Smart Speaker: Auch für Landwirte interessant

28. September 2018 09:29

Was vor kurzem noch wie Science Fiction anmutete, ist heute global gesehen schon fast 100 Millionen-fache Realität: Die Rede ist von Smart Speakern wie Alexa, Siri, Google Assistant, Alibaba und anderen. Sie verkaufen sich nach Aussagen des weltweit agierenden Spezialisten für Technologie-Kanäle und Smartphones, Canalys, wie „geschnitten Brot“.

Mehr als neun Millionen dieser Geräte wurden allein im ersten Quartal 2018 weltweit ausgeliefert. Dabei gelten die USA, China und Südkorea als die heißtesten Märkte (1), aber die Alltagshelfer sind inzwischen auch zunehmend in deutschen Haushalten zu finden.

Von den für Ende 2018 erwarteten 100 Millionen Smart Speakern weltweit werden etwa 50 % von Amazon stammen, 30% von Google Home-Hardware und mit dem HomePod rund vier Prozent von Apple. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich mit dem Kauf eines Smart Speakers auch das Verhalten von Handynutzern verändert.

Denn: Die Besitzer nutzen ihren Smart Speaker nicht nur zusätzlich, sondern zum Teil auch statt des Smartphones. Entsprechend die Nutzer von Smart Speakern angegeben, ihr Smartphone nun seltener für das Entertainment (64 %), das Online-Shopping (58 %) oder Suchen im Internet (56 %) zu verwenden. (2)

 

Dieses veränderte Nutzerverhalten gibt auch Hinweise darauf, wo und welche Anwendungen in einem ersten Schritt in der Landwirtschaft denkbar sind:

Wer etwa darauf setzt, dass ruhige Musik im Melkstand die Milchleistung steigert, kann einfach über einen Sprachbefehl die als stimulierend geltenden Klänge von Mozart, Bach oder Händel abrufen, ohne auf irgendwelchen Radio- oder Playerknöpfen herumdrücken zu müssen.

Denkbar ist ebenso das ganz einfache Abfragen – und das ist wörtlich zu nehmen – der aktuellen Wettermeldungen quasi im Vorbeigehen auf dem Weg von oder zu Mahlzeiten. Denkbar ist natürlich auch die Suche nach sonstigen Informationen und Produkten im Internet. Die Suchanfrage ist deutlich flotter gesprochen als über die Tastatur eingegeben und spart damit Zeit – gerade auch bei Recherchen und Preisvergleichen im Online-Handel.

Fachleute gehen deshalb davon aus, dass die Smart Speaker den Smartphones langfristig bei etlichen Anwendungen den Rang ablaufen werden. Das gilt besonders, wenn der heutige Funktionsumfang noch weiter ausgeweitet wird – und damit ist nach Expertenmeinung auf jeden Fall zu rechnen. Die Sprach-Assistenten werden dann eine direkte Kommunikation der Nutzer mit den Geräten ermöglichen und so auch den Blick auf das vergleichsweise kleine Smartphone-Display durch den Blick auf vernetzte große Bildschirme ersetzen.

Anrufe annehmen, Prozesse in Haus und Hof aktivieren und steuern, recherchieren, bestellen, kaufen – die schöne neue Smart Speaker Weltverheißt nicht zuletzt, bei aller Aktivität die Hände „für die wirklich wichtigen Dinge“ frei zu behalten.

 

Wie alles Schöne haben aber auch die Smart Speaker ihre Kehrseite:

Bei dem Thema Datensicherheit scheiden sich die Geister. Denn: Geräte wie Alexa speichern die Tonaufnahmen der Sprachbefehle – und ggf. auch das, was sonst bei aktiviertem Gerät in einem Raum gesprochen wird – auf Servern, die bei den entsprechenden Unternehmen stehen. Was dort dann mit den aufgezeichneten Daten passiert oder an wen sie gegebenenfalls weitergegeben werden, bleibt im Dunkeln.

Und dass bei den Smart Speakern auch mal etwas schief gehen kann, scheint ein Fall aus den USA zu belegen, bei dem ein Gerät offenbar die private Unterhaltung eines Ehepaars „missinterpretierte“ und den vertraulichen Dialog in der Folge an ein befreundetes Ehepaar versandte. (3) Und noch ein Hindernis gibt es: Ohne einen flächendeckenden Netzausbau bleiben die Smart Speaker in der Landwirtschaft vorerst wohl nur eine nette Idee …

In der Konsequenz muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden, ob es passt, ob sie oder er mit der Zeit gehen und auch diese moderne Technik zu ihrem oder seinem Vorteil nutzen möchte – oder eher nicht. Wer sie nutzt, sollte sich über mögliche Sicherheitslücken – und entsprechende Gegenmaßnahmen – informieren. Tipps gibt es dazu beispielsweise bei Infopoint Security. (4) Bei Licht betrachtet dürften aber diejenigen, die hier entscheidende Sicherheitsbedenken haben, auch kein Smartphone benutzen und keine unverschlüsselte E-Mail versenden.

 

(1) https://www.canalys.com/newsroom/google-beats-amazon-to-first-place-in-smart-speaker-market
(2) https://www.googlewatchblog.de/2018/01/marktforscher-google-home-amazon/
(3) https://www.recode.net/2018/5/24/17391480/amazon-alexa-woman-secret-recording-echo-explanation
(4) https://www.infopoint-security.de/wie-sicher-sind-sprachaktivierte-intelligente-lautsprecher/a13393/

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 28. September