteme/flaeche/siedlungs-verkehrsflaeche#textpart-5
2 https://www1.wdr.de/nachrichten/flaechenfrass-102.html
3 http://www.fr.de/rhein-main/dossier/spezials/fraport-erwirbt-mehrere-landgueter-zum-aufforsten-a-1197263
4 https://www.agrarheute.com/wochenblatt/regionen/schwaben/ausgleichsflaechen-landfrass-laesst-verringern-540997
5 https://www.rheinische-kulturlandschaft.de/themen-projekte/eingriff_und_kompensation/oekokonten-und-flaechenpools/

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 01. February