Kopf statt Körper

5. März 2018 13:18

Hightech im Kuhstall gehört auf vielen Milchviehbetrieben heute zum Alltag. Melkroboter, Spaltenreinigungsroboter, Roboter zum Futterschieben und Einstreuen, Pedometer – die Zahl der „dienstbaren Geister“ auf den landwirtschaftlichen Betrieben wächst. Gleichzeitig wächst auch die Flut der Daten, die von der Technik generiert werden. Was an körperlicher Arbeit entfällt, wird durch Kopfarbeit ersetzt.

Moderne Boxenlaufställe haben mit den Milchviehställen unserer Großeltern so gut wie nichts mehr gemein. Wo früher in Anbindehaltung von Hand gemolken, gefüttert und entmistet wurde, finden sich heute Liegeboxen, Laufgänge und teil- oder vollautomatische Melkanlagen sowie modernste Fütterungs- und Entmistungstechnik.

Für Laien wirkt das zum Teil so, als habe der Bauer den Kontakt zu den Tieren verloren und lasse sich durch „kalte Technik“ ersetzen. Die Situation auf den Betrieben ist allerdings eine andere, denn die Technik mit Herdenmanagementsystemen, mit der Erfassung der Tierbewegungen, der automatischen Milchanalyse beim Melkvorgang und der damit möglichen zuverlässigen Erkennung von Abweichungen durch den Computer ist nur die eine Seite der Medaille. Erst im Zusammenspiel mit dem Landwirt, seinem Wissen und seinem regelmäßigen Gang durch den Stall gelingt es, Tierwohl und Tiergesundheit heute besser im Blick zu halten als jemals zuvor.

Die innovative Technik im Stall ermögliche es ihm, die Bedürfnisse seiner Tiere zu erkennen und ihnen optimal zu entsprechen,

ist beispielsweise der Milchviehhalter Sebastian Bützler aus Bad Münstereifel in NRW überzeugt. Seine Kühe kommen von sich aus nicht nur morgens und abends, sondern im Durchschnitt und je nach Bedarf rund dreimal täglich zu den Melkrobotern. Für den Landwirt ist das ein Beleg für den guten Gesundheitszustand, für die gute Beweglichkeit, für die ausgewogene Zusammenstellung seiner Futterrationen und dafür, dass hier – anders als bei zwei starren Melkzeiten – die Bedürfnisse des Einzeltiers im Vordergrund stehen.

Die Daten, die über seine zwei Melkroboter gesammelt werden, geben dem Landwirt wichtige Einblicke in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Herde. Er sieht, wann ein Tier zum Melkroboter geht, wie viel Milch es gibt und wie hoch die Fett- und Eiweißgehalte sind. Genauso kann er die Keimzahl der Milch und damit den Gesundheitsstatus jeder einzelnen Kuh im Auge halten. Wie seine Berufskollegen verbringt auch Landwirt Bützler deshalb jeden Tag viel Zeit vor dem Computer und gleicht das, was die Daten ihm sagen, mit dem ab, was er selbst im Stall sieht. Er ist überzeugt, dass er so die Entscheidungen fällen kann, die für jedes einzelne Tier optimal sind. Die mit 11.300 kg Milch pro Tier und pro Jahr sehr hohen Leistungen geben ihm da wohl Recht. Allerdings habe sich im Lauf der Zeit mit „Kopf statt Körper“ sein Alltag doch deutlich verändert, schmunzelt Bützler.

Heute ist "Kopf statt Körper" gefragt!

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 05. März