Kleine Geschichtsstunde

25. Oktober 2017 10:17

Der Landhandel ist geprägt durch zahlreiche geschichtliche Ereignisse in Europa und Deutschland. Sie haben den deutschen Landhandel geformt und verbessert. Doch es ist noch nicht an der Zeit, die Geschichtsbücher beiseitezulegen. Das nächste Kapitel wird gerade geschrieben.

Schon vor fast 4000 Jahren, in der Bronze- & Eisenzeit, war die Technik des Spinnen und Webens bekannt. Dadurch konnte Kleidung hergestellt werden. Güter konnten gehandelt werden und in der Eisenzeit wurde sogar schon mit Geld gehandelt. Dadurch konnten die ersten Kaufleute schon damals gute Geldgeschäfte abwickeln.

Mit den Römernkam im 2. Jahrhundert n.Chr. der landwirtschaftliche Handel nach Europa und Deutschland. Am Rhein wurden 50 Kastelle mit einer insgesamt ca. 50.000 Mann starken Besatzung errichtet. Diese mussten irgendwie ernährt werden. Um diese Vielzahl an Personen zu bewerkstelligen, betrieben die Römer mit den umliegenden Landwirten Handel. Somit ernährten die unterdrückten Germanen die römische Besatzung. Im Laufe der Zeit konnte durch die römischen Straßennetze und den Fortschritt im Schiffsbau auch überregionaler Handel betrieben werden.
In der Frühzeitlebten die Menschen hauptsächlich in bäuerlicher Eigenwirtschaft, die häufig in Form einer Art Hofgemeinschaft angelegt war. Der Getreidehandel hatte eine große Bedeutung und regionale Rohstoffe wurden auch über größere Distanzen hinweg ausgetauscht. Der Getreidehandel wurde von den jeweiligen Landesherren jedoch stark reglementiert, um die Bevölkerung in den Städten ernähren zu können. Der Handel mit Getreide, Mehl, Pelzen und anderen Waren betrieb allein die Hanse.

Im Mittelalter lagen die Handelsstädte meist an strategisch günstigen Wasserstraßen, wie dem Rhein oder der Donau. Die mittelalterlichen Städte wurden von dem umliegenden Ackerland ernährt, wobei Getreide (Brot, Bier, Brei) das Hauptnahrungsmittel war. Aus diesem Grund wurde es auch als stark verwerflich angesehen, wenn mit dem Verkauf von Getreide Gewinne erzielt werden sollten.

Die Nürnberger Korngesetzgebung 1350 setzte einen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Landhandels. Ausgehend davon, dass der Rat, der eine lückenlose Kontrolle des Getreides vom Erzeuger bis zum Verbraucher erreichen wollte, wurden 4 Kornmärkte in der Stadt errichtet. Der Handel mit Getreide war ab sofort ausschließlich nur noch auf den Kornmärkten erlaubt und es gab sogar eine Bannmeile um die Stadt herum, in der kein Getreidehandel betrieben werden durfte. Weiter waren Absprachen vor der offiziellen Öffnung der Märkte verboten und den Bürgern war es untersagt, Vorratshaltung zu betreiben. Jeder durfte nur soviel erwerben, wie er für den privaten oder gewerblichen Eigenbedarf benötigte und maximal die Menge für ein Jahr aufbewahren. Es entstanden sogenannte Kornhäuser der Stadt, in denen die Menge an Getreide die für 1 Jahr das Überleben der Bevölkerung sichern sollte aufbewahrt wurde. Erst im 18. Jahrhundert n. Chr. wurde der Getreidehandel wieder freigegeben und auch erst dann konnte der Landhandel mit Produkten rein für und aus der Landwirtschaft in Deutschland Fuß fassen.

Im 19. Jahrhundert gab es einige Neuerungen, die den Landhandel stark beeinflussten und bis heute prägen. Nicht nur konnte durch die deutliche Verbesserung der Straßen und die zunehmende Bedeutung der Binnenschifffahrt sowie der Eisenbahn der Handel über weite Strecken hinweg betrieben werden, sondern auch die Bedeutung des Kartoffel- und Leinsamenhandels nahm zu. Weiterhin stiegen die Brau- und Verarbeitungsmenge des Getreides enorm an. 1863 trat ein neues Gewerbegesetz in Kraft, das die völlige Freiheit des Handels von zünftischen und polizeilichen Beschränkungen festschrieb. Aus einigen Landhandelsunternehmen wurden Banken, indem der Landhändler dem Landwirt den Gegenwert seiner Ware gutschrieb und verzinste. In Deutschland wurden Börsen als Handelsplätze errichtet und mit der Zeit nahmen Landhändler auch landwirtschaftliche Betriebsmittel, wie Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Dünger, in den Handel mit auf.

