More crop per drop: So steigern Sie die Wassereffizienz

Jan. 21, 2020, 11:30 a.m.

In den Jahren 2018 und 2019 war Wasser in vielen Regionen Deutschlands der ertragsbegrenzende Faktor. Laut Klimaprognosen soll die Dürregefahr in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen. Grund genug sich zu überlegen, wie man mit der begrenzten Ressource Wasser möglichst effizient umgeht. Hier finden Sie eine Reihe an ackerbaulichen Maßnahmen zur Steigerung der Wassereffizienz.

 

Der Kampf um das Wasser ist längst nicht mehr nur ein Thema für dürregeplagte Länder in weiter Ferne. Auch in Deutschland wollen immer mehr Landwirte und Gärtner über einen eigenen Brunnen Zugang zum Wasser. Bei den zuständigen Behörden gehen immer mehr Anträge ein. 

 

Ab 50 Prozent wird es kritisch

Denn wenn der Wassergehalt der Böden unter 50 Prozent der nutzbaren Feldkapazität absinkt, geraten die Pflanzen in Trockenstress. Ertragsrückgänge sind die Folge. Die Kosten für Brunnenbau, Maschinen, Energie und Arbeit lohnen sich im Normalfall für Anbauer von Sonderkulturen wie Gemüse oder Kartoffeln. Landwirte, die Getreide, Zuckerrüben, Mais oder Leguminosen beregnen wollen, sollten sehr genau rechnen.

 

Wassereffizienz steigern: Möglichkeiten für Landwirte

Die Gefahr von Missernten können Landwirte aber auch ohne Beregnung zumindest verringern. Hierzu bieten sich eine Reihe von vorbeugenden ackerbaulichen Maßnahmen an.

 

Unproduktive Verdunstung verringern

Stroh- oder Mulchauflagen mit abgestorbenen Gründüngungspflanzen verringern die Verdunstung zwischen Ernte und Aussaat der Hauptkulturen. 

Die Zahl und Intensität der Bodenbearbeitungsmaßnahmen so weit wie möglich verringern. Pflügen kostet mehr Wasser als tiefes Grubbern.

Den Boden zeitnah vor dem Saattermin saatfertig machen.

Konservierende Saatverfahren wenn möglich bevorzugen.

Wasserverbrauchendes Unkraut durch Herbizide statt durch mechanische Bodenbearbeitung bekämpfen. 

 

Kulturauswahl

Verstärkt Kulturen anbauen, die die Winterfeuchtigkeit durch ihre frühere Abreife besser ausnutzen. Beispiel: Wintergerste statt Winterweizen.

Verstärkt frühreife Sorten auswählen.

Auf den Wasserbedarf der Kultur achten: Mais benötigt als C4-Pflanze nur etwa zwei Drittel des Wassers, das Weizen für die gleiche Erntemenge braucht.

 

Kulturen optimal pflegen

Kranke Pflanzen und Pflanzen mit Nährstoffmangel (Kali, Spurenelemente) sind nicht so wassereffizient wie gesunde und optimal ernährte Pflanzen. 

Stickstoffspätdüngung im Getreide vorziehen, gegebenenfalls stabilisierte Dünger verwenden.

Zu üppige Bestände vermeiden.

Vorsicht mit Wachstumsreglern im Getreide in Trockenphasen.

Es gilt, möglichst alle wachstumsbeeinflussenden Größen ins Optimum zu bringen.

 

Bessere Bodenfruchtbarkeit, mehr Wasserreserven

Speicherfähigkeit erhöhen: Humusreichere Böden halten mehr Wasser in den Mittelporen. Durch regelmäßige Zufuhr von Kompost, Champost oder Stroh kann der Humusgehalt deutlich ansteigen. 1 Prozent Humus mehr bedeutet zusätzlich etwa 40 Liter Wasserspeicherung pro Quadratmeter. 

Regenwürmer mögen Humus. Sie fördern mit ihren Gängen die Infiltration des Wassers in den Boden. Dadurch fließt bei Starkregen weniger Wasser nutzlos oberflächig ab. 

Durchwurzelung fördern, Bodenverdichtungen vermeiden. Wichtig sind außerdem tiefgründige Böden ohne Verdichtungen. Sie ermöglichen ein besseres Wurzelwachstum. Die Pflanzen können vorhandene Wasserreserven zum Teil mehrere Meter tief erschließen.

Wurzeln brauchen Kontakt zum Boden, um Wasser aufzunehmen. Anwalzen hilft, zum Beispiel nach der Saat oder wenn Getreidebestände im Winter hochgefroren sind.

 

Zukunftshoffnung Züchtung

Im Ausland sind bereits im großen Maßstab gentechnisch veränderte Mais-, Sojabohnen und Zuckerrohrsorten Kulturen im Anbau, die bei Trockenheit noch akzeptable Erträge bringen. Mit den in Deutschland erlaubten klassischen Züchtungsverfahren ist der Weg dahin ein aufwändigeres Unterfangen. Es gibt aber bereits Sorten, die mit Wassermangel besser zurechtkommen als andere. Eine ideale Getreidesorte ist frühreif, standfest (kein Wachstumsregler erforderlich), resistent gegen Halmbasis- und Blattkrankheiten sowie mit einer dicken Wachsschicht und einem sehr kräftigen Wurzelsystem ausgestattet. 

 

Quellen und Informationen zum Weiterlesen:

10 Fakten zum Wasserverbrauch in der Landwirtschaft (agrarheute)

Forschungsziel: Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen (transparenz Gentechnik) 

Klimawandel und Landwirtschaft in NRW (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen)

Dürre: Bewässerung lohnt nur bei hohen Preisen (agrarheute) 

Kosten für eine Beregnung von 200 ha über eine Zeit von 30 Jahren (Landwirtschaftskammer Niedersachsen)

Autor Matthias Wiedenau
2020 21. January