Tudder: „Kuh-Dating“ mit mobiler App!

March 22, 2019, 3:07 p.m.

Was man für die Zielgruppe menschlicher Singles kennt, kommt jetzt auch für englische Kühe zum Einsatz.

Die Rede ist von einer App, die der im September 2012 gegründeten Mobile-Dating-App Tinder nicht unähnlich ist. Der Ursprung dieser Tudder genannten neuen Anwendung für den „Fleischmarkt“, die etwa in Apples Appstore zu finden ist, liegt bei dem britischen Agrarunternehmen Hectare.

Obwohl diese „Dating-Platform“ noch sehr jung ist, umfasst sie bereits die Profile von Tieren aus rund 42.000 britischen Betrieben. Die Betreiber haben diese App nämlich kurzerhand mit der bereits 2014 gegründeten Website „SellMyLive-stock“1 verknüpft – und konnten so gleich zu Beginn schon mit einer vergleichsweise großen „Interessentendatei“ starten. Doug Bairner, CEO von Hectare, macht vor diesem Hintergrund klar, dass das neue Angebot keineswegs nur als Scherz rund um den Valentinstag gemeint sei.

 

tudder-app
©iTunes/Tudder

 

Selbst wenn ein gewisser Spaßfaktor dabei nicht zu leugnen ist: Dieser Ansatz hat einen klaren wirtschaftlichen Hintergrund. Denn: Hectare betreibt neben dem SellMyLivestock-Portal auch den Online Getreidehandelsplatz Graindex2 und verfolgt damit – ganz wie Agrando – das Ziel, „den Agrarhandel neu zu erfinden – und das Leben der Landwirte zu erleichtern.“

»Das tierische „Paarshippen“ oder „Tindern“ verläuft natürlich etwas anders als die menschliche Variante.«

Die Datenprofile helfen vielmehr den Landwirten und Züchtern, passende Anpaarungspartner zu finden. Dazu stellt die App die Profile mit Bildern sowie Informationen bereit. Dazu gehören zum Beispiel Angaben zu Alter, dem Ort, wo die Tiere gehalten werden, Familienstammbaum und Fruchtbarkeit.3 Wischt der Nutzer nach rechts, erhält er die Kontaktdaten des entsprechenden Tierhalters. Wischt er aber nach links, dann wird es wohl mit dieser Anpaarung nichts werden …

 

Die digitalen Angebote wie Graindex, SellMyLivestock und jetzt Tudder stoßen in der landwirtschaftlichen Praxis auf erkennbares Interesse. Nach Angaben der Betreiber hat seit der Freischaltung im Juni 2014 bereits jeder dritte britische Betrieb die Seite SellMyLivestock für den Tierhandel genutzt. Und laut der britischen BBC präsentierten sich schon am ersten Montag „Walisische Schwarzvieh-Kühe von einem Bauernhof in Conwy, Holstein-Friesian-Färsen aus der irischen Grafschaft Cork sowie Fleckvieh-Färsen aus Oxfordshire auf Tudder“.4

SellMyLivestock, das ähnlich funktioniert wie eBay, soll laut Dan Luff, Viehzüchter und Mitbegründer der Website, ihm und anderen Landwirten Geld sparen. Nutztierauktionen würden wohl immer ihren Platz in der Landwirtschaft haben, „wir bieten den Landwirten nur eine moderne Alternative“, so Dan Luff.5

 

1 https://www.sellmylivestock.co.uk/
2 https://www.graindex.com/
https://www.agrarheute.com/land-leben/tinder-fuer-rinder-app-tudder-perfekte-paarung-finden-551624
https://www.bbc.com/news/business-47200686
5https://www.bbc.com/news/av/business-27732700/uk-farmers-launch-livestock-auction-website

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2019 22. March