Kartoffeln: Neues für die "tolle Knolle"

4. Mai 2018 11:22

Rund 250.500 Hektar wurden im Jahr 2017 in Deutschland mit Kartoffeln bestellt. Klarer Spitzenreiter bei den Bundesländern war Niedersachsen: Hier wuchs die Kartoffel auf 112.300 Hektar, gefolgt von Bayern mit 41.700 und Nordrhein-Westfalen mit 31.100 Hektar. Der Anbau erfolgt bereits hoch spezialisiert, mechanisiert und rationalisiert – und bietet doch immer noch Raum für Neuerungen.

Bei der Erzeugung von Speisekartoffeln liegt ein besonderes Augenmerk auf dem Anteil der vermarktungsfähigen Ware in der Normalsortierung, also in der Größe zwischen 40 und 60 mm. Untersuchungen von Reckleben und Schulz (1) haben gezeigt, dass eine an die jeweiligen Bodeneigenschaften angepasste Ablageweite hilft, einen hohen Anteil an Knollen in dieser Größe zu erreichen. Während auf schwereren Teilflächen die besten Ergebnisse mit einer Ablageweite von 27,5 cm erreicht wurden, erwiesen sich auf den mittleren 24,5 cm und auf den leichteren Teilflächen 31,5 cm als optimal. Auch wenn für variable Ablageabstände ggf. Investitionen in neue Technik erforderlich sind und bei engerer Ablage höhere Pflanzgutkosten entstehen: die Autoren zeigen sich überzeugt, dass ein solcher Ansatz wirtschaftlich lohnend ist.

Für Erken Block von der Firma Grimme besteht ein interessanter Ansatz in der mineralischen Unterfußdüngung beim Legen der Kartoffeln. Damit ließen sich nicht nur Untergrößen reduzieren, sondern auch positive Ertragseffekte erzielen. Fünf bis acht Prozent mehr Ertrag seien möglich, wenn ein mineralisches Unterfußband auf lehmigen Standorten bzw. zwei Düngebänder jeweils links und rechts unter den Knollen auf leichteren Standorten angelegt würden. Nach seiner Aussage kann eine organische Unterfußdüngung mit einer „Güllewurst“ dagegen nur auf leichten Standorten mit bis zu zehn Prozent Mehrertrag überzeugen.

Dr. Rupert Geischeder von Ropa sieht bei der – insgesamt sehr weit verbreiteten – Eigenmechanisierung bei der Kartoffelernte einen zunehmenden Trend zu zweireihigen gezogenen Bunkerrodern. Das berichtete er in diesem Jahr anlässlich der DLG Fachtagung „Technik für den Hackfruchtanbau“. Aber auch der Abfuhrlogistik, so war bei der Veranstaltung zu hören, wird zukünftig verstärkte Beachtung zukommen, etwa mit Blick auf Feldrandmieten oder mobile Überladestationen. Im Hinblick auf die Optimierung der Prozessschritte im Feld werden in der Branche auch Möglichkeiten diskutiert, mit leistungsfähigen Fahrerassistenzsystemen auch weiter bei dem „Faktor Mensch“ anzusetzen.

Langfristig – und weit über den Anbau der „tollen Knolle“ hinaus – stellen sich Experten allerdings die Frage, ob der Trend zu immer größeren Maschinen, weiter zunehmenden Arbeitsbreiten und entsprechend wachsenden Maschinengewichten anhalten wird. Zunehmend ist nämlich ein neuer Trend zu kleineren, (teil-)autonomen Maschinen und Maschinenverbänden erkennbar, bei denen auch der Robotik eine wachsende Bedeutung zukommen wird.

(1) Reckleben, Y., und Schulz, S., 2014: Teilflächenspezifisches Kartoffelpflanzen durch eine GPS-gestützte Pflanzgutablage. Landtechnik 69(4), S. 190-195.

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 04. Mai