Spot Farming: Mit kleiner Technik Landwirtschaft verändern

20. Juli 2018 10:35

Zugegeben – es ist noch Zukunftsmusik: Miniroboter wuseln über das Feld und kümmern sich um einzelne Pflanzen. Was derzeit noch wie Science Fiction klingt, hat das Potenzial, die Landwirtschaft grundlegend zu verändern – und das weit über ein Plus an Präzision hinaus.

GPS-gesteuert, im Schwarm, autonom – und vor allem klein und leicht: So könnte Landtechnik in Zukunft in den Feldern unterwegs sein. Das würde nicht nur einen Kontrapunkt zu dem bis heute erkennbaren Trend zu immer größeren, immer leistungsfähigeren und damit auch immer schwereren Maschinen setzen. Die Überlegung der Wissenschaftler an Julius-Kühn-Institut (JKI), Thünen Institut und dem Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge der Technischen Universität Braunschweig (1) gehen dahin, mit der Abkehr von dem bisherigen Wachstums-Trend bei der Landtechnik zugleich auch bei Feldgrößen und Kulturartenmosaik „neue alte“ Möglichkeiten zu eröffnen.

In der Vergangenheit war größer, breiter, schneller in der Landtechnik zumeist gleichbedeutend mit höherer Produktivität und mehr Effizienz. Zunehmend wird aber erkennbar, dass dies an ökonomische, ökologische und auch gesellschaftliche Grenzen stößt. Der gegenläufige Trend, der sich jetzt für die Landtechnik abzuzeichnen beginnt, vollzieht sich auch in anderen Bereichen, in denen etwa kleine Startups mit neuen Ideen und Konzepten erfolgreich gegen große etablierte Strukturen antreten.

Wenn einerseits in der Agrarbranche weitgehender Konsens besteht, dass zur Versorgung einer immer noch weiter wachsenden Weltbevölkerung eine nachhaltige Intensivierung erforderlich ist, andererseits aber die bislang verfolgten Strategien erkennbar ausgereizt sind, müssen wohl das Gesamtsystem Pflanzenbau wie auch dessen verfahrenstechnische Ausgestaltung auf den Prüfstand gestellt werden. Und genau da setzen die an diesem Gemeinschaftsvorhaben beteiligten Wissenschaftler an.

 

Zunächst stehen die Grundansprüche der Kulturpflanzen im Vordergrund, bei deren Erfüllung auch übergeordnete rechtliche Anforderungen und Restriktionen zu berücksichtigen sind, die sich etwa aus dem Schutz des Bodens oder dem bedarfsgerechten Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ergeben. Auf dieser Basis können dann erforderliche Verfahrenstechniken für eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung abgeleitet werden. Eine solche spezifische Bewirtschaftung kleinerer Teilflächen, die sich bei der heutigen Landtechnik etwa im Bereich der sensorgesteuerten Stickstoffversorgung bereits abzeichnet, steht im krassen Gegensatz zu der ansonsten bislang üblichen Praxis, die zu einer weitgehend gleichförmigen Bewirtschaftung immer größerer Schläge geführt hat. Der neue Ansatz ermöglicht demgegenüber eine kleinräumige und zeitliche Diversifikation von Anbausystemen, bei denen Randstrukturen und Habitate einbezogen und in größerem Umfang als heute gestaltet und erhalten werden können.

 

Spot Farming bedeutet also – ähnlich wie der digitale Agrarhandel 4.0 – eine deutlich gezieltere Herangehensweise: Während in dem einen Fall der Kunde nicht über vier Stockwerke mit allerlei Waren konfrontiert wird, die er gerade nicht braucht, sondern spezifische Angebote zu seinem jeweils angefragten Bedarf erhält, soll bei dem Spot Farming im Extrem jede einzelne Pflanzen bedarfsgerecht mit Nährstoffen und Pflanzenschutz versorgt werden.

Die zugrundeliegende Idee ist überzeugend:

Die Aufteilung jedes einzelnen Schlags in unterschiedliche Spots, in denen die Boden- und Standorteigenschaften jeweils weitgehend homogen sind, und die Bewirtschaftung dieser Spots mit kleinerer Technik sowie entsprechenden Kulturpflanzen und Fruchtfolgen. So könnten Spots mit hoher Produktivität laut den Wissenschaftlern beispielsweise mit der Kulturfolge Zuckerrübe – Winterweizen – Mais – Winterweizen und solche mit geringerer Produktivität mit Raps – Roggen – Mais – Roggen bestellt werden. Areale mit sehr geringer Produktivität ließen sich dagegen problemlos und ohne Effizienzverluste aussparen und als Pufferzonen oder Landschaftselemente gestalten. Eine solche teilflächenspezifisch nachhaltige Intensivierung könnte bei deutlich gesteigerter Effizienz mit mehr Bodenschutz und einem abwechslungsreicheren Landschaftsbild einhergehen.

Für weitere Informationen finden Sie auf YouTube einen Beitrag des Julius-Kühn-Institut: 
https://www.youtube.com/watch?time_continue=4&v=IyWn8c2qmtQ

 

(1) https://www.landtechnik-online.eu/ojs-2.4.5/index.php/landtechnik/article/view/3156/5021

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 20. Juli