Sichere Nährstoffkreisläufe – hochwertige Tiernahrung

17. August 2018 09:16

Lange hatten die Industriestaaten ein Problem: Die Müllkippen sind stumme Zeugen einer Wegwerfgesellschaft aus der „Wirtschaftswunderzeit“, in der die sparsame Nutzung natürlicher Ressourcen keinen großen Stellenwert hatte. Heute zeigen sich deutlich mehr Bestrebungen, mit einem sparsamen Ressourceneinsatz, Wiederverwendung und Nutzungskaskaden zu einer Kreislaufwirtschaft zu finden. Das bezieht auch die Nutztiere in der Landwirtschaft mit ein – und dazu gehört nicht nur der schon immer übliche Einsatz von Mist oder Gülle als Dünger für die Pflanzen. Der Kreislaufgedanke setzt bereits bei dem Futter der Tiere an.

Auch das ist nicht wirklich neu: Früher war es normal, dass etwa Küchenabfälle auf den Höfen über Schweine veredelt und im Nährstoffkreislauf gehalten wurden. Das ist in der professionellen Tierhaltung von heute wegen strenger Hygienevorschriften zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier nicht mehr erlaubt. Und trotzdem spielen heute unter anderem Lebensmittel und Nebenprodukte von deren Herstellung bei der Tiernahrung eine wichtige Rolle, und ihre Verwendung hat – im Vergleich zu den Speiseresten von früher – heute eine viel größere Bedeutung und Dimension (1).

Das gilt beispielsweise für Bruchkekse, die „eine Ecke ab“ haben, das gilt für falsch verpackte Produkte, und das gilt für vielfältigste Zwischenprodukte aus der Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe. Die Liste dieser Neben- und Koppelprodukte etwa aus der Herstellung von Lebensmitteln, die eine Brücke zwischen Human- und Tierernährung schlagen, ist lang. So werden Kleien und Nachmehle aus Mehlmühlen, Ölschrote und -kuchen aus Ölmühlen, Trockenschnitzel aus Zuckerfabriken, Molkeprodukte aus Molkereien oder auch Treber aus Brauereien usw. als Tierfutter genutzt (2). Diese Erzeugnisse besitzen einen Nährwert, eignen sich aufgrund ihres Geschmacks oder ihrer Konsistenz aber nicht direkt für die menschliche Ernährung. Über die Verfütterung und damit Veredlung zu Fleisch, Milch und Eiern bleiben ihre Nährstoffe aber in der Lebensmittelkette.

 

Dabei soll nach Möglichkeit nichts dem Zufall überlassen bleiben:

Futtermittel werden in Deutschland mit sogenannten risikoorientierten Kontrollsystemen geprüft. Angesichts von insgesamt rund 70 Mio. Tonnen Einzel- und Mischfuttermittel, die hierzulande jedes Jahr von Tieren gefressen werden, wird – wie auch bei Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr – nicht jede einzelne Partie auf unerwünschte Inhaltsstoffe wie Schwermetalle, Pilzgifte oder Dioxine kontrolliert. Vielmehr muss jeder sogenannte Inverkehrbringer von Einzel- und Mischfuttermitteln zunächst selbst dafür sorgen, dass seine Produkte „verkehrsfähig“ und sicher sind. Im Futtermittelwerk werden deshalb bei dem Wareneingang Stichproben von den Rohwaren gezogen und untersucht. Das erfolgt nach dem HACCP-System, einem Verfahren zur Gefahrenanalyse an kritischen Stellen während der Produktion. Damit soll sichergestellt werden, dass das fertige Futtermittel alle Grenzwerte und Qualitätsvorgaben einhält.

Dass die Futtermittelwirtschaft ihre Eigenkontrollen wirklich erfüllt, kontrollieren die Futtermittelüberwachungsbehörden der Bundesländer auf Grundlage von EU-Vorschriften. Darüber hinaus ist die Mischfutterindustrie ein fester Bestandteil der Lebensmittelkette im QS-System, kurz für „Qualität und Sicherheit“, das allen Herstellern ein Mindestmaß an Untersuchungen vorschreibt. Wenn bei einem sogenannten Futtermittelskandal in einzelnen Chargen unerwünschte Inhaltsstoffe nachgewiesen – was zweifellos nicht sein darf – dann werden diese Chargen aus dem Verkehr gezogen. Dass solche Skandale vergleichsweise selten vorkommen und in der Regel bis zum Verursacher zurückverfolgt werden können, lässt sich aber auch als Nachweis verstehen, dass die geltenden Kontroll- und Qualitätssicherungssysteme greifen.

 

(1) https://www.focus.de/wissen/mensch/tid-20966/futtermittel-was-unsere-nutztiere-fressen_aid_589214.html
(2) https://www.dvtiernahrung.de/aktuell/futterfakten/nebenprodukte-aus-der-lebensmittelherstellung.html

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 17. August