Precision Livestock Farming

27. April 2018 13:19

Die Landwirtschaft sei in der digitalen Welt schon angekommen, stellt des BMEL auf seiner Website fest. Informatik und Elektronik gehörten beispielsweise beim Pflanzenschutz ebenso wie bei der Wettervorhersage zum landwirtschaftlichen Alltag, und intelligente Technologien oder Arbeitsprozesse seien auf Feld und Hof gleichermaßen gebräuchlich. Und das sei noch nicht das Ende…

In der Frage der weiteren Entwicklung stimmt Andreas Pelzer vom Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse dieser Ansicht zu. Die bisherige Umsetzung beurteilt der Experte allerdings etwas verhaltener. In seinem Beitrag anlässlich der Nutztierakademie von Bayer im Dezember des vergangenen Jahres beleuchtet er den Stand der Dinge und kommt zu der Einschätzung: „Auch wenn über 70% der Milchviehhalter die regelmäßige Milchleistungsprüfung in ihrer Herde durchführen lassen, fließen die daraus resultierenden Daten und Informationen auch heute noch nicht oder häufig zu wenig in die Produktionsprozesse und Entscheidungsroutinen ein.“

Bei seinem Blick auf das Spektrum der Möglichkeiten unterscheidet Pelzer bei den betrieblichen Daten solche mit Dokumentationsrelevanz, Entscheidungsrelevanz und Maßnahmenrelevanz. Erstere dienen im Wesentlichen dazu, Tierbestände einschließlich der hier ablaufenden Zu- und Abgänge zu dokumentieren; als Entscheidungsgrundlage haben solche Daten keinen nennenswerten Stellenwert. Ganz anders ist das laut Andreas Pelzer beispielsweise bei den Leistungsdaten von Milchkühen, die den Betriebsleitern dabei helfen, etwa im Rahmen der Weiterentwicklung ihrer Herden Entscheidungen zur zielgerichteten Anpaarung zu fällen. Die Daten mit Maßnahmenrelevanz seien dann schließlich solche, die für die Steuerung von Maßnahmen und Prozessen etwa bei dem Betrieb eines Melkroboters herangezogen würden – etwa zu der Frage, ob eine Kuh zum erneuten Melken zugelassen werden solle.

Damit sich der einzelne Betriebsleiter nicht in der Vielfalt der möglichen Daten verheddert, empfiehlt Andreas Pelzer einen ganzheitlichen Blick: Im Rahmen der Digitalisierung gehe es nämlich nicht nur darum, Daten zu generieren und zu bewerten, „sondern um die ganzheitliche Abbildung und Steuerung von Prozessen und Entscheidungen aufgrund festgelegter Algorithmen. Dazu müsse der Landwirt lernen, „die für seine Entscheidungen relevanten Daten von den weniger- oder nicht relevanten Daten zu unterscheiden.“

Und ein weiterer Punkt ist für Andreas Pelzer wichtig: Erst im Zusammenspiel der unterschiedlichen Blickwinkel von Landwirt, Berater und Tierarzt entstehe ein Bild der aktuellen Situation, das sich als wertvolles Managementwerkzeug nutzen lasse. Die Bündelung der fachspezifischen Sichtweisen biete große Vorteile – vorausgesetzt, die Daten seien gut aufbereitet und die relevanten Informationen auf den Punkt gebracht. Dann seien Mechanisierung, Automatisierung und Datenmanagement Grundsteine einer nachhaltigen Digitalisierung in der Milchviehhaltung. Mit Datenkompetenz, präventivem Management und Disziplin in den täglichen Routinen seien „Milchviehhalter für die Digitalisierung gut aufgestellt und in der Lage, ihre Kühe tiergerecht zu managen und erfolgreich zu wirtschaften“, lautet Pelzers Fazit.

Ein Problem auf dem Weg dahin scheint aber noch darin zu liegen, dass die vielfältigen verfügbaren Daten noch zu wenig in Beziehung zueinander und dann in konkrete Handlungsempfehlungen umgesetzt werden. Für den einzelnen Landwirt ist und bleibt es derzeit schwer, die enorme Datenflut selbst auszuwerten und optimal zu nutzen.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 27. April