Milchpreise: Der Markt „schlägt durch“

13. April 2018 09:42

In der Vergangenheit ist der Milchpreis selten über längere Zeit stabil auf einer Höhe geblieben. Was sich aber seit etwa 2006/2007 auf dem Milchmarkt tut, kann mit „volatilen Preisen“ nur unzureichend beschrieben werden. Der Preis, den Landwirte für die Milch ihrer Kühe bekommen, zeigt in kurzen Zeiträumen sehr hohe Ausschläge – und auch aktuell nach einem Zwischenhoch wieder nach unten.

Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt haben auch in Deutschland deutliche Wirkung auf die Erzeugerpreise. Dazu tragen mit den politischen Rahmenbedingungen, etwa dem EU-Handelsembargo gegen Russland, mit Wetterkapriolen oder dem Angebotsverhalten der Landwirte viele unterschiedliche Faktoren bei. Auch der Lebensmitteleinzelhandel übt aufgrund der starken Konzentration auf wenige große Unternehmen einen starken Einfluss auf die Preisbildung in Deutschland aus, dem Landwirte und Molkereien bislang wenig entgegensetzen können.

 

Das Problem dabei:

Großen Preissprüngen und starken Änderungen bei der Nachfrage können die Milcherzeuger kaum kurzfristig begegnen. Planungen in Stallbauten, Melktechnik, Zucht und Aufbau der Herden sind mittel- bis langfristig angelegt – und lassen sich so nicht von heute auf morgen an aktuelle Trends auf dem Milchmarkt anpassen.

Oft wird kritisiert, dass Milcherzeuger bei sinkenden Preisen zum Teil die Produktion ausweiten, um so ihren Umsatz aufrechtzuhalten. Dieses inverse Angebotsverhalten habe dazu geführt, dass die abgelieferte Milchmenge beispielsweise in der zweiten Jahreshälfte 2015 bei rückläufigen Preisen deutlich über der Vorjahresmenge gelegen habe. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass viele Milcherzeuger bereits vor dem Auslaufen der Milchquote in neue Ställe investiert hatten. Zum Teil weit im Vorfeld getroffene Entscheidungen zeigten erst nach Auslaufen der Quote ihre Wirkung. Insbesondere im 2. Halbjahr 2016 waren die Anlieferungsmengen dagegen bei konstant niedrigen Milchpreisen wieder rückläufig.

 

Die Entwicklung der Milchpreise macht eines deutlich:

Was aus einzelbetrieblicher Sicht eine sinnvolle Entscheidung zur Produktionsausweitung sein kann, bedarf im Hinblick auf die gesamte Marktsituation einer differenzierteren Betrachtung.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 13. April