Mit dem „Taser“ gegen Unkraut?

14. September 2018 10:30

Ok, ok – es ist kein Gerät der früheren Firma TASER International, und es ist auch keine pistolenähnliche Elektroimpulswaffe, die von dem Aachener Unternehmen zasso GmbH (1) kürzlich vorgestellt wurde. Electroherb steht stattdessen für ein neues elektrisches Verfahren zur Unkrautbekämpfung, gewissermaßen für ein „elektronisches Totalherbizid“ – nur eben ganz ohne Chemie.

Über einen Generator in der Dreipunkthydraulik am Traktorheck wird bei dieser Neuentwicklung elektrische Energie erzeugt. Diese gelangt über ein Kabel zu einem Gerät in der Fronthydraulik des Traktors, wo der Strom über die schmalen Metallstreifen der vorderen „Applikatorreihe“ auf die Pflanzen gelangt. Über eine zweite Reihe solcher Metallstreifen wird der Strom zurückgeleitet und der Stromkreis geschlossen.

Durch den Kontakt mit den Strom führenden Metallstreifen und dem daraus resultierenden Stromfluss durch die Pflanze wird diese nach Angaben des Herstellers abgetötet. Die etwa 0,1 bis 0,3 Sekunden dauernde Einwirkung des Stroms führt zu der Zerstörung der Zellwände – in Demonstrationsversuchen schon kurz nach der Anwendung etwa daran zu erkennen, dass Zellsaft austritt und sich die betroffenen Pflanzen verfärben. Die behandelten Pflanzen hätten ähnlich ausgesehen wie die Blätter von blanchiertem Gemüse, berichtet der Journalist Beat Schmid, der in der Schweiz an einer Vorführung des Electroherb teilgenommen hat.

Da durch die Einwirkung des Stroms auch die Leitbahnen für Wasser und Nährstoffe in der Pflanze beeinträchtigt werden, trocken die betroffenen Pflanzenteile aus und die Pflanzen sterben ab. Von der Bekämpfung sind nicht nur die oberirdischen Pflanzenteile betroffen, sondern die Hochspannungstechnologie erreicht auch die viel wichtigeren Wurzeln und soll so einen möglichen Wiederaustrieb der Pflanzen verhindern. Besonders interessant dabei: Wind, Niederschlag oder Feuchtigkeit auf den Pflanzenteilen spielen für den Behandlungserfolg keine Rolle.

 

Electroherb ist derzeit noch in der Erprobungsphase, aber laut Hersteller spricht eine ganze Reihe guter Gründe dafür, die bislang etablierten Pfade der Unkrautbekämpfung zu verlassen und auf neue Methoden zu setzen. So führt das Unternehmen beispielsweise an, dass Unkraut mehr als 10 Prozent aller Ertragseinbußen verursache, in starker Konkurrenz mit den Jungpflanzen der angebauten Kultur stehe, eine mechanische Unkrautbekämpfung zu Bodenerosion führen könne – und Herbizide über Abtrift in andere Bereiche eingetragen werden und über Rückstände zu möglichen Gesundheitsrisiken führen könnten.

Laut Hersteller wird eine Reihen- oder Streifenbehandlung ebenso möglich sein wie eine Anpassung der Stromstärke an unterschiedliche Pflanzenbestände. Auch die mit derzeit 3 bis 6 km/h zum Teil noch recht langsameArbeitsgeschwindigkeit soll im Zug der weiteren Entwicklung erhöht werden. Für Anwender, Umstehende und Passanten gehe von diesem System keinerlei Gefährdung aus betont der Hersteller. Zu bedenken ist allerdings, dass der 80 kW-Generator im Traktorheck allein schon eine entsprechende Leistung an der Zapfwelle des Traktors benötigt.

Die Neuentwicklung scheint aber unter anderem angesichts der Diskussion um die Zulassung und Nutzung von Herbiziden auf jeden Fall interessant genug, um sie weiter zu verfolgen.

 

(1) https://zasso.eu/de/technologien-zur-digitalen-unkrautbekaempfung/

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 14. September