Künstliche Intelligenz: Der Trend für 2019?

Jan. 25, 2019, 3:30 p.m.

Wenn es nach einer Expertenumfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft e. V. (BVDW) geht, wird Künstliche Intelligenz (KI) eines der Themen sein, die die Digitalbranche 2019 sehr nachhaltig beeinflussen werden. Für 45 Prozent der BVDW-intern befragten 247 Personen werden Künstliche Intelligenz und Datenschutzregulierung die wichtigsten Einflussfaktoren in der Branche sein1.

Der eco – Verband der Internetwirtschaft sieht das ähnlich: Der Vorsitzende von eco, Oliver Süme, ist laut einer Meldung der Wissens- und Technologieplattform CPS-HUB NRW davon überzeugt, „dass Künstliche Intelligenz weltweit das beherrschende Trendthema sein wird.“2 Allerdings müsse nun die Politik die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen, damit die in der Grundlagenforschung geschaffenen exzellenten Voraussetzungen jetzt auch zur praktischen Umsetzung gelangen könnten, so Süme.
Für den BVDW-Präsidenten Matthias Wahl ist Künstliche Intelligenz weitaus mehr als nur eine technische Neuerung, da sie als Basisinnovation den Nährboden für viele neue Geschäftsmodelle bieten könne. Interessant übrigens: Für fast ein Viertel der in der BVDW-Umfrage angesprochenen Personen war KI im Jahr 2018 das „mit Abstand am stärksten unterschätzte Thema“.1

Der Verband eco hat sich auch mit den Konsequenzen der Künstlichen Intelligenz für die Cybersicherheit befasst. Laut eco-Vorstand Prof. Norbert Pohlmann werden „Cybersicherheitssysteme, die Künstliche Intelligenz (KI) berücksichtigen, (…) in der Zukunft helfen, deutlich besser die intelligenten Hacker und deren Angriffe zu entdecken.“ Das helfe, die Risiken in dem bereits ablaufenden und weiter gewünschten Digitalisierungsprozess zu minimieren und so ggf. auch Schäden zu vermeiden. So könnten beispielsweise Angriffe im Netzwerk und in IT-Endgeräten wie Smartphones, Notebooks und Servern sowie im Internet der Dinge (IoT) mittels KI besser und schneller erkannt werden.3
Diese Meinung vertrat auch die Mehrheit der 541 Unternehmensentscheider, die Ende 2018 im Auftrag von eco in einer anderen Erhebung befragt wurden. Mit 72 Prozent stimmten knapp drei Viertel der Befragten der Aussage zu, dass Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen die für Cybersicherheit Verantwortlichen bei Routineaufgaben, wie der Bewertung von Sicherheitswarnungen, unterstützen könnten. 65 Prozent meinten, dass Methoden der KI bereits jetzt für die Abwehr von Cyberangriffen genutzt werden sollten, und 59 Prozent der Befragten gehen sogar davon aus, dass Cyberangriffe in den kommenden Jahren mittels KI sogar weitgehend autonom abgewehrt werden können.

Für Oliver Dehning, den Leiter der Kompetenzgruppe Sicherheit im eco – Verband, ist dies nur konsequent, denn KI-Methoden würden heute vermehrt schon aufseiten der Angreifer eingesetzt. Allerdings bremst Dehning gleichzeitig zu hohe Erwartungen: Künstliche Intelligenz erscheine derzeit vielfach als Wunderwaffe, aber es bleibe abzuwarten, inwieweit die hohen Erwartungen tatsächlich schon in 2019 in vollem Umfang erfüllt werden könnten.3

 

Trotz ein wenig gesunder Skepsis: Natürlich macht KI auch vor der Landwirtschaft nicht Halt!

 

Ein Beispiel ist das amerikanische Startup Iron Ox. Wie das Handelsblatt im Oktober letzten Jahres berichtete, hat das Unternehmen eine Modellfarm für Salat und Kräuter gebaut, die von Computern und zwei Robotern komplett autonom geführt wird. Mithilfe der Künstlichen Intelligenz soll die Landwirtschaft so langfristig nachhaltiger werden.4

So weit ist die landwirtschaftliche Praxis in Deutschland derzeit noch nicht. Allerdings gehen Experten am Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen davon aus, dass die starke Zunahme der „Rechen- und Speicherkapazität selbst kleiner dezentraler Geräte, aggregierte Rechnerleistungen im Cloud-Computing und leistungsfähigere Telekommunikationsnetzebereits in absehbarer Zeit in der Landwirtschaft erste Schritte in Richtung KI ermöglichen werden, auch wenn heutige digitale Systeme bislang nur zur Unterstützung menschlicher Entscheidungen dienten und auch nur in Teilbereichen autonom arbeiteten.

Professor Wolf Lorleberg von der FH Südwestfalen geht beispielsweise davon aus, dass der nächste Schritt nicht mehr lange auf sich warten lässt – mit Arbeitsgeräten, die durch „Maschinelles Lernen“ eigenständig Erfahrungen für definierte Teilprozesse generieren. Und nicht nur das: Die rasante Entwicklung lasse erwarten, dass in absehbarer Zeit Roboter und Anlagen in der Landwirtschaft bei mehr als nur Teilarbeiten autonom Entscheidungen treffen und durchführen würden – bis hin zur Landwirtschaft 5.0, einer Vernetzung von intelligenten Systemen zu autonom agierenden „Systemen von Systemen“5.

KI mag damit noch nicht der Trend in der diesjährigen Landwirtschaft sein – aber die Entwicklung ist auch hier absehbar.

Für eine Definition von KI siehe: https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/kuenstliche-intelligenz?interstitial

 

https://www.bvdw.org/fileadmin/bvdw/upload/bilder/pressemitteilungen/181219_BVDW_Themen2018_Trends2019.pdf
2 https://cps-hub-nrw.de/news/2019-01-04-bvdw-eco-trendthemen
https://www.eco.de/presse/das-sind-die-it-security-trends-2019/
https://app.handelsblatt.com/video/unternehmen/kuenstliche-intelligenz-zukunft-der-landwirtschaft-roboter-betreuen-komplett-autonome-farm-/23159332.html?ticket=ST-1635640-KNafVmfbMcx0sORKcemt-ap1
https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/landwirtschaft-steht-vor-neuer-entwicklungsstufe-bei-der-digitalisierung-9549559.html

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 25. January