Um 1846/1847 wurde durch Johannes Friedrich Raiffeisen der erste genossenschaftliche Landhandel im Westerwald gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits 3006 landwirtschaftliche Genossenschaften.
Mit dem Eintreten des 1. Weltkrieges hatte auch der Landhandel schwer zu kämpfen. Durch die Schwierigkeiten mit der Versorgung der Bevölkerung wurde ein Gesetz zur zentralen Verwaltung von Nahrungs- & Futtermitteln ausgerufen. Dadurch wurde der Landhandel komplett ausgeschaltet und ein Zusammenschluss einzelner Betriebe war für einige die einzige Möglichkeit zu überleben. Diese Handelsgesellschaften konnten dann in der Kriegswirtschaft einsteigen. Daraus entstand auch die BeWag, die Bayerische Handelsgesellschaft für landwirtschaftliche Erzeugnisse & Baustoffe GmbH & Co. KG.

Mit der Währungsreform im Versailler Vertrag 1923 wurden alle handelspolitischen Beschränkungen aufgehoben. Jedoch hatte der Landhandel durch die Weltwirtschaftskrise in den 1930 Jahren auch nach dem Wegfall der Handelshemmnisse mit starken Problemen zu kämpfen. Einige landwirtschaftliche Betriebe wurden zahlungsunfähig. Genossenschaften wurden durch staatliche Kredithilfen gestützt, der private Landhandel hatte es jedoch sehr schwer.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die landwirtschaftliche Organisation zur Reichssache erklärt. Im Reichsnährstand wurden Landwirte, landwirtschaftliche Genossenschaften und der Landhandel zusammengefasst. Der Reichsbauernführer bestimmte Festpreise und ordnete Marktverbände an. Somit wurde aus dem Landhandel lediglich eine Art Verteiler, da der Handel kaum möglich war und sich zudem nicht lohnte.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Reichsnährstand durch die Zonenbefehlshaber aufgelöst. In Ostdeutschland war kein Platz für den Landhandel. Große landwirtschaftliche Betriebe lieferten an staatliche Stellen ihre Erzeugnisse und wurden von diesen wiederum mit Betriebsmitteln versorgt. Auch sämtlicher Weiter- oder Exporthandel wurde durch staatliche Stellen betrieben. In Westdeutschland fand währenddessen ein Strukturwandel in der Landwirtschaft statt. Die Betriebe wurden zunehmend größer und das Handelsvolumen hat sich bis in die 70er Jahre gesteigert.

Darauf folgte ein Konzentrationsprozess, da das Handelsvolumen in den 80er Jahren nicht weiter stieg und durch die gesunkene Nachfrage der Absatz auf den Beschaffungsmärkten sank. Dadurch reduzierte sich die Zahl der Landhändler und private und genossenschaftliche Landhändler sind in höheren Umsatzklassen zu finden.
Infolgedessen schlossen sich viele private Landhändler in verschiedenen Kooperationsformen zusammen. Hierbei sind jedoch noch heute regionale Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland zu erkennen. Im Süden gibt es deutlich mehr Vereinigungen als im Norden.

All diese Ereignisse und noch viele mehr führten dazu, dass der Landhandel, wie wir ihn in seiner heutigen Form kennen, existiert. Der Landhandel ist geprägt durch eine lange und ereignisreiche Geschichte Deutschlands und ganz Europa. Die Notwendigkeit eines Landhandels wurde schon sehr früh erkannt und als Chance genutzt. Und die Geschichte des Landhandels ist noch nicht vorbei. Durch die Chancen der Digitalisierung sind wir gerade dabei, ein neues Kapitel zu schreiben, wie der Landhandel wachsen und optimiert werden kann.

Quelle: landhandel.de

Autor Stephanie Leß
2017 25. Oktober