Kriterien für Standards & Labels in der Lebensmittelbranche

15. Februar 2019 15:21

Artenvielfalt ist in aller Munde: Sie zu erhalten und zu fördern, haben sich viele Akteure auf die Fahnen geschrieben. Dazu gehört auch die European Business and Biodiversity Campaign (EBBC). Die EBBC will Unternehmen der Lebensmittelbranche dabei unterstützen, Biodiversität in ihr strategisches Management zu integrieren. „Die Kampagne bietet Nachhaltigkeitsbeauftragten und Entscheidungsträgern attraktive Möglichkeiten, sich über Methoden und Instrumente zu informieren, um Auswirkungen von Unternehmensaktivitäten auf die biologische Vielfalt zu bewerten“, heißt es etwa auf der Website.1

Die Kampagne wurde unter der Leitung des Global Nature Fund mit einer Reihe von Partnern im Jahr 2010 ins Leben gerufen und von dem EU-LIFE-Programm unterstützt. Sie beruft sich bei ihrem Arbeitsauftrag im Spannungsfeld von „Lebensmittelbranche und biologischer Vielfalt“ auf eine Studie des UN Umweltprogramms2, nach der die Lebensmittelsysteme („Food Systems“) u. a. für 60 % der globalen terrestrischen Biodiversitätsverluste verantwortlich seien.

Vor diesem Hintergrund zeigen sich die Initiatoren überzeugt, dass die Lebensmittelbranche mithilfe von Standards und Beschaffungsrichtlinien einen spürbaren Beitrag dazu leisten könne, den Rückgang der Biologischen Vielfalt zu bremsen. Hersteller und Handel würden von der Integration von Biodiversitätsaspekten in Beschaffungsstrategien profitieren, denn das schaffe „Möglichkeiten für die Abgrenzung am Markt und eine höhere Kundenzufriedenheit.3

 

Zu den Publikationen des EBBC zählen beispielsweise ein Positionspapier zur Gemeinsamen Agrarpolitik4, Biodiversity Fact Sheets etwa zu dem Anbau von Weizen, Zuckerüben, Gemüse, Kernobst, zu den Tierhaltungsthemen Milchproduktion und Viehzucht sowie „Empfehlungen für wirkungsvolle Kriterien zum Schutz der Biodiversität in Standards für die Lebensmittelbranche und Beschaffungsrichtlinien von Lebensmittelunternehmen“.5

 

Zugegeben, das ist die ganz persönliche Meinung des Autors, aber ist es nicht befremdlich, wenn Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft von außen – und mit tatkräftiger Unterstützung durch verschiedenste NGOs aus den Bereich Natur- und Umweltschutz – der Landwirtschaft vorgeben wollen, wie Biodiversität im landwirtschaftlichen Alltag zu fördern ist? Das wäre doch so, als wollten Landwirte dem Lebensmittelhandel erklären, wie Verkaufspräsentationen für maximale Kundenzufriedenheit auszusehen hätten.

Natürlich ist es generell positiv, wenn die Lebensmittelbranche ihre eigene Verantwortung erkennt. Im Grünland aber beispielsweise eine Verschiebung von Mahdzeitpunkten um mehrere Wochen zu fordern, ohne die dabei entstehenden Qualitäts- und Energieverluste im Futter auch nur mit einem Wort zu erwähnen, oder im Ackerbau reduzierte Bodenbearbeitung und Direktsaat zu propagieren, ohne dabei anzumerken, dass dies nur mit entsprechenden Herbiziden möglich ist, macht diese Herangehensweise fragwürdig. Würde die Lebensmittelbranche tatsächlich zu ihrer Verantwortung für die Biodiversität stehen wollen, dann müsste sie in allererster Linie über die gute fachliche Praxis hinausgehende Leistungen der Landwirte für mehr Biodiversität auch mit angemessenen Preisen honorieren.

Stattdessen heißt es – ohne jeden Hinweis auf eine faire finanzielle Kompensation – mit Blick auf die landwirtschaftlichen Betriebe:

Die größten Gefährdungen für Flora und Fauna sollen identifiziert und in einen Biodiversity Action Plan (BAP) einbezogen werden. Alle Maßnahmen müssen regelmäßig anhand von klarer Zielsetzung und Schlüsselindikatoren kontrolliert werden.3

Wer macht’s, wer zahlt’s?
Als wirklich verantwortungsvoll oder gar partnerschaftlich kann man die Vorgabe und Nutzung solcher Beschaffungsrichtlinien ohne finanzielle Honorierung wohl kaum bezeichnen.

 

https://www.business-biodiversity.eu/de/ueber-uns
http://www.resourcepanel.org/file/395/download?token=JqcqyisH
https://www.business-biodiversity.eu/de/easy-guide-biodiversitaet-in-standards
https://www.business-biodiversity.eu/de/position-paper-cap
https://www.business-biodiversity.eu/de/biodiversity-fact-sheets

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 15. Februar