Der Newcomer Terra Preta – Was ist dran?

July 26, 2019, 3:25 p.m.

Eine Reaktion auf den letzten Beitrag unserer Humusreihe gab uns den Anlass, das Wirkungsmodell der Terra-Preta-Anwendung als weitere Möglichkeit zum Humusaufbau genauer unter die Lupe zu nehmen.

Befürworter glauben, mit ihr die Bodenfruchtbarkeit – im Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft – erstmalig dauerhaft und ohne ergänzende Mineraldüngung erhalten zu können. Wir machten uns auf die Suche nach Fakten, die die Wirkung von Terra Preta belegen.

Was ist überhaupt Terra Preta und was kann sie?

Terra Preta ist eine Schwarzerde der Indios aus Amazonien, die durch mikrobiologische Umwandlung organischer Abfälle (Pflanzenreste, Wirtschaftsdünger, Küchenabfälle, etc.) unter Zusatz von Tonmehl und zehn bis 20 Prozent Holzkohle hergestellt wird. Mit ihr soll der Humusgehalt des Bodens dauerhaft auf einem hohen Niveau aufrechterhalten und damit alle bodenphysikalischen Parameter wie Porenvolumen, Krümelstabilität, Wasserhaltevermögen, vor allem aber das Bodenleben, optimiert werden1.

Der Terra Preta werden weitere positive Eigenschaften nachgesagt. Neben ihrem Nährstoffreichtum, soll sie eine gute Düngewirksamkeit haben, durch die sich eine ergänzende Mineraldüngung erübrigt, und gleichzeitig die Auswaschung von Nährstoffen durch die Bindung an die Holzkohle verhindern. Hinzu kommt die Möglichkeit, mit Holzkohle im Boden Kohlenstoff zu speichern und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Leider sind bisher hierzu kaum belastbare Ergebnisse bekannt geworden, die die – teilweise euphorischen – Einschätzungen belegen. Nur wenige Wissenschaftler, wie Prof. Glaser, Universität Halle, haben mit ersten Feldversuchen begonnen, mit denen die offenen Fragen für eine künftige landwirtschaftliche Anwendung der Terra Preta beantwortet werden sollen2.

Bestandaufnahme

Eine Bestandaufnahme anhand aktueller Erfahrungen ergibt: Aus fachlicher Sicht muss das Terra-Preta-Verfahren erst noch zeigen, dass es die Bodenfruchtbarkeit nachhaltiger fördern kann als herkömmliche Verfahren. Wissenschaftler wie Kluge und Reinhold3, die sich seit vielen Jahren mit Düngung und Bodenfruchtbarkeiten beschäftigen und eine etwaige Bestandaufnahme zum Terra Preta erhoben haben, lehnen den Ansatz vorerst ab und ziehen weiterhin bewährte Verfahren zur Humusversorgung von Böden vor. „Dazu zählen die Fruchtfolge-Rotationen, der Zwischenfruchtanbau und der Einsatz organischer Dünger (Wirtschaftsdünger, Kompost, Stroh)“, so die beiden Wissenschaftler.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes „TerraBoGa“ der Arbeitsgruppe Geoökologie an der FU Berlin sind hingegen - zwar vorerst nun im Gartenbau - aber vielversprechend. Die Zugabe von Biokohle bei der Kompostierung führte dort zu einer Verbesserung des Kompostierprozesses (z.B. Feuchte, Geruch, Substratstruktur, Feuchtrohdichte, verringerte Treibhausgasemissionen) und gleichzeitig zu einer reduzierten Auswaschung von Nitrat, Phosphor und Kalium4.

Faktencheck

Ein Faktencheck5 zur Anwendung des Terra-Preta-Verfahrens besonders in der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion von Kluge, Reinhold und Breitschuh (2013) zeigt jedoch, dass noch eine Reihe von Fragen geklärt werden müssen, bevor man an eine Einführung des Terra-Preta-Verfahrens in die Landwirtschaft denken könnte. Noch nicht bewiesen sind vor allem solche Voraussagen, die eine deutliche Überlegenheit des Terra Pretas in der praktischen Pflanzenproduktion im Vergleich zu konventioneller Bewirtschaftung in Aussicht stellen.

Sollte das Terra-Preta-Verfahren irgendwann seine fachliche Überlegenheit schlüssig belegen können, ist als zweiter Schritt eine ökonomische Prüfung von Interesse. Auch hier zeigen sich die Chancen zur Einführung von Terra Preta im Ackerbau laut Kluge, Reinhold und Breitschuh (2013) bisher relativ gering, solange die Kosten, vor allem für die Bereitstellung der Holzkohle, nicht deutlich sinken. Daran ändere auch die Eigenherstellung von Holzkohle nur wenig, denn handelsübliche Anlagen erfordern hohe Investitionen. Sogenannte PYREG-Verfahren beispielsweise kosten ungefähr 300.000 Euro in der Anschaffung.

 

1 Dr. Jürgen Reckin „Terra Preta, die legendäre Schwarzerde der Indios von Amazonien“, in: Natürlich gärtnern & anders leben (2012), Organischer Landbau Verlag, 11 Seiten.
2 http://www.ahabc.de/terra-preta-oder-anthrosole-und-pflanzenkohlesubstrate/
3 in Anlehnung an den Vortrag der beiden Autoren „Terra Preta – was ist dran? Eine Bestandsaufnahme“, gemeinsame Fachtagung von Gütegemeinschaft Kompost BBS und Förderverband Humus am 25.01.2013 auf der Internationalen Grünen Woche Berlin
4 https://terraboga.de/
5 http://files.agrarfakten.webnode.com/200000044-98ee599e7d/AF%20Terra%20Preta%2039%20GB%20RK%20270913.pdf

Autor Anna Bouten
2019 26. July