Denn sie wissen, was sie tun …

July 19, 2019, 3:05 p.m.

Ohne Präzision, Digitalisierung, das Sammeln und Auswerten von Daten – und das Ziehen der richtigen Schlüsse daraus – sind moderne Landwirtschaft und erst recht Landwirtschaft 4.0 nicht vorstellbar.

Ein Verfahren, das derzeit verstärkt Aufmerksamkeit findet, ist die Nahinfrarotspektroskopie, kurz NIRS. Sie eröffnet einen weiteren Schritt in Richtung auf die Landwirtschaft 4.0, mit dem gleichzeitig Vorgaben zur Dokumentation ausgebrachter Nährstoffe erfüllt werden können.

Schon vergangenen September berichtete agrarheute über die Nutzung einer entsprechenden Technologie von John Deere durch die Firma Fliegl. An deren Güllefässern kann ein Sensor integriert werden, der das Substrat auf die Gehalte von Gesamtstickstoff, Ammoniumstickstoff, Phosphor, Kalium und Trockensubstanzuntersucht1. Das funktioniert bei der Ausbringung von Rinder- und Schweinegülle genauso wie bei der Applikation von Substrat aus Biogasanlagen.

Die kontinuierliche Messung der Inhaltsstoffe ergibt im Zusammenspiel mit dem von Fliegl verbauten Durchflussmesser Flow-Control den präzisen Überblick über die pro Flächeneinheit ausgebrachte Menge und die darin enthaltenen Nährstoffe. Im Gegensatz zu der Nutzung von Werten aus Laboranalysen hat dieses System den Vorteil, dass ausgebrachte Mengen und deren Nährstoffgehalte unmittelbar und permanent gemessen und aufgezeichnet werden – und das ist deutlich präziser als die Dokumentation von durchschnittlichen Nährstoffgehalten.

»[…] über die Kombination mit Ertrags- und Düngekarten [kann die Ausbringungsmenge] sogar teilflächenspezifisch gestaltet werden […]«

Die Besonderheit bei einem solchen Ansatz: Dank der stetig gemessenen Nährstoffgehalte kann die Ausbringungsmenge pro Hektar genau bestimmt und über die Kombination mit Ertrags- und Düngekarten sogar teilflächenspezifisch gestaltet werden, indem die Fahrgeschwindigkeit von Traktor und Güllefass über Isobus Class III an die zu applizierende Menge angepasst wird. Gleichermaßen ist es möglich, den Düngewert von Gülle, die von einem auf einen anderen Betrieb abgegeben wird, so genau zu erfassen und zu dokumentieren.

Weitere Einsatzgebiete der NIRS-Technologie finden sich u. a. bei selbstfahrenden Feldhäckslern, die neben dem Trockensubstanzgehalt beispielsweise auch die Gehalte an Rohprotein, Stärke und Rohfaser messen können. Auch beim Mähdrusch eröffnet diese Technologie die Möglichkeit, Feuchte- und Nährstoffparameter zu überwachen, zu dokumentieren und auf dieser Basis Ertragskarten zu erstellen, die dann wieder für die gezielte, teilflächenspezifische Düngung herangezogen werden können. Dokumentationspflichten können zwar lästig sein – zugleich aber auch mit einem klaren Nutzen für Betrieb und Umwelt einhergehen.

 

1 https://www.agrarheute.com/technik/ackerbautechnik/wissen-guelle-steckt-neue-nir-messstation-fliegl-547354

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 19. July