Innovationsbranche Landwirtschaft

16. November 2018 11:15

Satellitengestützte Navigation, viel genauer als bei jedem PKW, Inline-Milchanalyse und vollautomatische Melkanlagen, emissionsarme Motoren der Stufe V, digitales Herden- und Gesundheitsmanagement – und natürlich der digitale Agrarhandel: Quer durch Pflanzenbau, Tierhaltung, Betriebsführung und Handel ist die Agrarwirtschaft eine starke Innovationsbranche, die jahrein jahraus mit weitreichenden Neuerungen aufwartet.

Pflanzenbau

Hier ist es beispielsweise RTK+ und die in diesem Jahr erstmalige Einbeziehung der europäischen Galileo-Signale, die – anders als GPS und GLONASS – nicht nur in ziviler Hand sind, sondern auch Abdeckung und Ausfallsicherheit maßgeblich erhöhen. Damit ist im Feld Spur für Spur und Jahr für Jahr eine wiederholbare Genauigkeit auf 2,5 cm möglich. Von der größeren Präzision bei Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz profitieren die Umwelt und die wirtschaftlichen Ergebnisse der Betriebe. Niederdruckreifen mit Very High Flexion (VF) Technologie, Reifendruckregelungsanlagen und Bandlaufwerke entlasten den Boden trotz immer größerer Maschinen. Und im Ackerbau der Zukunft setzen einzelne Szenarien zunehmend auf autonome Landtechnik. Das geht weit über modifizierte Versionen heute üblicher Maschinen hinaus, die etwa als Master-Slave-Systeme genutzt werden können. Konzepte gehen bis zu kleinen autonomen Roboterschwärmen, in denen mehrere der bei Fendt etwa auf den Namen „Xaver“ getauften Maschinen aktiv werden sollen.

Tierhaltung

Bei der Tierhaltung ist digitales Herden- und Gesundheitsmanagement ein großes Thema. Ziel ist hier nicht der vollständige Ersatz menschlicher Arbeitskraft: Ersetzt bzw. automatisiert werden im Wesentlichen schwere körperliche Routinearbeiten und ein Teil der Tierbeobachtung. Letztere erkennt allein dadurch, dass sie ständig und automatisiert abläuft, Abweichungen von der Norm viel schneller als etwa ein Melker, der seinen Tieren „nur zweimal täglich“ begegnet. Egal ob fortschrittliche Brunsterkennung, die Erfassung von wichtigen Gesundheitsparametern etwa mit Blick auf die Klauengesundheit, Bewegung, Nahrungsaufnahme, Milchmenge und Milchinhaltsstoffe: Die modernen Systeme unterstützen den Menschen, verbessern die Genauigkeit und die Möglichkeiten der Früherkennung, können aber „das Auge des Herrn“ keinesfalls ersetzen.

Bei der diesjährigen EuroTier wurden beispielsweise Innovationen in so unterschiedlichen Bereichen wie Tierwohl, der vollautomatischen und bedarfsgerechten Mischung und Vorlage von Futter, dem Stallklima sowie bei Arbeitserleichterungen und Arbeitssicherheit vorgestellt. Ganz wesentlich bei vielen digitalen Neuerungen: Die automatisierte Erfassung und Dokumentation von Input und Leistung. Das erspart angesichts der immer weiter wachsenden Dokumentationspflichten, die den Landwirten von Politik und Handel aufoktroyiert werden, maßgeblich Zeit und Mühe.

Handel

Auch mit dem digitalen Agrarhandel zeigt sich die Offenheit für Innovationen in einer Branche, die oft als traditionell und eher langsam bei der Annahme von Neuerungen eingeschätzt wird. Die Entwicklung von Agrando zeigt, wie gut die mit dem digitalen Handel verbundenen Vorteile von Partnern aus Industrie und Handel sowie von Endkunden angenommen werden. Die Möglichkeit, etwa online Angebotsvergleiche durchführen zu können, schmeckt eben nicht nur den Kunden von Stromanbietern oder KFZ-Versicherungen.

 

Bleibt zum guten Schluss die Frage was die Gesellschaft von solchen Innovationen hat. Schließlich sind viele dieser Entwicklungen für Außenstehende nicht unmittelbar sichtbar. Und doch wirken sie positiv, und zwar nicht nur auf die Umwelt, sondern tatsächlich auch auf den täglichen Frühstücks-, Mittags- und Abendbrottisch der Verbraucher: Dass in den Industrieländern heute nämlich Lebensmittel in einer früher ungeahnten Fülle, Qualität und Sicherheit zur Verfügung stehen, ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der Innovationskraft „der grünen Branche“!

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 16. November