Mit Kompost gegen die nächste Dürre wappnen

Dec. 28, 2018, 3:30 p.m.

Die zum Teil über Monate anhaltende Trockenheit in diesem Jahr hat gezeigt, wie wichtig es ist, sich mit dem Klimawandel und seinen Folgen auseinanderzusetzen. Schon in unserem Blogbeitrag vom 24.08.2018 haben wir dieses Thema aufgegriffen. Mit der Kompostdüngung gibt es aber einen weiteren interessanten ackerbaulichen Ansatz: Viel Wissenswertes findet sich dazu unter anderem auf den Websites von VHE und BGK(1).

Der Kompost verdient unter anderem deshalb besonderes Interesse, weil die Gehalte an organisch gebundenem Kohlenstoff in den Ackerböden im Zuge der intensiven wendenden Bodenbearbeitung vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu den 1950er Jahren deutlich rückläufig waren.
Diesem Trend wirken seither die erreichten Ertragszuwächse entgegen, die sich auch auf die Menge der im/auf dem Boden verbleibenden Wurzeln und Ernterückstände auswirken. Auch Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung helfen, einen übermäßigen Humusabbau zu verhindern. Die Humusversorgung der Ackerböden ist aber trotzdem auch heute noch ein brandaktuelles Thema. Dies gilt umso mehr in Dürrejahren wie 2018, in denen buchstäblich jeder einzelne Strohhalm zählt, der von Feld geborgen werden kann.

Die Humusversorgung der Böden und damit verbundene Bodeneigenschaften verdienen aber generell besondere Aufmerksamkeit. Humus fungiert nicht nur als Kohlenstoff- und Nährstoffspeicher sowie als Lebensraum und Nahrung für unzählige Bodenorganismen, sondern auch als überaus effektiver Wasserspeicher!

 

Er kann bis zum Fünffachen seines Eigengewichts an Wasser speichern (2).

 

Führt man dem Boden beispielsweise als ausschließliche organische Düngung 48 Tonnen Kompost-Frischmasse zu, dann gelangen damit rund 11,6 Tonnen reine organische Substanz auf den Acker, von denen etwa die Hälfte im Verlauf weniger Jahre im Boden zersetzt wird. Rund sechs Tonnen Dauerhumus verbleiben danach im Boden und fungieren dort wie ein Schwamm, der begierig Wasser aufnimmt und speichert: Bei zwei Prozent Humus beträgt die Humusmenge in einer 30 cm mächtigen Ackerkrume 90 Tonnen pro Hektar. Diese Humusmenge kann 45 mm Niederschlag speichern, d. h. mit sechs zusätzlichen Tonnen Dauerhumus werden rechnerisch zusätzlich 3 mm Niederschlagdauerhaft gespeichert – und dieser Effekt akkumuliert sich über die Jahre. Welchen Unterschied das auf manchen Standorten in diesem Jahr gemacht hätte, kann man sich leicht vorstellen.

Komposte sollten allerdings beispielsweise von der Gesellschaft für Qualitätssicherung Landbauliche Abfallverwertung (3) mit dem QLA-Qualitätszeichen oder von der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) (4) mit dem RAL-Gütezeichen Kompost zertifiziert sein. So können Anwender sicher sein, dass die Komposte den strengen Qualitätsvorgaben der Düngemittel- und der Bioabfallverordnung entsprechen. Die BGK bestätigt als von RAL anerkannte Organisation mit dem RAL-Gütezeichen Kompost beispielsweise, dass über die gesetzlichen Anforderungen hinaus auch Kriterien wie Fremdbesatz, pflanzenverfügbare Nährstoffe oder Rottegrad erfasst und angegeben werden. Damit ist die früher verbreitete Sorge vor Verunreinigungen über die Kompostdüngung heute unbegründet – wenngleich sich abzeichnet, dass Mikroplastikgehalte zu einem neuen Thema werden könnten.

Aufpassen müssen Anwender aber im Hinblick auf Anwendungszeitpunkte und Mengenbeschränkungen, die sich ggf. aus der Düngeverordnung oder der Bioabfallverordnung ergeben können. Nur für wenige Komposte mit einem Gesamtstickstoffgehalt von mehr als 1,5 Prozent in der Trockenmasse gibt es zwischen dem 15. Dezember und dem 15. Januar Ausbringungsbeschränkungen. Die Bioabfallverordnung setzt aber mit 20 bis 30 Tonnen Trockenmasse pro Hektar in drei Jahren eine klare Mengengrenze, die sich darüber hinaus entsprechend der Düngeverordnung am Bedarf der Kulturpflanzen orientieren muss. So können ein niedriges Ertragsniveau und eine hohe Versorgungsstufe bei Phosphor zu einer geringeren erlaubten Ausbringungsmenge führen.

Ein Blick auf die Inhaltsstoffe von Komposten zeigt schließlich, dass nicht nur die Humusanreicherung und die daraus resultierende Wasserspeicherfunktion für diese Form der organischen Düngung sprechen: Neben durchschnittlich 8,4 kg Stickstoff, 7,1 kg Kalium, 4,4 kg Magnesium, 4,0 kg Phosphat und 1,8 kg Schwefel enthält eine Tonne Kompost-Trockenmasse auch 26 kg basisch wirksame Stoffe. Mit dem Kompost werden damit nicht nur sehr preiswert Nährstoffe zugeführt, sondern gegebenenfalls lässt sich damit sogar eine Kalkung ersetzen. Es lohnt sich also nicht nur im Hinblick auf das nächste Dürrejahr, auf regionaler Ebene Preise, Verfügbarkeit und Lieferbedingungen zu prüfen und über einen regelmäßigen Kompost-Einsatz nachzudenken.

Davon profitiert auch die Umwelt: In den Böden ist dreimal mehr Kohlenstoff gebunden als in der Atmosphäre (6) - und die Humusversorgung von Ackerbauflächen damit nicht nur für die Fruchtbarkeit, das Wasserspeichervermögen und den Ertrag von großer Bedeutung, sondern als wichtige CO2-Senke auch für den Klimaschutz.

 

(1) https://www.vhe.de/ und https://www.kompost.de/startseite/
(2) https://www.vhe.de/fileadmin/vhe/pdfs/Publikationen/Sonderdrucke/2018/Agrarheute_2018_08_SD_Wasser_halten_mit_Kompost.pdf
(3) http://www.qla.de/
(4) https://www.kompost.de/startseite
(5) https://www.kompost.de/fileadmin/docs/Archiv/Humuswirtschaft/C-Sequestrierung_01_2_11.pdf

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 28. December