Nach der Quote: Was tut sich bei der Zuckerrübe?

25. Mai 2018 10:33

Der 1. Oktober 2017 markiert das Ende einer Ära: Weite Teile der bisherigen Zuckermarktordnung sind entfallen. Damit muss sich nun auch die Königin der Feldfrüchte dem Wettbewerb auf einem weitgehend freien Weltmarkt für Zucker stellen. Aber nicht nur das ist Neuland für Anbauer und Zuckerwirtschaft, denn das im April 2018 von der EU-Kommission beschlossene Neonicotinoid-Verbot im Freiland und das auf absehbare Zeit drohende Aus für Glyphosat verheißen neue Probleme.

Die Vermarktung des in Deutschland und Europa erzeugten Rübenzuckers hat in Saison eins nach dem Wegfall der Quote mit einem Paukenschlag begonnen: In Deutschland wurde zum Teil das Rekordergebnis von 2014 mit 14,9 t/ha Zuckerertrag nochmals um 0,8 dt/ha überschritten. (1)

Zu dieser Rekordernte kamen hohe bis sehr hohe Ertragserwartungen in anderen Zucker produzierenden Ländern wie Brasilien, Indien und Thailand – und so von Frühsommer bis September 2017 bereits ein heftiger Absturz des Zuckerpreises um rund 40 Prozent. Südzucker schätzt dies als temporäre Belastung ein, die hauptsächlich von „der Veränderung des EU-Zuckermarkts sowie durch das weiterhin sehr schwache Weltmarktumfeld in Folge der weltweiten Produktionsüberschüsse geprägt“ ist. Auch Nordzucker berichtet: „Diese neuen Rahmenbedingungen sowie ein erwarteter Produktionsüberschuss innerhalb der EU und ein daraus resultierender verschärfter Wettbewerb haben die Marktverhältnisse bereits jetzt deutlich verschlechtert. Dies zeigt sich in erheblich niedrigeren Zuckerpreisen.“ (2)

Diese Einschätzungen sind allerdings mittelfristig um zwei Aspekte zu ergänzen: Nicht jedes Jahr ist mit Rekorderträgen zu rechnen; bei Anbauflächen und Erträgen werden auch schwächere Jahre folgen, die eine Erholung der Zuckerpreise erwarten lassen. Hinzu kommen Prognosen, die von einem weiteren jährlichen Wachstum des Weltzuckermarkts um rund zwei Prozent und damit von positiven Marktimpulsen ausgehen. (1)

Die ersten Erfahrungen mit dem Wegfall der Quote lassen allerdings erkennen, dass der Zuckermarkt zukünftig von deutlich volatileren Preisen gekennzeichnet sein wird. Über die Konsolidierungsphase hinaus ist man aber beispielsweise bei dem Unternehmen Pfeifer & Langen überzeugt: „Heute und morgen spielt die Zuckerrübe aufgrund stabil hoher Erträge für die Landwirtschaft im Rheinland eine wesentliche Rolle.“ (1)

Seit dieser Einschätzung von Ende 2017 hat die Politik aber Weichen gestellt, die aus Sicht von Rübenanbauern wie Zuckerwirtschaft kontraproduktiv sind: So hat Bauer Willi Berechnungen angestellt, wie es um die Wirtschaftlichkeit des Zuckerrübenanbaus bestellt ist, wenn die Praxis ohne Neonicotinoide und Glyphosat auskommen muss. Sein Fazit: „Wenn also schon in den bevorzugten Regionen kein positiver Deckungsbeitrag erwirtschaftet werden kann, wird zumindest beim Szenario 2021 der Zuckerrübenanbau und damit auch die heimische Zuckererzeugung aus Europa verschwinden.“

Zugegeben – das ist eine Berechnung, bei der sich noch manche Variable ändern kann und sicher auch ändern wird. Aber die von Bauer Willi in seinem Fazit gestellte Frage bleibt, ob die politischen Entscheidungsträger vor ihren Entscheidungen wohl eine Folgenabschätzung vorgenommen haben

 

(1) https://www.lz-rheinland.de/flipping_books/2017/ZRJ_04/index.html#4/z
(2) https://www.nordzucker.com/unternehmen/news-media/ansicht/article/drittes-quartal-gutes-ergebnis-schwieriger-markt.html

Autor Dr. Andreas Frangenberg
2018 25. Mai